Datensätze in der Wetterdatenbank

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Eintrag 4554
Schlagworte Weinernte, Ausfall
Ortsangaben Wiesbaden
Zeitangabe 10.1879
Originaltext "Wiesbaden, 23. Oct. [1879]: Die diesjährige Weinernte auf dem Neroberg fällt so schlecht aus, daß der größte hiesige Weinbergsbesitzer nächst der Domäne, Herr, C. Christmann, gar nicht lesen läßt. Es dürfte das seit 50 Jahren nicht vorgekommen sein."
   
Eintrag 4553
Schlagworte Traubenreife, frühe
Ortsangaben Rüdesheim; Rauenthal; Bingen; Rheingau; Hochheim
Zeitangabe 28.8.1880
Originaltext "Die Entwicklung des Weinstockes macht in Folge des anhaltend guten Wetters, namentlich in den höheren Lagen, die erfreulichsten Fortschritte. In Rüdesheim, Rauenthal, Bingen und in vielen anderen Gemarkungen findet man schon reife Trauben, so frühzeitig demnach, wie es seit langer Zeit nicht vorgekommen ist. Die Rieslinger sind selbstverständlich noch zurück. Auch in Hochheim rechnet man auf einen halben Herbst."
   
Eintrag 4552
Schlagworte Weinernte, erwartete
Ortsangaben Rheingau; Bingen
Zeitangabe 1880
Originaltext Bingen. (Weinernte im Rheingau.) Erfreuliches meldet die Weinhalle über die zu erwartende Weinernte aus dem Rheingau. „Die Trauben,“ schreibt das Blatt, „haben bis jetzt schöne Fortschritte gemacht und berechtigen zu der besten Hoffnung, nur schade, daß es so wenig gibt. Das schlechte Wetter während der Blüthe hat viel geschadet, denn es sind viele Gescheine zu Grunde gegangen und andere sind stark durchgefallen. Es gibt wohl einzelne Weinberge und auch ganze Distrikte, in welchen noch ziemlich viele Trauben hängen, aber im Durchschnitt fällt der Ertrag gering aus; dagegen kann die Qualität, wie bemerkt, recht gut werden, wenn der Aug. u. Septbr. entsprechendes Wetter bringen, denn auf diese zwei Monate kommt viel an. Die Aussicht gewährt wenigstens den Trost, daß für die kleine Quantität hohe Preise bezahlt werden, wenn die Qualität gut wird. Weiterhin ist dann die Hoffnung, daß die Weinberge fürs nächste Jahr wieder vollständig ertragsfähig werden. Es ist ganz erstaunlich, wie selbst Stöcke, die man für verloren hielt, wieder ein junges kräftiges Holz getrieben haben; für dieses ist gutes Wetter nöthig, damit es vollständig reif ist, wenn der Winter eintritt.“
   
Eintrag 4551
Schlagworte Gewitter; Gebäudeschäden
Ortsangaben Lauterbach; Maar
Zeitangabe 29.7.1880
Originaltext "Lauterbach, 30 Juli [1880]. Gestern zog ein heftiges Gewitter über unsere Stadt und Umgebung und zündete der Blitz in dem Hause des früheren Bürgermeisters Walter zu Maar. Das Feuer konnte jedoch von der eigenen Feuerwehr bewältigt werden. Wir verfehlen nicht, an dieser Stelle die Benutzung der Feuerversicherungen in genügender Weise zu empfehlen."
   
Eintrag 4550
Schlagworte Wolkenbruch; Sturm
Ortsangaben Frankfurt; Hanau; Gelnhausen
Zeitangabe 26.7.1880
Originaltext "Frankfurt, 27 Juli [1880]. (Turnfest) Gestern Mittag wüthete, ähnlich wie bei dem Schützenfeste, ein von wolkenbruchartigen Regengüssen begleiteter heftiger Sturm, der mannigfaches Unheil in der Stadt und auf dem Festplatz zur Folge hatte. Gegen Abend klärte sich jedoch der Himmel wieder auf."
   
Eintrag 4549
Schlagworte Kirschenernte, reiche
Ortsangaben Friedberg
Zeitangabe 1881
Originaltext "Im Kreise Friedberg sieht man dieses Jahr einer überaus reichen Kirschenernte entgegen."
   
Eintrag 4548
Schlagworte Wolkenbruch; Überschwemmungen; Hochwasser; Gebäudeschäden
Ortsangaben Wetterau; Taunus; Usabach, Fluss; Usingen; Ziegenberg; Obermörlen; Nauheim; Friedberg; Ossenheim; Wetter, Fluss; Fauerbach; Niedermörlen; Seebach, Fluss
Zeitangabe 3.3.1880 - 4.3.1880
Originaltext "Friedberg, 4. März [1880]. In Folge eines in der verflossenen Nacht im vorderen Taunus gefallenenen Wolkenbruchs ist unsere ganze Umgegend in einen großen See verwandelt. Der sonst so harmlose Usabach, welcher hinter Usingen entspringt und das romantische Thal von Usingen über Ziegenberg, Obermörlen, Nauheim und Friedberg durchfließt und bei Ossenheim in die Wetter mündet, wälzt sich wie ein breiter reißender Strom durch das Thal, auch die Nebenflüßchen sind hoch angeschwollen und haben Felder und Wiesen überschwemmt. Nach den bis jetzt hier eingelaufenen Nachrichten hat die plötzliche Hochfluth erheblichen Schaden angerichtet, indem sie Brücken u. Stege wegriß, Mühlen und Gebäude beschädigte. In Fauerbach v.d.H., Ober= und Niedermörlen wurde das Vieh aus den Ställen geschafft, in Nauheim stehen die Gärten, ein großer Theil des Parkes und Badehäuser unter Wasser, eine der Brücken im Park, sowie mehrere kleine Uebergänge sind fortgeschwemmt worden, der große Teich ist übergetreten. Hier wurde eine an der Usa gelegene Sägemühle von dem Wasser demolirt und in dem städtischen Brunnenhause durch den von Ockstadt kommenden, in gewöhnlicher Zeit ganz unbedeutenden Seebach, die Fundamentmauern weggerissen, so daß das Gebäude abgesperrt werden mußte."
   
Eintrag 4547
Schlagworte Ostwind, starker
Ortsangaben Bornheim
Zeitangabe 31.5.1883
Originaltext „1883 … Wertheim war inzwischen der größte Arbeitgeber Bornheims. … Am 31. Mai 1883 brach im östlichen Fabrikgebäude, in welchem sich die Schreinerei, Gießerei, ein Teil der Dreherei und die Lackierwerkstatt befanden, mittags in Brand aus, der durch den starken Ostwind auch auf das westliche Gebäude übergriff; … Brandursache war vermutlich fahrlässiger Umgang mit Feuer in der Lackiererei. … Als Folge mußten 1884 ca. 150 Arbeiter wegen 25%igen Produktions-Rückständen entlassen werden.“
   
Eintrag 4546
Schlagworte Weinstockfruchtansatz, früher
Ortsangaben Vogelberg; Wingershausen
Zeitangabe 6.1880
Originaltext "An der Ost- und Südseite des Pfarrhauses in Wingershausen im Vogelsberg finden sich an einem Weinstock schon seit einigen Tagen sehr schön entwickelte S c h e i n e. – Gewiß eine Merkwürdigkeit in diesem Jahre!"
Am Weinstock wird der Fruchtansatz, der aus der Blüte hervorgegangen ist, „Schein“ genannt.
   
Eintrag 4545
Schlagworte Bäume, erfrorene
Ortsangaben Lauterbach
Zeitangabe 12.1879 - 3.1880
Originaltext "Die hiesigen Einwohner werden hiermit aufgefordert, in der Zeit vom 2. bis incl. 7. künftigen Monats, jedesmal Nachmittags von 2-6 Uhr, die Zahl aller in Folge des Winters 1879/80 abgestorbenen und aller gesund gebliebenen Obstbäume nach Art und ungefährem Alter, wie solches in Nr. 60 des Lauterbacher Anzeigers näher bezeichnet ist, in unserm Geschäftszimmer zu declariren. Lauterbach, am 28. Juli 1880. Großh. Bürgermeisterei Lauterbach, List"
   
Eintrag 4544
Schlagworte Bäume, erfrorene
Ortsangaben Darmstadt
Zeitangabe 12.1878 - 3.1880
Originaltext "In unserm Großherzogthum berechnet man den Schaden, den der Winter den Obstbäumen angethan hat, auf 6-7 Millionen Mark. Ein Dutzend Jahre sind nöthig, um den Verlust zu ersetzen."
   
Eintrag 4543
Schlagworte Witterung, kalte
Ortsangaben Bergstraße
Zeitangabe 15.5.1880
Originaltext "Von der Bergstraße: Erst jetzt sieht man deutlich, welch‘ großen Schaden der Winter an unseren Obstbäumen angerichtet. Die Weinberge auf der Höhe haben weniger gelitten, als die in der Ebene, und haben wir Aussicht auf einen guten Herbst, – wenn es recht bald warm wird. Wenn wir noch ein paar Tage die seitherige kalte Witterung behalten, dann sind die meisten Hoffnungen für einen guten Herbst für dieses Jahr geschwunden."
   
Eintrag 4542
Schlagworte Kälte, langanhaltende; Frostschäden; Baumschäden; Weinstöcke, erfrorene
Ortsangaben Pfungstadt; Hahn
Zeitangabe 12.1879 - 4.1880
Originaltext "Darmstadt, 30. April [1880]: Jetzt erst zeigt es sich, welch ganz enormen Schaden die langandauernde Kälte des letzten Winters an den Bäumen, hauptsächlich den Apfelbäumen verursacht hat. So sind beispielsweise an der Chaussee von Pfungstadt nach Hahn die auf beiden Seiten stehenden, mindestens 40–50jährigen Apfelbäume, sicher über 200 Stück, fast ohne Ausnahme erfroren. Wie hier verhält es sich in vielen Gegenden, namentlich in Ebenen und Thälern, während die an höher gelegenen Berghängen oder auch Hochebenen stehenden Bäume verschont geblieben sind. Auch die Weinberge haben verhältnismäßig gelitten."
   
Eintrag 4541
Schlagworte Nordostwind; Sicht, klare
Ortsangaben Frankfurt; Hanau; Gelnhausen
Zeitangabe 7.1880
Originaltext Bericht eines Herrn Theil über seine Ballonfahrt mit Frau Securius vom Zoologischen Garten Frankfurt im Juli 1880:
"Mein zweifelhaften Gefühle, mit denen ich unten als Neuling den Ballon bestieg, wurden sehr rasch durch das resolute kampfessichere Wesen meiner Begleiterin in sehr zuversichtliche umgewandelt und selbst in dieser Region, in welcher der Korb einige Schaukelbewegungen machte, empfand ich keine Spur von Angst oder Schwindel. Die Windströmung drehte sich, nachdem wir einige hundert Fuß weiter gestiegen waren, in eine ruhigere entgegengesetzte Richtung, wie wir es schon unten durch den kleinen Probeballon prophezeit bekommen hatten. Nun glitt der Ballon so ruhig, daß wir nicht die geringste Bewegung spürten. Wir passirten noch einmal den Zoologischen Garten, dessen Weiher von dieser Höhe aus wie eine Pfütze aussah, und befanden uns auf halbem Weg nach Offenbach in einer Höhe von 2500 Fuß. Hier war die Aussicht wo möglich noch schöner als die vorherige. Der Lauf des Mains trat hier schon in weiter gezogenen Umrissen auf und gegenüber in gleicher Höhe grüßte uns das höchste Wahrzeichen der Taunusgegend, das Feldberghaus. 20 Minuten nach 7 Uhr zeigte das Manometer den Höhenstand von 5000 Fuß und stolz ob des errungenen Sieges konnten wir nun auf das Feldberghaus hinunterblicken, sogar von recht beträchtlicher Höhe. Der Anblick, der sich jetzt bot, ist schwer zu beschreiben, ein Anblick, wie er nur Wenigen vergönnt ist, nur solchen, die sich eben einer Luftballonfahrt anvertrauen, weil man von einem Berge nie eine so nach allen Seiten gleichzeitig ungeschmälerte Aussicht genießen kann.
Wir näherten uns jetzt der Stadt Hanau. Menschen konnten wir von dieser Höhe aus nicht mehr erkennen. Der gleichzeitige Anblick der Städte Frankfurt, Offenbach und Hanau mit den übrigen Ortschaften hatte etwas ungemein Interessantes. Diese drei Städte sahen ungefähr aus wie drei in einer Entfernung von einem bis zwei Schuh daliegenden offenen Spielschachteln mit Häuschen, aus denen einige Klötzchen herausgefallen sein mußten, was die kleinen Ortschaften vorstellte. Der Ballon hatte noch nicht genug und hob sich immer noch. Bald hatten wir, es war etwas über halb 8 Uhr, unsere höchste Höhe von etwas über 7000 Fuß erreicht. Das Thermometer zeigte hier eine Temperatur von 5 Grad R. über Null. Wir passiren Hanau und trieben noch der Gegend von Gelnhausen zu, indem der Ballon nun stetig zu fallen anfing. (Auf einer Wiese kam der Ballon sammt seinen Insassen glücklich zur Erde.) (O.R.)"
   
Eintrag 4540
Schlagworte Sommergewitter, schweres; Regen; Wolkenbruch; Hagel; Überschwemmungen; Gebäudeschäden; Tote; Tiere, getötete
Ortsangaben Mainz; Wiesbaden; Gaulsheim; Gau-Algesheim; Schornsheim; Bechtolsheim; Budenheim; Himmighofen; Darmstadt; Bessungen; Gimsheim; Offenbach; Rastätten; Mommernheim; Lörzweiler; Harxheim; Dienheim; Nieder-Saulheim; Sauerschwabenheim
Zeitangabe 16.7.1881 - 17.7.1881
Originaltext "Mainz, 17. Juli [1881]. Unsere Stadt und die Umgebung wurde gestern Abend von einem schweren Unwetter heimgesucht. Gegen halb 7 Uhr zogen sich mehrere Gewitter, vom Taunus herkommend, über unsere Stadt zusammen und bald raste ein furchtbarer Sturm, untermischt mit einem wolkenbruchartigen Regen und Hagel, über unsere Stadt. Die ganze Natur schien in Aufregung, von allen Seiten zuckten die Blitze und furchtbar rollte der Donner. Ueber eine Viertelstunde dauerte dieser Zustand, das Wasser in den Straßen glich einem reißenden Strom; über einen Fuß hoch wälzte es sich dahin und setzte Keller und viele Parterre=Räume unter Wasser. Konnte schon aus diesem Grunde Niemand eine Straße passiren, so wäre dies geradezu lebensgefährlich gewesen. Der dahin rasende Orkan riß alles, was nicht sehr befestigt war, zusammen; tausende von Fensterscheiben wurden zertrümmert, die Straßen waren mit Glas, Blumenstöcken und Dachschiefern besäet, Schornsteine stützten zusammen, es war mit einem Wort ein Bild der größten Aufregung.
- G e w i t t e r . Ueber das schwere Gewitter am Samstag wird von allen Seiten berichtet. Auf dem Wege nach Wiesbaden ist ein Mann vom Blitz getroffen worden und zwischen Gaulsheim und Gau=Algesheim wurde ein Pferd, welches an einen Wagen gespannt war, erschlagen. In Schornsheim schlug der Blitz in die Kirche, in Bechtolsheim in das Rathaus; beide Gebäude sind abgebrannt. In Budenheim fuhr der Strahl in einen Baum, unter welchem zwei Kinder saßen, eines derselben wurde betäubt davon getragen. In Himmighofen wurde ein Knecht, der Klee holte, nebst seinen zwei Pferden erschlagen. In Wiesbaden hat der Blitz in zwei Häuser der oberen Adelhaidstraße und in ein Haus am Schiersteinerweg eingeschlagen, ohne zu zünden. Ein Arbeiter, der während des Gewitters an einem Karusselle unter den Eichen mit einen eisernen Werkzeuge hantirte, wurde von einem nahevorbeigehenden Blitzstrahl zur Erde geschleudert, war mehrere Stunden bewußtlos, ist jedoch wieder hergestellt. In Darmstadt schlug der Blitz zwei Mal ein, ohne erheblichen Schaden anzurichten. Ebenso in der Bessunger Gemarkung. In Gimsheim schlug der Blitz in einen Stall und tödtete zwei Kühe und Ziege. Der Stall und eine daneben liegend Scheuer brannten ab. In Offenbach fuhr der Blitz in eine Linde von 0,5 Meter Dicke und zerstörte den Baum total. Von großen Verwüstungen durch Hagel und Regen wird außerdem aus Rastätten, Mommernheim, Lörzweiler, Harxheim, Dienheim, Nieder=Saulheim, Sauerschwabenheim und anderen Orten berichtet."
   
Eintrag 4539
Schlagworte Witterung, nasse; Bodenerosion; Zugunglück
Ortsangaben Gensungen
Zeitangabe 19.12.1880
Originaltext "Mainz, 20. Dec.[1880] Der gestern Abend nach 7 Uhr von Frankfurt am Main nach Kassel abgehende Nachtschnellzug war es, welcher von dem Unglück erreicht wurde. In der Nähe der Station Gensungen (bei Kassel) hatte sich wahrscheinlich in der Folge der langanhaltenden nassen Witterung, ein großes Felsstück von einer Anhöhe losgelöst und war auf die Schienen gefallen. Leider konnte dem Schnellzuge von dem verderbenbringenden Felststurze nicht mehr rechtzeitig Kenntniß gegeben werden, und mit voller Dampfkraft brauste die Locomotive gegen die Felsmasse. Locomotive und Tender stürzten um und wurden zertrümmert, ebenso der Postwagen, während die meisten Personenwagen und der Gepäckwagen große Beschädigungen erlitten. Der Locomotivführer ist arg verbrüht und überdies an der linken Seite schwer verletzt; desgleichen haben der Heizer und ein Postschaffner erhebliche Verletzungen davongetragen, Aerztliche Hülfe wurde sofort requirirt und zur Stelle geschafft. Der Verkehr ist natürlich gestört und wird für die Personenzüge erst durch Umsteiger vermittelt. Es soll schreckliche Scenen abgesetzt haben, doch hat bis jetzt über die Anzahl der Todten und Verwundeten nichts Bestimmtes verlautet."
   
Eintrag 4538
Schlagworte Gewitter; Regen; Personenschäden; Tote; Tiere, getötete; Gebäudeschäden; Überschwemmungen
Ortsangaben Kassel; Rothenditmold; Wolfsanger; Niedervellmar; Wehlheiden; Melsungen; Ostheim; Oberbeisheim
Zeitangabe 12.6.1880
Originaltext "Cassel, 13. Juni: Gestern Nachmittag gegen 5 Uhr entlud sich bei 25 Grad R. ein ungewöhnlich heftiges Gewitter über unserem Thalkessel, wie es seit Jahrzehnten hier nicht vorgekommen ist. Der ganze Horizont war eine einzige Gewitterwolke, aus der Blitz auf Blitz, begleitet von unaufhörlichem furchtbaren Donner, hervorzuckte, während der Regen in Strömen herniedergoß. Die Elemente waren in ihrer ganzen grausigen Wuth entfesselt. Bei den furchtbaren Schlägen, welche hier und in der Umgebung einschlugen, erdröhnte der Erdboden, Häuser erbebten, die Thüren und Fenster klirrten. Durch den Schornstein eines hochgelegenen Gebäudes, welches drei Blitzableiter hat, fuhr der Blitz ohne zu zünden und ohne das in der Küche befindliche Mädchen zu verletzen. In R o t h e r d i t m o l d wurde ein Telegraphist in seiner Privatwohnung vom Blitz an der Seite gestreift und gelähmt; ebenso sein vierjähriges Söhnchen. In fast allen umliegenden Dörfern hat der Blitz eingeschlagen und mehrere Personen verletzt; meistens waren es sog. kalte Schläge. In W o l f s a n g e r wurde der Schäfer, in N i e d e r v e l l m a r eine Anzahl Schafe erschlagen. An einem Baugerüste zersplitterte der Blitz einer (sic!) Baum, ohne die darunter befindlichen Arbeiter zu berühren. In W e h l h e i d e n fuhr er mitten durch die mit Gästen gefüllte Gaststube, ohne Schaden zu thun. In M e l s u n g e n hat der Blitz dreimal ins Bahnhofsgebäude, ohne zu zünden, geschlagen, ein anderes Haus wurde von ihm völlig vom Dache befreit, ein Gerichtsvollzieher wurde an Arm und Seite gelähmt, eine junge blühende Frau erschlagen, wogegen ihr dichtbestehendes Kind unversehrt blieb. In O s t h e i m entzündete der Blitz die Kirche, welche völlig abbrannte. In Folge der wolkenbruchartigen Niederschläge ist ferner der Bahndamm der Berlin=Coblenzer Bahn bei Oberbeisheim durch Ueberschwemmung und Verschüttung von Einschnitten stark beschädigt, wodurch der Verkehr Malsfeld=Treysa gänzlich unterbrochen ist, voraussichtlich für 8 Tage und darüber."
   
Eintrag 4537
Schlagworte Hagelschlag; Regen; Wolkenbruch; Gebäudeschäden; Flurschäden
Ortsangaben Helmers
Zeitangabe 12.6.1880
Originaltext "H e l m e r s im Rosagrund, 13. Juni [1880]. Auch wir haben uns seither nach einem erquickenden Regen gesehnt, er ist gekommen und mit ihm eine schwere Heimsuchung über unser stilles Dörfchen, über unsere lachende Flur. Gestern kurz nach 12 Uhr fielen die ersten Tropfen eines wolkenbruchartigen Regens und E i s s t ü c k e. In wenigen Secunden hatten wir einen furchtbaren H a g e l s c h l a g. Eisstücke wie Taubeneier, einzelne wie Hühnereier, aber mehr spitzkugelartig, auch weintraubenförmig, bedeckten die Straße, so daß heute Morgen an vielen Stellen die Schlossen noch liegen. Mehr als 100 Fensterscheiben sind zertrümmert, ganze Fenster ausgerissen, eines davon 16 Meter weit dem Nachbarn in den Hof geschleudert worden; in einigen Häusern ist von der eindringenden Nässe die Bodendecke stellenweis eingestürzt. Die Flur ist am schlimmsten weggekommen. Die Erndtehoffnungen sind total vernichtet, so daß wir einem Nothstand entgegensehen, wie er anderwärts wohl nicht schlimmer gewesen sein kann. Auf Jahre hinaus wird der Schaden, der durch Abfluthung geschehen, noch bemerkbar bleiben. In einer halben Stunde war Alles vorüber."
   
Eintrag 4536
Schlagworte Kälte; Nachtfrost; Frost
Ortsangaben Gießen
Zeitangabe 18.1.1880 - 20.1.1880
Originaltext "Gießen, 20. Jan. [1880] Eine Zigeunerbande, welche sich trotz der in den beiden verflossenen Nächten hier herrschenden Kälte von 21° R in den umliegenden Wäldern häuslich niedergelassen hatte, befreite sich dadurch von der Haft, daß die Männer die schweren, massiv silbernen Knöpfe von ihren Röcken für Strafe, Kosten und Schadenersatz in Pfand gaben."
   
Eintrag 4535
Schlagworte Regen
Ortsangaben Schlüchtern
Zeitangabe 8.3.1848
Originaltext In Hanau hatte sich im Februar 1848 ein Freicorps der „Blusen- und Sensenmänner“ gebildet. Am 2.3.1848 erschien eine Hanauer Delegation beim Kurfürsten in Kassel und übergab eine Petition mit demokratischen Forderungen und der des Abzuges von Militär aus Hanau. "Der Kurfürst blieb vorerst unbeugsam. Er zog zwar das Militär aus Hanau an, ließ es aber in den umliegenden Dörfern einquartieren und so die Stadt einschließen. Von Fulda aus setzte er zudem das dort stationierte Regiment in Richtung Hanau in Marsch. Daraufhin entschloß man sich dort zum Widerstand. … sandte der Hanauer Verteidigungsausschuß einen Boten, der in Schlüchtern der dortigen Bürgergarde den Befehl überbrachte, das anrückende Fuldaer Regiment in den dichten Wäldern am Distelrasen und im „Mordgraben“ zu überfallen und zu vernichten. In Schlüchtern stand aber nur eine 300 Mann starke, mit Steinschloßgewehren bewaffnete Bürgergarde zum Kampf für die Freiheit bereit. … Sie verweigerten den Hanauer Befehl und entschieden sich dafür, durch Freundlichkeit die Soldaten für die Sache des Volkes zu gewinnen und nicht durch Blutvergießen die Fronten zu verhärten. Die Gardisten stellten sich in ihrer Stadt auf, um das Militär zu empfangen. Dieses kam am 8. März nach 21 Uhr auf Leiterwagen an und war wegen des anhaltenden Regens völlig durchnäßt. Die Soldaten staunten nicht schlecht, als ihnen aus dreihundert Kehlen ein donnerndes „Hurra!“ entgegenschallte und sie von den Bürgern in ihre Wohnungen mitgenommen und gut verköstigt wurden. Hier konnten sie auch ihre Uniformen trocknen. Nach einigen Stunden Rast ging es dann weiter in Richtung Hanau. Auch die Steinauer und die Salmünsterer Bürgergarde verhielt sich wie die Schlüchterner. Ehe es jedoch in Hanau zum Blutvergießen kam, gab der Kurfürst nach und erfüllte die meisten Forderungen der Aufständischen. Dazu hatte außer den Petitionen auch die Sympathie des Militärs für die Sache des Volkes beigetragen.“
   

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