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Eintrag 2529
Schlagworte Himmel, trüber; Regen, feiner; Nebel, Morgen-; Wind, Ost-
Ortsangaben Fulda; Petersberg; Margarethenhaun; Niederbieber; Langenbieber; Bieberstein; Schackau; Kleinsassen; Milseburg
Zeitangabe 14.7.1856
Quellenzeitangabe
Originaltext „Mit betrübten Herzen schauten wir schon beim Erwachen zu dem trüben Himmel hinauf. Ein feiner Regen stäubt vom grauen Himmel herab, und ein uns bis vors Thor begleitender Fuldaer Bekannter setzt uns redselig auseinander, wie thöricht es sei, an solchem Tage ins Gebirge zu gehen. Aber mein Reisegefährte besteht darauf zu reisen und setzt dem uns wohlmeinenden Warner seine Theorie für Fußtouren auseinander, welche darin besteht, wenn man in Zeit und Mitteln beschränkt ist, sich durch keinerlei Wetter von dem einmal gefassten Plane abbringen zu laßen. Denn bleibt das Wetter, so ist es einerlei und man hat wenigstens die Motzion (= körperliche Bewegung) gehabt, wird es aber beßer, so ist man umso vergnügter, schon ein Stück hinter sich zu haben. Außerdem ist kein Regentag so schlimm, daß man an demselben nicht Mancherlei sehen und erleben könnte.
Wir wanderten nun über Petersberg, Margarethenhaun, Niederbieber, Langenbieber nach Bierstein, immer nach dem dunkelgrünen, sargähnlichen Rücken der Milzeburg (sic!) schauend, die noch mit Nebel umgeben war. Während der Wanderung hatte ich gar oft an die Heimath gedacht, denn der graue Himmel und die trüben Wolken erinnerten mich zu lebhaft an die bevorstehenden trüben Tage in meiner Familie." Sie wanderten zum Schlößchen Bieberstein. "Die Aussicht war leider durch den immerwährenden Regen fast ganz verdunkelt, nur hier und dort warf die Sonne zuweilen einen freundlichen Blick auf die dunkle Landschaft." Die Wanderung ging über Schackau nach Kleinsassen. Am Nachmittag bestiegen sie die Milseburg bis zum Kruzifix auf deren Gipfel. "Die Aussicht war nicht sehr hell; Nebelgebilde zogen umher und bedeckten bald den Blick in die Ferne, bald öffneten sie sie ihn wieder. … Zuweilen ließen die stürmenden Wolken einen Blick in die Ferne zu. … Mehrere Stunden weilten wir auf der Höhe und schauten dem Kampfe der Wolken, des Windes und der Sonne zu. Gegen abend erhob sich ein mächtiger Ostwind und trieb die Wolken schnell gegen Westen zu. Auch zeigten sich einzelne blaue Fleckchen an dem Himmel; beides günstige Anzeichen für unsere morgige Wanderung!"
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   03.08.2008
Beleg Reinhard Heinrich Martin Bezzenberger: Reise nach Fulda und über die Rhön 1856, herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Günther E. Th. Bezzenberger, in: ZHG 100 (1995), S. 185-211.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   

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