Datensätze

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Eintrag 2219
Schlagworte Unwetter
Ortsangaben Vogelsberg; Breungesheim; Busenborn; Eschenrod; Wingershausen; Eichelsachsen; Eichelsdorf
Zeitangabe 3.6.1826
Quellenzeitangabe
Originaltext „Das „Schottener Kreisblatt“ veröffentlichte im vorigen Monat einen zeitgenössischen Bericht über die große Wasserflut am 3. Juni 1826 im oberen Vogelsberg, der in anschaulicher Weise ein Bild der Vewüstungen und Zerstörungen gibt, von denen das kleine nur etwa drei Stunden lange Eicheltal am Fuße des Hoherodskopfes betroffen wurde. Nach einer mehrtägigen unerträglichen Hitze entlud sich abermals gegen 5 Uhr am Bildstein ein furchtbarer Wolkenbruch. Das Wasser kam stromweis von den Bergen herunter und verwandelte binnen weniger Minuten das enge Eichelbachtal in einen reißenden Strom, der sich verheerend und mit unaufhaltsamer Wucht auf die Orte Breungesheim, Busenborn, Eschenrod, Wingershausen, Eichelsachsen und Eichelsdorf ergoß. Mit furchtbarer Gewalt wurden chaussierte Straßen völlig zerstört, Bäume entwurzelt, ungeheure Steine und Wagen weggeschwemmt und ganze Wohnhäuser mit den darin befindlichen Personen weggerissen. Allein in Eschenrod kamen 21 Personen ums Leben, darunter eine sechsköpfige Familie und 26 Gehöfte wurden völlig vernichtet, während 29 andere Gebäude mehr oder weniger schwer beschädigt wurden. Fast ebenso schwer wütete das Unwetter in Wingershausen und Eichelsachsen. In Eichelsachsen fiel eine fünfköpfige Familie der Katastrophe zum Opfer. Das ganze Tal bot ein Bild schrecklicher Zerstörung. Alle Wege, Brücken und Kanäle wurden zerstört. Der Verlust an Vieh, Acker- und Hausgerät, Wagen, Feldern und Wiesen war unermeßlich. Das Erdreich war von den Fluten teilweise 30 Fuß aufgerissen und die Wiesen und Felder waren von gewaltigen Geröllmassen in die Haus-, Küchen- und Ackergeräte, angekettete Kühe, die noch im Tode mit der futterspendenden Krippe verbunden waren, eingebettet lagen, aufgewühlt. An einem Weidenstumpf hing die Leiche eines vierjährigen Kindes, während die tote Mutter von einem Nußbaum, aus 18 Fuß Höhe heruntergeholt werden mußte. Tagelang waren Männer in hetzender Jagd auf der Suche nach den Opfern. Bei Wingershausen wurden sechs Leichen geborgen, in der Gemarkung Eichelsdorf sogar zwölf. Insgesamt forderte der Katastrophentag 27 Opfer. Der letzte Tote konnte erst am 26. Juni, 23 Tage nachher gefunden werden. Hoffentlich bleibt dem Vogelsberg die Wiederkehr eines solchen Tränentages erspart!“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   14.07.2007
Beleg Oberhessische Blätter. Wöchentliche Unterhaltungsbeilage zur Oberhessischen Zeitung, 6.7.1926.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   

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