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Eintrag 2919
Schlagworte Getreidemangel; Teuerung; Konflikte um Lebensmittel; Brotherstellung aus Trespenmehl; Verwendung des Saatgetreides als Lebensmittel
Ortsangaben Hersfeld; Friedewald
Zeitangabe 10.1847
Quellenzeitangabe
Originaltext „L.F.W. Boette, der um die Jahrhundertwende als Pfarrer in Friedewald tätig war, berichtet von den Erzählungen alter Leute über die Notsituation um die Mitte des 19. Jahrhunderts. ,Die jetzt leben, wissen gar nit, wie sie leben“, heißt es da. „In dem Jahre (1847) wars ganz schlimm. Der Laib Brot von 6 Pfund kostete 20 Silbergroschen (der stärkste Mann verdiente am Tag 7 Silbergroschen) und derbei konnte man ihn noch nit einmal krieg fürs Geld. In Lollz (Hersfeld) standen die Leut von hier vor dem Backofe, hatten das Geld in der Hand und konnten doch kein Brot krieg. Ohne Brot mussten sie wieder heim. Geschmissen haben sie sich vor dem Backofe, dass das Blut ist geflosse. Das Korn war meist Drespen, gemahlen und gebacken wurde es deswegen doch. Die Wicken zum Aussäen haben sie müss fress.‘ “

Erklärung: Lolls = Lullusfest; das ist die Woche Mitte Oktober, in die der Todestag des Gründers des Klosters Hersfeld am 16. Oktober fällt.
Bemerkungen nach: Boette, L.W.F.: Aus einer vergessenen Ecke, Band 1, 1909 (5. Aufl. 1925), Langensalza, S. 25.
Bearbeitungsstand   26.11.2009
Beleg Fritz Rudolph: Ronshausen. Dorfgeschichte im Zusammenhang der Landesgeschichte, Kassel 2. Aufl. 2001 (Hessische Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskunde; Bd. 36), S. 226.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   

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