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Eintrag 1904
Schlagworte Orkan
Ortsangaben Marburg; Dagobertshausen
Zeitangabe 18.7.1841
Quellenzeitangabe
Originaltext Erinnerung an die tausendjährige Eiche bei Dagobertshausen, welche am 18. Juli 1841*) den Todesstoß durch einen Sturm erhielt.

Bevor uns 50 Jahre schwanden
Zog oftmals ich zum Ort hinaus,
Wo eine Eiche hat gestanden
Nicht fern von Dagoberts Haus.

Ihr war, wie alte Sagen melden,
Eintausend Jahr die Lebenszeit.
Gleich der von Bonifaz gefällten
Dem starken Donnergott geweiht.

Ein halb Jahrhundert ist verschwunden,
Daß unsre Eiche fand ihr Ziel,
Daß sie nach oft geschlagnen Wunden
Gepeitscht vom Sturme niederfiel.

Zur Jugendzeit sah Christenheere
Vorbei sie wider Sachsen ziehn,
Heimkehren mit dem blutgen Speere,
Indeß besiegt die Heiden fliehn.

In ihrem kühlen Schatten ruhte
Ein Pilger oft und Wandersmann,
Der dann gestärkt mit heiterm Mute
Zog fürder die beschnittne Bahn.

Wie manches Vöglein, das bedrohte
Falk oder Habicht mit dem Mord,
Fand seine Rettung von dem Tode
In einem sichern Neste dort!

Wie oft erkor die grünen Zweige
In ihrem Heim Frau Nachtigall,
Die, wenn der Tag ging spät zur Neige,
Hier flötete den süßen Schall.

Zuletzt ohn’ alle Pietäte,
Ward sie, vom Alter ausgeschält,
Zur Wohnung und unsaubern Stätte
Zwei Borstentieren auserwählt.

Die während oben Vöglein sangen,
Einmischten eklen Schauerton,
Bis mit dem Messer kam gegangen
Ein Mann und gab verdienten Lohn.

Der Sturmwind kam, nahm diese Schande
Und hat ein gutes Werk getan,
Bedrückt durch langer Jahre Bande
Kam ihr des Alters Schwachheit an.

Und welche grimme Macht ist eigen,
Zerstörung bringend, bösen Sturm,
Hat mancher Sturz uns wollen zeigen,
Wer denkt nicht an den Siegesturm?

Kaum weiß man noch das Fleckchen Erde,
Wo unser Baum stand 1000 Jahr,
Kaum, welcher Tag ihn einst zerstörte,
Das wunderbare Exemplar.


*) Nach Ritters zuverlässigen meteorologischen Aufzeichnungen war dieser Orkan am 18. Juli und nicht wie in Vilmars hessischer Chronik steht am 18. Juni. Ein Bild dieser Eiche befindet sich in dem von Carl Wilhelm Justi (weiland Superintendent, Professor [] in Marburg) herausgegebenen Jahrbuch „Die Vorzeit“, Jahrgang 1821, wo derselbe Seite 316 auch schreibt: Wollt ihr, deutscher Art und deutschen Sinnes, herrlichstes Abbild, das Gott zwischen Himmel und Erde aufgestellt hat, sehen, so geht gen Dagobertshausen und schaut nach am Dorfe eine Eiche, hoch und hehr, und von solchem erstaunlichen Umfange, daß ihr werdet sagen müssen: Solch’ eine Eiche sahen wir nie! Diese tausendjährige heilige Gottes-Eiche, worunter Deutschlands Schutzgeist ehemals sein Wesen hatte, ist ,weil sie unten hohl war ,gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts für den Schweinehirten des Dorfes zum Schweinestall gemacht worden. O ökonomischer Sinn und Geist des Jahrhunderts, was vollbringst du nicht für Werke! Oben singen nun die Nachtigallen in den grünen Zweigen, und unten hausen Schweine. - Noch immer treibt diese uralte Eiche Blätter und Zweige, und erneuert alljährlich das beschimpfte Andenken einer ehrwürdigen vaterländischen Vorzeit.
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   23.08.2006
Beleg Oberhessische Zeitung, No. 166, 18.7.1891.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 1905
Schlagworte Orkan
Ortsangaben Dagobertshausen; Marburg
Zeitangabe 18.7.1841
Quellenzeitangabe
Originaltext „Vor dem Wall stand ehemals eine uralte und starke Eiche, die hohl war und als Schweinestall von einem Hirten benutzt wurde. Ein Orkan zerstörte das Naturdenkmal am 18. Juli 1841. Dr. K. W. Justi schrieb darüber in seinem wertvollen Werkchen „Die Vorzeit“ vom Jahre 1821 unter der Ueberschrift „Oekonomischer Sinn und Geist des Jahrhunderts“ wie folgt: „Wollt ihr, deutscher Art und deutschen Sinnes, herrlichstes Abbild, das Gott zwischen Himmel und Erde aufgestellt hat, sehen – so geht gen Dagobertshausen und schaut nach am Dorfe – eine Eiche, hoch und hehr, und von solchem erstaunlichen Umfange, daß ihr werdet sagen müssen: „solch’ eine Eiche sahen wir nie! Diese tausendjährige heilige Gottes-Eiche, worunter Deutschlands Schutzgeist ehemals sein Wesen hatte, ist – weil sie unten hohl war – gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts – für den Schweinehirten des Dorfes – zum Schweinestall gemacht worden. O ökonomischer Sinn und Geist des Jahrhunderts! Was vollbringst du nicht für Werke! - - Oben singen nun die Nachtigallen in den grünen Zweigen, und unten hausen Schweine. Noch immer treibt diese uralte Eiche Blätter und Zweige, und erneuert alljährlich das beschimpfte Andenken einer ehrwürdigen vaterländischen Vorzeit!“ – Wie wir sahen, ist die prächtige Eiche 1841 zerstört worden. Justis Werk bietet noch ein schönes Bild von dem gewaltigen Baum.“
Bemerkungen Von Lehrer Pez, Herbertshausen
Bearbeitungsstand   23.08.2006
Beleg Oberhessische Blätter, Wöchentliche Unterhaltungsbeilage zur Oberhessischen Zeitung, Nr. 4, Februar 1931.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   

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