Datensätze

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Eintrag 2241
Schlagworte Hitze; Gewitter; UnwetterHagel
Ortsangaben Stockhausen; Heisters; Altenschlirf; Zahmen; Weidmoos; Nösberts; Steinfurt; Ilbeshausen; Hörgenau; Hopfmannsfeld; Herbstein; Eichenrod; Engelrod; Eichelhain; Rebgeshain
Zeitangabe 28.6.1829
Quellenzeitangabe
Originaltext „Die Hitze am 28. Juni 1829 war beinahe unerträglich. Am Nachmittage zwischen 3 und 4 Uhr, stiegen im Osten und Norden schwere Gewitterwolken auf, die mit auffallender Schnelligkeit gegen den Vogelsberg zogen. Unterhalb desselben, zwischen Stockhausen, Heisters und Altenschlirf vereinigten sie sich, trennten sich, vereinigten sich wieder, und brachten, sich durchkreuzend und wirbelnd, Schrecken und Gefahr. In Nacht verwandelte sich der Tag, die Wolken schienen auf der Erde zu liegen, und begleitet vom heftigen Sturm und Platzregen, fiel, unter beständigem Blitzen und Donnern mit betäubendem Krachen, eine solche Masse von Hagel, daß die Erde einen halben Fuß hoch, an vielen Orten noch höher damit bedeckt, und die Oberfläche des Wasserstroms dem aufbrechenden Eisgange ähnlich war. Die ganze Schöpfung war im Aufruhr, alle Elemente schienen im Kampfe begriffen zu seyn, und auch der abgehärtetste Bösewicht jammerte, als sei der letzte seiner Tage erschienen. Beinahe eine halbe Stunde dauerte der Hagelschlag.
Wie schrecklich die Zerstörung und Verwüstung, wie groß der Schaden war, läßt sich schon daraus entnehmen, daß die kleinsten Hagelkörner die Größe von kleinen Kartoffeln hatten, und dabei von ungeheurer Härte waren. Noch am dritten Tage waren an vielen Orten solche vom Wasser zusammengetriebene Hagelmassen zu sehen, daß noch Wagen voll davon aufgeladen werden konnten. Menschen sind keine umgekommen, allein einige waren in Gefahr, und andere sind verwundet worden, aber Gänse, Tauben und andere Vögel wurden in den Feldern erschlagen gefunden. An vielen Häusern waren die Dächer zerrissen und theilweise abgehoben, die Gefache von der Oststeite ausgewaschen und zerlöchert, gleich als wäre Kugel neben Kugel geschossen, und alle der Wetterseite ausgesetzten Fenster waren zertrümmert.
Aber weit trauriger sahe es in den Feldern aus, wo alles, von der überaus günstigen Witterung so gesegnet dastand, und 16 Gemeinden waren so hart betroffen. Die Gemarkungen von Heisters, Zahmen, Waldmos, Rösberts, Stockhausen, Steinfurt, Ilbeshausen, Hörgenau und Hopfmannsfeld waren zum Theil, die von Herbstein, Altenschlirf, Eichelrod, Engelrod, Eichelhain und Rebgeshain aber ganz verheeret und verwüstet. Die Wald- und Obstbäume waren größtentheils entblättert und ihrer Früchte beraubt, die Winter- und Schotenfrüchte waren völlig zerstört, fast jeder Grashalmen war zahllos zerknickt, und von den Sommerfrüchten, Kartoffeln und Kraut war an vielen Orten kaum noch die Spur zu erkennen, wo sie gestanden. Das Wasser, das nach Aussage der ältesten Menschen, zu einer noch nie gesehenen Höhe gestiegen, hatte die Verwüstung vollendet, und den auf viele Jahre bleibenden Schaden noch vergrößert. Es hatte die Wiesengründe in offene Seen mit tobenden Wellen verwandelt, durch tiefe Gräben und Löcher die Aecker zerstört, hatte theilweise den Berg-Aeckern die gutr Erde weggeschwemmt und die Wiesen mit Schlamm und Steinen bedeckt. Nur der Schaden an den Feldfrüchten, wurde vorläufig an 200,000 Fl. angeschlagen.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   04.05.2014
Beleg Georg Wilhelm Justin Wagner: Hessisches Volksbuch oder Merkwürdigkeiten aus dem Vaterlande. Darmstadt 1834, S. 113ff.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 3052
Schlagworte Hagel; Unwetter
Ortsangaben Engelrod
Zeitangabe 1829
Quellenzeitangabe
Originaltext „Allein von der Natur her ist das Vogelsberger Gebiet schon benachteiligt; doch wenn, wie 1829, neben diesen Nachteilen schwerer Hagelschlag alle Felderzeugnisse vernichtet hat, dann bedeutet das Hunger und Katastrophe.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   20.06.2009
Beleg Fotoclub Lauterbach (Hrsg.): Lautertal in alten Aufnahmen. Materialien zur Geschichte der Orte Dirlammen, Eichelhain, Eichenrod, Engelrod, Hörgenau, Hopfmannsfeld und Meiches. Lauterbach 1987, S. 11.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 3053
Schlagworte strenger Frost
Ortsangaben Engelrod
Zeitangabe 1.1886 - 3.1886
Quellenzeitangabe
Originaltext „Der Winter 1886 war beständig und schön und nicht allzu kalt. Er brachte anhaltend klares Wetter, eine herrliche Schlittenbahn. Aber die Minustemperaturen im März übertrafen bei weitem die des Januars. Nach dem Tauwetter folgte ein lieblicher Frühling und ein schöner beständiger Sommer. Die Preise waren indeß gering, obwohl die Ernte eine gute war.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   20.06.2009
Beleg Fotoclub Lauterbach (Hrsg.): Lautertal in alten Aufnahmen. Materialien zur Geschichte der Orte Dirlammen, Eichelhain, Eichenrod, Engelrod, Hörgenau, Hopfmannsfeld und Meiches. Lauterbach 1987, S. 46.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 3054
Schlagworte Schneefall; Schneesturm; Kälte; Nässe
Ortsangaben Engelrod; Schotten
Zeitangabe 12.1886 - 5.1887
Quellenzeitangabe
Originaltext „Der strenge Winter 1887 begann ziemlich zeitig im Dezember des Vorjahres mit heftiger Kälte und einem solchen mächtigen Schneefall und heftigen Schneestürmen, wie es selbst in unserem rauhen Klima selten ist. Um die Weihnachtszeit war wochenlang weit und breit aller Verkehr aufgehoben.
Die Zeitungen haben zahlreiche Berichte von erschütternden Unglücksfällen gebracht, welche dieses Unwetter leider im Gefolge hatte. So kamen in Schotten allein in wenigen Tagen an dreißig Menschen, die unterwegs waren, ums Leben, teils vor Kälte, teils vor Erschöpfung, teils vom Schnee verschüttet. Der Winter regierte in dieser Strenge bis weit in den April. Ihm folgte ein schönes Frühjahr, ein kalter, nasser Mai, aber ein warmer, trockener Sommer. Infolge der großen Dürre war die Ernte nur eine geringe; die Kartoffeln alleine lieferten einen guten Ertrag.
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   20.06.2009
Beleg Fotoclub Lauterbach (Hrsg.): Lautertal in alten Aufnahmen. Materialien zur Geschichte der Orte Dirlammen, Eichelhain, Eichenrod, Engelrod, Hörgenau, Hopfmannsfeld und Meiches. Lauterbach 1987, S. 46.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 3055
Schlagworte Nässe; Kälte; strenger Frost; Schnee
Ortsangaben Engelrod; Hopfmannsfeld
Zeitangabe 9.1887 - 4.1888
Quellenzeitangabe
Originaltext September war wieder naß und kalt. Mitte Oktober zog der Winter ein mit Schnee und Eis und herrschte mit kurzen Unterbrechungen bis zum 20. April 1888. Man glaubte sich nach Sibirien versetzt! Wenn man bedenkt, welche Wege ich in diesen drei Wintern zu machen hatte, um den Pflichten unseres Amtes in den sieben Gemeinden nachzukommen, so muß ich es als eine Gnade Gottes ansehen, daß mir die oft lebensgefährlichen Gänge kein weiteres Nachspiel als einen vorübergehenden Schnupfen gebracht haben. Manchmal mußte ich bei dem scheußlichen Unwetter zu Fuße wandern, weil die Hopfmannsfelder hießigen Herrn Bauern erklärten: „Bei dem Wäder duhn mer kaan Gaul enaus.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   20.06.2009
Beleg Fotoclub Lauterbach (Hrsg.): Lautertal in alten Aufnahmen. Materialien zur Geschichte der Orte Dirlammen, Eichelhain, Eichenrod, Engelrod, Hörgenau, Hopfmannsfeld und Meiches. Lauterbach 1987, S. 46.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 3056
Schlagworte Schneefall
Ortsangaben Engelrod; Rebgeshain; Ulrichstein
Zeitangabe 1894 - 1895
Quellenzeitangabe
Originaltext „Der Winter 1894/95 ist einer der schlimmsten gewesen, die der Vogelsberg überhaupt gehabt hat. Selbst die ältesten Leute erinnern sich nicht, so lange und eine solche Menge Schnee gesehen zu haben. Auf der Staatsstraße Engelrod – Ulrichstein marschierte man fast ununterbrochen, und so Monate lang, zwischen Schneemauern in der Höhe zwischen einem und drei Metern, die der Straßenwart aus dem auf der Straße liegenden Schnee aufgetürmt hatte. So kamen an die Schneeschipper von Seiten des Fiskus über 1100 Mark. Der Verdienst war umso willkommener, als vier Monate lang der Oberwald, in ihm lagernde Schneemengen halber, den Holzhauern verschlossen war. An manchen Tagen war das „Wooswetter“ ein ganz fürchterliches. An einem Abend im Februar tobte es so, daß die Post von der Straße Rebgeshain – Engelrod bei der schwarzen, von dem fallenden und wirbelnden Schnee verstärkten, Finsternis abkam und anstatt nach Engelrod nach dem Rebgeshainer Friedhofe fuhr. Unglaublich – aber wahr!“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   20.06.2009
Beleg Fotoclub Lauterbach (Hrsg.): Lautertal in alten Aufnahmen. Materialien zur Geschichte der Orte Dirlammen, Eichelhain, Eichenrod, Engelrod, Hörgenau, Hopfmannsfeld und Meiches. Lauterbach 1987, S. 47.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 3057
Schlagworte Dürre; Trockenheit
Ortsangaben Engelrod
Zeitangabe 23.2.1893 - 8.7.1893
Quellenzeitangabe
Originaltext „Seit dem 23. Februar 1893 hat es nun nicht mehr geregnet. Nur zwei oder drei mal hatten wir in dieser langen Zeit Regen, aber jedesmal nicht länger als drei oder vier Stunden. Die ältesten Leute entsinnen sich nicht, daß jemals eine gleiche Dürre geherrscht habe. Allenthalben begegenet man Gesichtern voller Verzweiflung.
Auf den Feldwiesen steht keine Spitze Gras. Auf den Kirchenwiesen, die etwas besser sind als diese, ist alles grau, wie im Spätherbste. Der Abach im Ogrund ist vollkommen bis auf das letzte Tröpfchen Wasser ausgetrocknet, der ganze Ogrund ist weiß und grau.
Am 20. Juni sind die Leute allenthalben der Verzweiflung nahe. Unsere Dörfer sind hauptsächlich auf Viehzucht angewiesen, und jetzt ist kein Futter da.
Das Vieh sieht entsetzlich aus. Wenn es des Mittags von der Weide kommt, auf der nichts ist, schreit es vor Hunger.
Wenn es Gott nicht noch ändert und bald Regen schickt, gehen wir einer furchtbaren Hungersnot entgegen. Ach Herr, bewahre uns davor gnädiglich!
Am 21. Juni wird die Not noch größer. Sonnenschein, nichts als Sonnenschein. In Eichelhain fängt man an, das Vieh aus Futtermangel zu schlachten, und das Fleisch zu verkaufen.

Am 24. Juni haben wir einen Gedächtnisgottesdienst in Hörgenau gehalten und niemals eine andächtigere Gemeinde gehabt. Man schreit um Gottes Hilfe! Ach, wäre es das Ende der Dürre! Der Regen hat bis jetzt, den 28. Juni, wenn auch nur zeitweise, sanft strömend angehalten. Er dringt nur allmählich ein. In den Feldwiesen wirds an einigen Stellen grün. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.

Am 1. Juli ist die Dürre wieder da. Der Regen hat seit vorgestern wieder aufgehört. Der Kirchenvorstand hat jetzt wöchentlich Bittgottesdienste eingerichtet. Am 5. Juli Abend 6 Uhr soll der erste sein.

Am 8. Juli noch immer kein Regen. Die Not ist auf dem Gipfel gestiegen. In Eichelhain und Rebgeshain fangen die Leute an zu stehlen. Aus jedem Hause sind sie in den Oberwald gezogen, und haben die dort liegenden sumpfigen, den Freiherren Riedeseln gehörigen Wiesen abgemäht. Wenn es noch länger so geht, ist auch das Privateigentum nicht mehr sicher.
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   20.06.2009
Beleg Fotoclub Lauterbach (Hrsg.): Lautertal in alten Aufnahmen. Materialien zur Geschichte der Orte Dirlammen, Eichelhain, Eichenrod, Engelrod, Hörgenau, Hopfmannsfeld und Meiches. Lauterbach 1987, S. 47.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 3058
Schlagworte Regen
Ortsangaben Engelrod
Zeitangabe 12.7.1893
Quellenzeitangabe
Originaltext "Gott sei gedankt am 12. Juli. Seit gestern anhaltender Landregen. Heute Abend 6 Uhr war ein Dankgottesdienst in zahlreich versammelter Gemeinde.
Der letzte erwähnte Landregen hielt an. Aber die Heuernte war fast verloren. Das Grummet dagegen in den Grundwiesen wuchs überreichlich. Die Kartoffelernte gab einen selten gesehenen Segen, doch mit Winter- und Sommerfrucht konnte man nicht zufrieden sein. Auch gab es reichlich Kraut, wenn es auch zu einem geringen Preis verkauft werden mußte."
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   20.06.2009
Beleg Fotoclub Lauterbach (Hrsg.): Lautertal in alten Aufnahmen. Materialien zur Geschichte der Orte Dirlammen, Eichelhain, Eichenrod, Engelrod, Hörgenau, Hopfmannsfeld und Meiches. Lauterbach 1987, S. 48.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 3059
Schlagworte Wärme
Ortsangaben Engelrod
Zeitangabe 10.1897
Quellenzeitangabe
Originaltext "Der Altweibersommer im Oktober 1897 war noch einmal ein Sommer, der hier selten war. Bis Ende desselben, wurde das Vieh auf die Weide getrieben, ein Vorkommnis, dessen der Schreiber sich nicht aus seinem achteinhalbjährigen Aufenthalte sonst erinnerte.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   20.06.2009
Beleg Fotoclub Lauterbach (Hrsg.): Lautertal in alten Aufnahmen. Materialien zur Geschichte der Orte Dirlammen, Eichelhain, Eichenrod, Engelrod, Hörgenau, Hopfmannsfeld und Meiches. Lauterbach 1987, S. 48.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 4223
Schlagworte Schneestürme; Eisenbahnverkehr, Einstellung; Ostwind; Zugausfälle; Postverkehr, Behinderung; Schneehöhe bis 3 Meter; Frost; -20° Celsius; Personen, verletzte
Ortsangaben Oberhessen; Lauterbach; Großenlüder; Alsfeld; Wallenrod; Vogelsberg; Lauterbach; Engelrod
Zeitangabe 8.2.1889 - 13.2.1889
Quellenzeitangabe
Originaltext "Seit Freitag, dem 8. Februar 1889, wüteten Schneestürme wie seit Jahren nicht in der Provinz Oberhessen. An diesem Freitag um zwei Uhr nachmittags passierte der letzte Eisenbahnzug den Bahnhof Lauterbach; der von Fulda um 6 Uhr 37 abgehende, aus drei Wagen bestehende Zug blieb bei Großenlüder im Schnee stecken. Am Sonnabend Morgen gelangte der von Alsfeld kommende Zug nur bis Wallenrod; die Reisenden mußten einen Tag und eine Nacht in dem vom eisigen Ostwind umbrausten Zug verleben und konnten am eigenen Leibe die schmerzliche Wahrheit des Wortes feststellen, der Vogelsberg sein „ein wahres Sibirien“; erst am Sonntag Mittag konnte der Zug nach Alsfeld zurückfahren. Der Schnee lag drei Meter hoch, auf der Lauterbacher Strecke bemühten sich 162 Mann um seine Beseitigung. Der Postverkehr war stark behindert, überall blieben die Schlitten stecken. Vielfach reichten die Schneedünen bis an die Telegrafendrähte. Am 13. Februar, nach fünftägiger Unterbrechung, konnte die Strecke nach Gießen, am nächsten Tage die nach Fulda, wieder werden. Bei zwanzig Grad Kälte schippten hunderte von Männern den Schnee beiseite. Bei Engelrod warf der Schneesturm am 9. Februar einen Postwagen um, wobei der Postillion verletzt wurde."
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   24.10.2015
Beleg Karl Siegmar Baron von Galéra: Lauterbach in Hessen, Geschichte einer Stadt und ihrer Bürgerschaft. Band III. 1821–1945, Neustadt an der Aisch 1965, S. 335 f.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   

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