Datensätze

Seite: 1

Eintrag 1618
Schlagworte Unwetter; Gewitter; Sturm; Blitz; Regen; Hochwasser; Überschwemmungen; Erbeben; Wasserschäden; Sturmschäden
Ortsangaben Niederhessen; Marburg; Melsungen; Rotenburg; Kassel; Hann. Münden; Homberg; Relbehausen; Lützelwig
Zeitangabe 8.1.1552 - 12.1.1552
Quellenzeitangabe
Originaltext „Am achten und neunten Tage des Jänners fielen überaus große Regen, das man dergleichen in vielen Jahren nicht mehr erhört und erfahren hat. Denn es wurden die fürnehmsten Wasser im Land zu Hessen so groß und flutig, daß sie viel steinern und hölzern Brükken, Häuser und anderes zerbrochen und hinweg führten ...“. Mit diesen Worten beginnt ein alter Bericht über das große Unwetter in Niederhessen in der Zeit zwischen dem 8. und 12. Januar 1552. Über diese „ganz grausamlich und schreckliche Wasserflut“ gibt es im wesentlichen vier verschiedene Quellen. Zwei Seiten widmet der in Homberg geborene Wigand Lauze, Chronist des Landgrafen Philipp, den „überaus großen Regen, ungestümen Winden, schrecklichen Blitzen und ziemlichen Erdbeben“, die am 10. Januar bei Marburg „die feine Brücke“ zerstörten und 24 Menschen mit in den Tod nahmen. Das „schwere Wetter“ hat auch zu Rotenburg „die Brücke abgeworfen“ und in „Milsungen die lustige steinerne Bruck mit Pfeilern und anderem hingenommen, auch etliche Personen in einem Hause ... und ist zu Cassel allenthalben in die Vorstadt gangen und hat viel Häuser durchflossen zu Gemunden (Hann. Münden), ist bis auf einer Ellen lang über die Stadtmauer gangen, in die Kirche St. Johannes Altar, und man in der Stadt mit Nachen und Booten umhergefahren“. Von starken Gewittern, Wasser- und Sturmschäden berichtet Lauze auch aus der Gegend um Homberg. „Bei Homberg in Hessen ist ein Dorf, Relbehausen genannt, da hat das gedachte Wetter eine Behausung ineinandergestürzt, daß es ein Wunder gewesen, anzusehen“, und nur durch glückhafte Fügung entging eine Frau, die „im selben Haus im Bette gelegen und ein Kind neben sich in ihrer Wiegen gehabt“, dem Tode. „Noch in einem anderen Dorfe, Lützelwig, hat angezeigtes Gewitter an eines Edelmannes Haus die Stoben etwas von ihrer Lagerstatt verruckt und fast alle Bäume in seinem Garten dahinter mitten entzwei gedreht wie eine Wedt (Gerte).“ Der „schrecklich Windt“ warf Scheuern und Stallungen um, fegte die Ziegeln von den Dächern und riß von einem Bauernhaus das ganze Obergeschoß mitsamt dem Kornboden nieder. Die schweren Regenfälle und der Sturm waren von Gewittern und erdbebenähnlichen Erschütterungen begleitet, die man entlang von Ohe, Efze und Rinne deutlich gespürt hat. Lauze überliefert, daß überall Mauern einstürzten, steingefaßte und mit Steinen abgedeckte Gräber einbrachen und in den Häusern und in den Schränken die Schüsseln und Teller klirrten. Ein weiterer Bericht über die „ganz grausam und schrecklich Geschieht einer großen Wasserflut“ in den ersten Januartagen des Jahres 1552 lieferte der Schuhmachermeister Heinrich Engel aus Weidenhausen (Kr. Marburg). Er schildert in 70 Remsaaren vor allem den auch bei Lanze erwähnten verhängnisvollen Marburger Brückenbruch. Der Vierblatt-Quartdruck befand sich früher unter den Cimelien der Landesbibliothek in Kassel. „Wie hoch des Wassers Höh' gegangen, hat mancher angefangen zu schreiben hoch an die Wänd, da sich die Netz vom Wasser endt.“ Justi überliefert in seinem Werk „Vorzeit“ die Inschrift einer Tafel, die sich an der 1795 abgerissenen Maria-Magdalenenkirche auf dem Holzmarkt in Kassel befand. „Anno Domini 1552 den 10. Januar, in der Nacht ein großes unversehen Gewässer kommen, so hoch gelaufen, daß es unten Haus hoch in den Predigtstuhl gegangen und ist jetzt fünf Viertel einer Ellen höher gewesen als vor 210 Jahren (1342). Diese Flut hat an vielen Brücken und Häusern die Fulda entlang Schaden getan, auch an vielen Orten Leute und Vieh ersäuft. Die andere Nacht ist ein großer ungestümer Wind mit Donnerschlägen kommen, an vielen abgelegenen Orten in Türme und Ställe geschlagen, die Türme verbrannt und Häuser angesteckt.“ Unter den Sammlungen des jüngeren Schminke befinden sich Briefe, die zwischen dem 8. und 12. Januar 1552 von Kassel nach Marburg (und umgekehrt) geschrieben wurden, die ganz unter dem Eindruck des schweren Unwetters stehen. „Ich kann in kurzen Worten nicht anzeigen, wie gar schrecklich allhie zu Cassel das Gewässer gehandelt . . . dies Gewässer ist über alle Maß gewesen, daß es durch die ganze Neustadt gegangen und hat das vorige, so Anno 1342 ist angezeigt, bei anderthalb Ellen übertroffen.... wäre der Wall entzwei gebrochen, so wäre die ganze Neustadt hinweggeflossen ... Wahrlich viel Jammer und Klagen allhier. Viel Kühe und Schweine ertrunken, sein Häuser, Hausrat und auch Menschen geflossen kommen ... Des Nachts um 12 Uhr ist ein großes Wetter gekommen und etliche harte Donnerschläge mit schrecklichem Feuer und Blitzen unversehens geschehen.“ Die unermeßlichen Schäden, die dieses Unwetter verursachte, konnten in Marburg und Kassel erst 1555 beseitigt werden. Melsungen hatte erst im Jahre 1595 Geld genug, um die zerstörte Brücke neu zu bauen.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   10.03.2011
Beleg Georg Junker: Rundum den alten Kirchturm. Ortschronik Cassdorf. Dorf und Gemarkung in Vergangenheit und Gegenwart, Homberg 1986, S. 101 f.
Bearbeiter Jochen Ebert
   

Seite: 1