Datensätze

Seite: 1

Eintrag 1901
Schlagworte Tauwetter; Regen; Erdrutsch
Ortsangaben Marburg
Zeitangabe 26.1.1846
Quellenzeitangabe
Originaltext „An der Stelle, wo die 1846 eingestürzte Mauer an die alte Aula grenzte, war die Mauer an zehn Meter hoch. Mehrfach waren angeblich die maßgebenden Behörden auf die Baufälligkeit der oben überhängenden Mauer aufmerksam gemacht worden, ohne daß etwas geschehen war. Oberhalb der Mauer befand sich bei dem Gymnasium ein Garten, in dem sich durch eingetretenes Tauwetter hinter der hohen Mauerbrüstung eine erhebliche Wassermenge angesammelt hatte. Teilweise drang das Wasser doch in die Erde, machte sie löslich und schwer, der Druck auf die Mauer wurde immer stärker, schließlich vermochte sie die durchnäßten Erdmassen nicht mehr zu halten, und sie stürzte ein. Zur Aufräumung der Straße am Lahntor mußte mußte die Bürgerschaft aufgeboten werden; erfüllten doch Erde, Steine und Geröll ein bis zwei Meter hoch die ganze Breite der Straße von der sogenannten scharfen Ecke bis zum Waisenhaus.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   23.08.2006
Beleg Oberhessische Zeitung, Nr. 236, 8.10.1921.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 1902
Schlagworte Regen; Gewitter; Erdrutsch
Ortsangaben Marburg
Zeitangabe 22.1.1552 - 24.1.1552
Quellenzeitangabe
Originaltext „Dreihundert Jahre früher hören wir von einem ähnlichen Vorfall, bei dem glücklicherweise kein Menschenleben vernichtet wurde. Nachdem um die Jahreswende 1551/52 anhaltendes Regenwetter gewesen und am 12. Januar ein überaus furchgbares Gewitter niedergegangen war, fiel am 14. Januar morgens um acht Uhr ein Teil der Predigtmauer – so genannt, weil sie das Dominikaner- oder Predigerkloster umzog – am Pilgrimstein neben der Mühltreppe ein und beschädigte mehrere darunter stehende Häuser. Vier Tage zuvor war die Brücke bei der unteren Sieche eingestürzt, die Walkmühle am Grün war umgefallen, und merhere Häuser dort und in Weidenhausen hatte die Flut teils beschädigt, teils unbrauchbar gemacht. Das größte Unheil aber hatte sich auf der Weidenhäuser Brücke, auf der in der Mittagsstunde des 10. Januar zur Besichtigung der Flut viele Menschen aus allen Teilen der Stadt zusammen gekommen waren, zugetragen. Indem die Menschenmasse wegen eines plötzlich einsetzenden furchtbaren die Brücke so schnell als möglich verließ, stürzte der mittlere Teil der Brücke ein, und 24 darauf noch befindliche Menschen wurden in den Fluten begraben.“
Bemerkungen Auf den gregorianischen Kalender umgerechnet.
Bearbeitungsstand   23.08.2006
Beleg Oberhessische Zeitung, Nr. 236, 8.10.1921.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 2223
Schlagworte Starkregen; Erdrutsch
Ortsangaben Waldmichelbach
Zeitangabe 28.5.1817
Quellenzeitangabe
Originaltext „Die Wohnung des Georg Jost zu Waldmichelbach stand am Fuße eines hohen Bergs. In Folge des zwei Tage hindurch angehaltenen starken Regenwetters rutschte am 28. Mai 1817, Morgens 5 Uhr, eine starke Erdmasse ab, stürzte sich auf dieses Wohnhaus, und zertrümmerte zwei Stuben, eine Kammer, den Speicher und Keller. Ein Mädchen von 13 Jahren schlief in der Kammer, als es plötzlich, auf eine unbegreiflich schnelle Weise, hinter der Thüre des Hauses am Berg stand, und seine Bettlade verschüttet sahe, die nachher ganz zerschmettert gefunden wurde.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   13.07.2007
Beleg Georg Wilhelm Justin Wagner: Hessisches Volksbuch oder Merkwürdigkeiten aus dem Vaterlande. Darmstadt 1834, S. 101.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 2225
Schlagworte Gewitter; Erdrutsch
Ortsangaben Gießen
Zeitangabe 22.2.1799
Quellenzeitangabe
Originaltext „Am 22. Febr. 1799, Morgens zwischen 3 und 4 Uhr, zog von Westen her über die Stadt Giessen ein Gewitter, dem ein gewaltiges Sausen vorausgegangen, und das bei dem äußerst niedern Zug der dunkeln Wolken so fürchterlich war, daß die Magazinswärter aus dem Schießhause liefen, und sich auf den Trieb flüchteten. Auf einmal erhob sich ein Sturmwind; Schornsteine fielen ein, Ziegel flogen von den Dächern weit umher, dabei Regen, Blitz und Donner und dreimal wurde eine Erschütterung der Erde wahrgenommen. Vor der Stadt hatte der Blitz in einem Baum geschlagen, in einem Garten war ein Brunnen verschüttet worden, ein anderer in Wieseck; beim Albacher Hof hatte sich eine Erdneigung ereignet.
Dieses Gewitter hatte auch ganz Brüssel in Schrecken gesetzt, namentlich eine Schildwache auf dem Wall getötet und 3 Häuser einer Mühle umgerissen.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   13.07.2007
Beleg Georg Wilhelm Justin Wagner: Hessisches Volksbuch oder Merkwürdigkeiten aus dem Vaterlande. Darmstadt 1834, S. 102.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 3097
Schlagworte Starkregen; Erdrutsch
Ortsangaben Bicken
Zeitangabe 5.1824
Quellenzeitangabe
Originaltext „Im Frühjahr Monat May 1824 fiel, nach einem zweitägigen starken Regen obig Bicken, am Mosgesberg, einem Berg, welcher den vorhergehenden Winter seiner Bäume, als Eichen und Buchen durch abhauen zu Gemeinde Klafterholz entledigt worden war, ein großer Theil zusammen, mit solcher Gewalt, daß viele grüne Stöcke von den gefällten Bäumen, und dicke Wurzeln von einander gerissen, so wie eine ungeheure Masse Erde und Steine mit Stöcken herunter auf die Chaussee geworfen wurde. Am Berg selbst hatte die Erde sich so von einander getheilt und erniedrigt, daß man mehrere Klafter Holz hätte hinein legen können.
Was mag dieses gewesen seyn?“
Bemerkungen Aus der Schulchronik Bicken.
Bearbeitungsstand   27.08.2009
Beleg Helmut Groos: Mittenaar. Ein Heimatbuch. Mittenaar 1988, S. 365.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 3146
Schlagworte Gewitter; Wolkenbruch; Unwetter; Überschwemmung; Erdrutsch
Ortsangaben Eschenrod; Eichelsdorf; Eichselsachsen; Breungeshain; Busenborn; Wingershausen
Zeitangabe 3.6.1826
Quellenzeitangabe
Originaltext Zeitgenössischer Bericht des Lehrers Ludwig Salzmann (Eschenrod) – mitgeteilt und ergänzt vom W. Würz, Eichelsdorf

Der Hoherodskopfbesucher sieht zu Füßen ein enges Tälchen, das im Laufe der Jahrtausende von den Wassern der Eichel in die Basaltmasse des Vogelsbergs eingesägt wurde. Nur 3 Stunden lang ist der Weg des Bächleins, denn schon in Eichelsdorf vereinigt es sich mit der größeren Schwester Nidda.
Hundert Jahre sind verflossen, so hieß es in einem im Jahre 1926 erschienenen Zeitungsbericht, da wurde eines Tages das winzige Wässerlein zum Riesen, der die Eicheltäler in Angst und Schrecken versetzte. Der damalige Lehrer Ludwig Salzmann schrieb unter dem Eindruck des gewaltigen Ereignisses nieder, was er in diesen Unglückstagen erlebte, und ein gütiges Geschick hat uns seinen Bericht in die Hände gespielt, der gegenüber den Eicheltäler Pfarrchroniken den großen Vorzug hat, zeitgenössisch zu sein.
„Der 3. Juni 1826 war für mehrere Gemeinden unseres Bezirks ein Tag des Jammers. Nach Tagen einer beständigen und unerträglichen Hitze zogen von Süden schwere Gewitterwolken heran nach den Höhen des Vogelsberges. Sie sammelten sich immer mehr und entluden sich gegen 5 Uhr abends durch einen furchtbaren Wolkenbruch (am Bilstein). Das Wasser kam stromweis vom Berg herunter, flutete ganze Felder weg und ergoß sich nach dem Tal, in dem die Orte Breungeshain, Busenborn, Eschenrod, Wingershausen, Eichelsachsen und Eichelsdorf liegen. Bei Eschenrod hatte sich alles in einen Strom verwandelt, der sich verheerend auf dieses Dorf wälzte.
Alles dieses war das Werk einiger Minuten. Die ganze Straße, welche der Länge nach durch Eschenrod führt, stand plötzlich 30 Fuß hoch unter Wasser, welches haushohe Wellen schlug in seinem unaufhaltbaren Toben, die chaussierte Straße völlig zerstörte, Bäume entwurzelte, Bauholz, ungeheure Steine und Wagen wegschwemmte, die Grundmauern der an der Straße stehenden Häuser untergrub, ganze Wohnhäuser mit den darin befindlichen Bewohnern und an vielen Wohnungen ganze Teile wegriß.
Aus Eschenrod kamen 21 Menschen in den Wellen um. Darunter eine Familie von 6 Köpfen, nämlich Johann Heinrich Heun, seine Frau und 4 Kinder, nebst einer Pflegetochter Anna Maria Lenz. Alle stürzten aus dem zweiten Stockwerk, in welches sie sich geflüchtet hatten, mit dem umsinkenden Haus in die Flut. Von einer anderen Familie blieb nur der Familienvater Johann Heinrich Hermann, der sich zur Zeit des Unglücks auf einem hochgelegenen Felde befand, am Leben. Seine Frau, drei Kinder, der Knecht Johannes Lenz und ein Bursche Johann Jost Appel, der sich gerade in dem Hause aufhielt, kamen in den Wellen um. Der Familienvater konnte bei seiner Heimkehr kaum noch einen Teil des Platzes erkennen, wo sein Haus gestanden hatte. Von einer dritten Familie Johann Georg Buß blieben nur zwei auswärts dienende Kinder, alle übrigen der Zahl sechs Menschen, verunglückten unter den Trümmern der ganz weggeschwemmten Hofreite. Ein anderes Haus, in dem sich Mutter und Tochter befanden, nämlich Christine Wiegand und ihre zweite Tochter Margarete, wurden mit ihrer Hofreite weggespült.
In Eschenrod wurden vernichtet 26 Gebäude, worunter drei schöne Hofreiten sich befanden, 29 Gebäude wurden mehr oder weniger beschädigt. Das Brauhaus der Gemeinde, zwei Backhäuser, mehrere Brücken und Stege haben keine Spur ihres Daseins hinterlassen. In der Straße, durch die sich der Strom wälzte, sind 20-30 Fuß tiefe Furchen eingerissen, so daß niemand aus den Hofreiten ein und aus konnte.
In Wingershausen ist verunglückt eine Frau Johanna Elisabeth Löwener. Vier Ställe und eine Scheune wurden ganz ruiniert und 6 Gebäude mehr oder weniger beschädigt.
In Eichelsachsen wurde eine Witwe Johanna Elisabeth Rau und vier ihrer Kinder mit ihrem Wohnhause fortgerissen. Ein Drittel der dort befindlichen herrschaftlichen Zehntscheuner riß der Strom weg.
Die 3 Orte Eschenrod, Wingershausen und Eichelsachsen bieten ein Bild schrecklicher Verwüstung. Wege, Brücken und Kanäle sind zerstört, und niemand weiß, wie der Schaden wieder gut gemacht und das verloren Gegangene wieder angeschafft werden soll. Was an Vieh, Ackergerät, Wagen, Felder und Wiesen verwüstet worden ist, beläuft sich auf viele Tausende. Wenn nicht edle Menschenfreunde helfen, können die weggeschwemmten und beschädigten Gebäude nicht wieder aufgebaut werden.
Und morgen ist Pfingsten! ... Am anderen Morgen, dem 1. Pfingsttage, eilen verstörte Menschen von Eschenrod aus dem Grund hinunter und suchen nach den weggeschwemmten Freunden und Nachbarn. Der Grund der Stolz des Dorfes, welch ein Bild. Die Wiesen von den gewaltigen Fluten aufgewühlt, von Erd- und Geröllmassen bedeckt. Und in diese eingebettet Haus- und Küchengeräte, Weißzeug, Kleidungsstücke, Brot und Speckseite, Wagen und Ackergeräten. Hier liegen 2 Kühe, noch im Tode durch die Kette mit der futterspendenden Krippe verbunden, und dort am Weidenstumpf hängt ein Mensch, ein Kind, die vierjährige Elisabetha Heun, deren Mutter man gestern abend schon am Nußbaum beim Steg hinterm Pfarrhause fand, 18 Fuß hoch am Baum hängend. Und weiter hetzen die Männer und suchen und finden bis Wingershausen 6 Tote, die in Eschenrod am 2. Pfingsttage zur Ruhe gebettet werden. Die Eichelsächser bergen auf ihren Fluren 12 Leichen und die Eichelsdörfer weitere 8 und graben ihnen auf ihren Kirchhöfen ein Grab. Erst am 26. Juni wird der 26. Tote gefunden und am 27. Juni der Erde übergeben.
O, Tränenpfingsten 1826, da man im Heimattal 26 frühe Grabhügel wölbte, möchtest du der Heimat ein zweites Mal erspart bleiben! Gott gebe es!
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   25.06.2009
Beleg Magistrat der Stadt Schotten (Hrsg.): Schotten und seine Stadtteile im Wandel der Zeiten. Lauterbach 1996, S. 457f.
Bearbeiter Johannes Hofmeister
   
Eintrag 4383
Schlagworte Wasserguss; Starkregen; Sturm; Hochwasser; Überschwemmung; Gebäudeschäden; Brücken, zerstörte; Vieh, ersoffenes; Menschen, ertrunkene; Stadtmauern, eingestürzte; Erdrutsch
Ortsangaben Lahn, Fluss; Limburg; Diez; Hadamar; Gießen; Wanfried; Werra, Fluss; Treis an der Lumda; Herrenbreitungen; Fritzlar; Altenburg; Röhrenfurt; Rotenburg; Fulda, Fluss; Kassel
Zeitangabe 5.1.1643 - 6.1.1643
Quellenzeitangabe
Originaltext "Wie in ganz Italien, Deutschland und den Niederlanden dieses Jahr mit einem fürchterlichen Aufruhr aller Elemente, mit Erdbeben, Wassergüssen und geftigen Stürmen begann, so stieg auch in Ober- und Niederhessen durch angeschwollene und ausgetretene Flüsse die Gefahr der Ueberschwemmung bis zu einem erhöhten Grade. Die Lahn, welche in der Gegend von Limburg, Dietz und Hadamar Mühlen, Häuser, Menschen, Vieh und Früchte mit sich fortriß, überfluthete zuerst den niedrigen Wallgraben der Stadt Gießen; bei Wanfried zerborst der Felsen der Plesse und stürzte ins Thal; zu Treiß an der Lumbde, zu Herrenbreitungen, zu Fritzlar, Altenburg und Röhrenfurt stürzten Stadtmauern, Häuser und Brücken zusammen. Die Fulda, um Christtag bei Rotenburg drei Tage angeschwollen erreichte binnen zwei Tagen zu Cassel einen so hohen (noch jetzt durch mehrere Inschriften bezeichneten) Stand, daß die Kirchenkanzel der Unterneustadt bespült und der Hauptwall mit seinen neuen Gegenschaaren zerstört wurde; die in den oberen Geschossen des Nassauer Hofes, des Wohnsitzes der Landgräfin Juliane und ihrer Töchter, bedrohten fürstlichen Frauenzimmer konnten nur durch schleunig erbaute Gerüste gerettet werden."
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   18.01.2016
Beleg Christoph von Rommel: Neuere Geschichte von Hessen, Achter Band, Cassel 1843,S. 639–640.
Bearbeiter Holger Hamecher
   

Seite: 1