Datensätze

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Eintrag 7
Schlagworte warmes, trockenes Jahr; Erntebericht
Ortsangaben Kurhessen
Zeitangabe 1822
Quellenzeitangabe
Originaltext "Erntebericht vom Jahre 1822.

Die Witterung des verflossenen Jahrs, welche sich vom Anfang bis zum Ende desselben durch hohe Wärmegrade und durch ausnehmend große Dürre ausgezeichnet, hat überall einen fast gleichen Einfluß auf die landwirtschaftliche Erzeugnisse geäußert, wie dies die Witterungs- und Ernteberichte aus den verschiedenen Theilen des Landes darthun.

So ist die Waizenernte im Allgemeinen gut ausgefallen, indem sich der vorjährige Waizen durch sein schönes Korn und seinen reichen und vorzüglich guten Mehlgehalt vor dem von 1821 vortheilhaft auszeichnet. Die damit aufgestellten Wägeversuche ergeben, daß derselbe im Durchschnitt 13 Pfund das Casseler Viertel schwerer ist, als der von 1821, welcher 241 Pfund wog; dahingegen der von 1822 254 Pf. an Gewicht hat.

Im Stroh und in der Bundezahl ist dagegen die Waizenernte, im Ganzen genommen, nur mittelmäßig gewesen.

Dasselbe kann von der Roggenernte mit Recht gesagt werden, indem der Verlust an der Bundezahl im Durchschnitt vom ganzen Lande wohl auf 1/3 Theil, im Vergleich der Ernte von 1821, angenommen werden kann, obgleich nicht unbeachtet zu lassen ist, daß die Ländereyen fleißiger und aufmerksamer Landwirthe, welche in gutem Düngezustand und von tiefer Ackerkrume waren, ergiebige Ernten lieferten. Auch der Roggen hat im Allgemeinen gut ins Maß gegeben, und sich sehr mehlreich gezeigt. Das Casseler Viertel vorjährigen Roggens wiegt im Durchschnitt 245 Pf., mithin 19 Pf. weniger. Der vorjährige Roggen und Waizen wird sich gut und lange abspeichern lassen.

Winterrübsaamen - sowohl großer, als kleiner -, ist als gutgerathen anzunehmen, nur steht derselbe in sehr niedrigen Preisen.

Die Gerstenernte ist, wenn man eine gewöhnliche Ernte zum Maßstabe nimmt, nur als eine halbe anzuschlagen. Im Durchschnitt blieben die Körner klein und das Stroh kurz.

Der Hafer dagegen ist, sowohl hinsichtlich des Strohes, als des Korns, als sehr mißrathen anzunehmen, denn fast aller Nachwuchs, der in diesem Jahre leider allenthalben Statt find, hat fast nichts als Spreu gegeben, und der früh gesäete, der zwar besser an Korn ausfiel, konnte diesen Ausfall nicht decken. Der Verlust an der Bundezahl gegen die von 1821 ist ohne Übertreibung im Durchschnitt auf 2/3 Theile anzuschlagen. Eben so verlieren beyde Fruchtarten im Gewichte gegen die von 1821, wo die Gerste 201 Pf. Das C. Viertel wog; dagegen die von 1822 im Durchschnitt 198 Pfund.

Das Casseler Viertel Hafer von 1821 wog im Durchschnitt 156 Pf., das des Hafers von 1822 wiegt dagegen nur 133 Pf., und ist also der diesjährige viel leichter als jener.

Guter Saathafer wird rar und theuer werden.

Die sogenannten Rauh- oder Hülsenfrüchte sind als gänzlich mißrathen zu betrachten, indem von ihnen im Durchschnitt kaum die Aussaat gewonnen wurde. Ihr Strohertrag ist nicht der Erwähnung werth. Erbsen, Bohnen und Wicken werden im Frühjahr sehr gesucht und theuer im Preise gehalten werden.

Frühlein ist allgemein schlecht, der Spätlein dagegen gut gerathen. Sein dichter Stand und der Umstand, daß er fast allgemein mehr vor der Reife, als überreif hat gerupft werden müssen, wird viel zur Feinheit und vorzüglichen Güte des vorjährigen Flachses beitragen.- Mancher denkende Landwirth wird diese Erfahrung auch für die Zukunft zu benutzen wissen.

Sommerrübsaamen ist sehr guth gerathen, ebenso Kartoffeln, Runkeln, Rüben, besonders Spätrüben, überhaupt Hackfrüchte aller Art, mit Ausnahme der gelben Wurzeln. Die Kartoffelernte ist im Durchschnitte in ihrem Ertrag auf 30 C. Viertel vom C. Acker anzuschlagen, welches auch diesmal bestätigt hat, das selbst das trockenste Jahr den großen Nutzen des Kartoffel- und Hackfrüchteanbaues bey fleißigem Behacken und aufmerksamer Behandlung nicht nachtheilig ist.

Die Kleeernte ist im Durchschnitt nur mittelmäßig zu nennen. Gut bewässerte und gedüngte Wiesen, und solche, welche im Frühjahr mit der Hute verschont wurden, haben eine mittelmäßig gute Heuernte im Allgemeinen geliefert; der Grummetertrag ist ergiebig gewesen, besonders da, wo man später, als in der Regel mähete.

Der junge Klee, und besonders der in die Sömmerung gesäete, ist gänzlich ausgefallen. Viele Landwirthe haben den alten Klee stehen lassen; derselbe ist aber hin und wieder stark durch Mäusefras mitgenommen.

Die Güte des vorjährigen Heus, Grummets und des getrockneten Klees, welche sich schon durch vorzügliche Schwere ergiebt, ersetzt zum Theil den Mangel des Mengeertrags, reicht aber dennoch nicht hin, den Ausfall an Rauhfrüchten und Stroh, sowie den Futtermangel überhaupt zu decken; welcher sich schon seit einiger Zeit durch unerhört niedrige Viehpreise fühlbar äußert.

Die reiche Eichelmast, und das lange Hüten des Weideviehs, selbst bis zur Mitte des Christmonats, sowie auch die gute Kartoffelernte werden jedoch gegen Mangel schützen. - Der Gesundheitszustand sämmtlicher Hausthiere ist im ganzenLaufe des jahrs ausnehmend gut gewesen. Die Preise des Viehs und der Wolle stehen unter der Hälfte derjenigen der letzt verflossenen Jahre. 6 Centner schwere Mastochsen sind zu 42, 45 bis 50 Rthlr verkauft; magere Ochsen und Kühe das Stück zu 10 bis 12 und 18 bis 24 Rthlr; ja man hat hin und wieder 100 Pf. Fleisch mit dem Fette und der Haut zu 3, 3 1/2 Rthlr. Haben können. Jährige Rinder 5 1/3 bis 6 2/3 Rthlr. Das Stück; ein Säugekalb 1 2/3 bis 2 1/4 Rthlr. Fettschweine der Centner 7 1/2 bis 9 Rthlr. Ein paar schlachtbare Hämmel 3, 3 1/2 bis 4 Rthlr. Schlachtbare Schafe, sowie Zuchtlämmer das Stück zu 28 Alb. Bis 1 Rthlr. - Ein paar Zugochsen 7 bis 10 Carolins; ein gutes junges Ackerpferd 50 Rthlr. Zucht- und Zugvieh wird gegen kommendes Frühjahr angenehm werden und im Preise bedeutend steigen, weil der Futtermangel Manchen zum Verkauf zwang und die Aufzucht sehr vertheuern wird.

Landwolle der Centner 28 bis 30 Rthlr., veredelte 42, 44, 50 bis 80 Rthlr.

Winterrübsaamen 6 Rthlr. Das Casseler Viertel.

Obst ist ungemein reichlich und gut geerntet; man hat viel Obstessig und Apfelwein bereitet, und große Quantitäten Obst getrocknet, welches sich wegen seines großen Zuckergehalts als Handelwaare sehr empfehlen, und noch nach mehreren Jahren gesucht werden wird.

Die Honig- und Wachsernte ist mittelmäßig ausgefallen.

Der Hoppfen, welcher im Lande noch viel zu wenig gebaut wird, gab eine Mittelernte, ist aber vorzüglich von Güte, ebenso der Taback, weshalb an guten Absatz für diese Handelsgewächse nicht zu zweifeln ist, welches zu einem erweiterten Anbau ermuntern wird.
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   14.04.2004
Beleg Landwirtschaftliche Zeitung für Kurhessen, 1 (1823), S. 21-23.
Bearbeiter Jochen Ebert
   

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