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Eintrag 2530
Schlagworte Himmel, wolkenloser; Ernte, Aussicht auf reiche; Heuernte; Hitze; Wind, scharfer; Fernsicht, gute
Ortsangaben Milseburg; Kleinsassen; Sieblos; Wasserkuppe; Poppenhausen
Zeitangabe 15.7.1856
Quellenzeitangabe
Originaltext „Blau und wolkenlos glänzte heute Morgen der Himmel. Unsere durch das gute Wetter verbeßerte Laune ließ uns den Entschluß fassen, die Milzeburg noch einmal zu ersteigen … Auf einer von Weitem wunderfest aussehenden Waldwiese geriethen wir bis an die Knöchel in den Sumpf, und als wir uns linkshin in den Wald retteten, kamen wir aus dem reinen Wiesenwaßer in das schmutzige mit Erde gemischte Waldwaßer. Die vom gestrigen Regen im dichten Gebüsch noch nicht recht trockenen Zweige begoßen uns von oben mit Waßer und Dornen und zerrißen uns nebenbei, sodaß wir froh waren zuletzt mit Verlust einer halben Stunde Zeit wieder auf unserm alten Weg anzukomen.
Die Aussicht oben auf dem Gipfel ließ natürlich den Eindruck von gestern weit, weit hinter sich. Der Regen hatte die Atmosphäre von Dünsten gereinigt und wie eben aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen glänzten alle die Felder und Wälder bis an den fernsten Horizont. Besonders begrüßten wir die hervorragenden Häupter der stolzen Kette des Thüringer Waldes, den Inselsberg und Schneekopf als alte Bekannte vom vorigen Jahr. Weiter nach Süden ziehen sich die kahlen Kuppen der Hohen Rhön und zwischen einem Sattel des Abtsröder Berges hindurch blickt man gerade auf die Kuppe des Kreuzberges. ... Als wir in Kleinsaßen wieder angekommen waren, erzählte uns die Wirthin mit vergnügtem Gesicht ob der bevorstehenden reichen Erndte, daß eben eine Trauung stattfinde und wir deshalb nicht versäumen möchten uns dieselbe mit anzusehen."
Von Kleinsassen ging die Wanderung am Abhang des Stellberges über das Dorf Wolters zur Steinwand, von dort an der Quelle der Haune vorbei zur Teufelskanzel. „Der Teufelsstein ist nun gewiß ein geologisch sehr interessantes Gebilde, allein uns war es zu heiß, um uns darüber den Kopf zu zerbrechen … Wir suchten uns unter einem der Felsblöcke ein schattiges Plätzchen und pflückten die am nächsten stehenden Erdbeeren.“ Es ging weiter nach Sieblos, wo spät zu Mittag gegessen wurde. Der Wirt nahm sie anschließend auf seinem Erntewagen eine Wegstrecke mit. „Bei dem heißen und windstillen Wetter trafen wir überall die Leute fleißig mit der Heuerndte beschäftigt, welche hier in der rauhen Gegend erst so spät eintritt.“ Weiter ging es zur Fuldaquelle an der Wasserkuppe. „Wir hatten uns unter dem auf der höchsten Spitze der Waßerkuppe errichteten Geometergerüst niedergelaßen, da die Sonne sehr heiß schien, aber wir konnten nicht lange liegen, denn es wehte ein sehr scharfer Wind, welcher uns dann auch deutlich erkennen ließ, daß wir den höchsten Punkt des Gebirges erreicht hatten. Der Himmel war übrigens wunderschön klar und es eröffnete sich uns eine bisher noch nicht genoßene Fernsicht in die Fränkische Schweiz. Nach Westen hin konnte man den Taunus mit dem Feldberg und Altkönig erkennen und nach Norden hin sah man über die Milzeburg die jenseits liegenden Berge, namentlich den Meißner.“
Der Rückweg ging über den Pferdskopf, von wo ein Blick hinunter ins Wiesental der Hart bis nach Poppenhausen reichte und am westlichen Horizont „wie zarte Dunststreifen die Höhenzüge des Vogelberges. Die Abendbeleuchtung tauchte Alles dies in die zartesten Farben. Im Poppenhäuser Thal stieg ein leichter violetter Duft auf, aus welchem nur die schlanke Kirchthurmspitze hervorragte, während weiterhin von der Sonne noch beleuchtet, sich die Zinken des Ebersberges erhoben.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   03.08.2008
Beleg Reinhard Heinrich Martin Bezzenberger: Reise nach Fulda und über die Rhön 1856, herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Günther E. Th. Bezzenberger, in: ZHG 100 (1995), S. 185-211, hier S. 192-197.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   

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