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Eintrag 3660
Schlagworte Schnee, tiefer; Eis
Ortsangaben Hohe Rhön; Hausen; Frankenheim
Zeitangabe 12.1789
Quellenzeitangabe
Originaltext „Fürst Franz Ludwig ließ aus dieser Ursache, um dergleichen Unglücksfälle [das Menschen sich im hohen Schnee und bei Nebel verirrten und erfroren; F.R.] zu verhindern, an den zu gehenden Fußwegen alle dreißig Schritte hohe Pflöcke setzen, die den Wanderer zurechtweisen sollen; und es gibt wirklich seit jener Zeit nicht mehr so viele Beispiele von erfrorenen Menschen, weswegen es zu bedauern ist, daß man für die Unterhaltung dieser Pflöcke so wenig Sorge trägt. Allein es fehlt doch – auch bei aller kluger Vorsorge nicht an solchen traurigen Ereignissen, indem nur zu oft ein dichter Nebel die Stöcke verbirgt und der Wind alle Bahnen verweht, daß der Wanderer aus der Fassung kommt und sich seinem Untergange naht.
Ich übertreibe hier die Schilderung nicht, denn ich schreibe aus eigener Erfahrung. Schon um halb drei Uhr des Nachmittags, wo es noch ziemlich hell war, kam ich auf die Hohe Rhön, und ich hatte nur eine Viertelmeile auf das nächstgelegene Frankenheim. Es war eben in der Mitte des Dezembers 1789, als ich diese Reise unternehmen mußte. Ich hatte zur Gesellschaft einen Chirurgen aus Neustadt an der Saale, einen Wegweiser, den ich aus Hausen mitnahm, meinen Kutscher mit zwei Pferden an einem leichten Schwimmer und meinem kleinen Hund. Der Weg von Hausen bis zur Höhe war außerordentlich schlimm. Ich ging zu Fuß, da ich den Wagen von allem, so viel möglich, zu erleichtern suchte, mit einem starken Stab, meinem nachher gewöhnlichen Rhönpferd, an dem ein großes spitzes Eisen befestigt war und der mir nachher sehr gute Dienste tat, indem er mich gegen das Abgleiten und Rückwärtsfallen schützte. Oft sank ich bis an den halben Leib in den Schnee, wovon man am Fuß des Berges nur wenige Spuren fand, und oft gleitete ich, ungeachtet meines Wanderstabes, auf den Knien eine ganze Strecke über Eis zurück. Den Pferden ging es noch weit schlimmer. Mehr als zehnmal mussten wir den Wagen aus dem tiefen Schnee heben, und oft waren die Pferde nicht im Stande, ihn auf dem glatten Eis zu halten. Alles strengte seine äußersten Kräfte an. Das Rad und die Waage zerbrachen; mit Stricken wurde alles wieder zusammengebunden, und ganz abgemattet kamen wir endlich bis zur Oberfläche. Nun waren wir alle getröstet. Wir hatten die Pflöcke vor den Augen und zweifelten nicht, uns nach einer Viertelstunde in Frankenheim zu befinden. Allein, wir betrogen uns sehr! Ein dichter, auf fünfzehn Schritte undurchsehbarer, stinkender Nebel lag auf der Oberfläche, ein heftiger Wind, der zu meinem Glück nicht schneidend und kalt war, wehte die von uns gemachte Bahn hinter uns wieder mit Schnee zu; wir verloren die Pflöcke aus unseren Augen, indem wir wegen des schlimmen Weges davon abweichen mussten, und wir kamen zu weit links auf das Schwarze Moor. Zwei Stunden kreuzten wir auf dieser großen Ebene, unbewusst, wo wir uns befanden und wo wir uns hinwenden sollten. Mein Wegweiser erblasste, als ich ihn zur Rede stellte, wo er mich hingeführt habe, und mit zitternder Stimme bekannte er, daß er selbst nicht mehr wüsste, wo wir uns befänden. Die Nacht war allbereits über uns gekommen, und mit ihr Furcht und Schrecken überfallen. Der Nordwind blies heftiger, die Kälte nahm zu; wir waren alle ringsum beduftet und gefroren, und wir sahen nichts als den Tod vor Augen. Der Chirurg weinte um seine Frau und Kinder, die er nun nicht mehr sehen sollte; mit ihm schluchzte mein Wegweiser aus gleicher Ursache. Aus dem Munde meines Kutschers strömte eine Litanei von Flüchen und Verwünschungen, und ich, in meinen Mantel gehüllt, machte Glossen über all die Begebenheiten, watete durch den Schnee mit Anstrengung meiner letzten Kräfte und rief aus vollem Halse nach Rettung. Alles schien vergeblich. Mir war gar nicht wohl bei der Sache, doch hatte ich meine Fassung nicht verloren. Da ich wußte und auch, nach dem Wind zu urteilen, annehmen konnte, daß wir zu weit links gekommen waren, wendeten wir uns nun rechts und fuhren eine lange Strecke, bis die Pferde, zu sehr abgemattet, den Wagen nicht weiter fortbringen konnten. Wir teilten uns, gingen nach verschiedenen Seiten und schrieen nochmals aus vollem Hals um Rettung. Allein, nirgends hörten wir den Laut von einem Sterblichen. Allenthalben herrschte Totenstille. Ganz entkräftet sank ich endlich auf den Schnee nieder, faltete meine Hände, dachte bald zu viel, bald gar nichts, und sah dem Tod entgegen. Ich weiß nicht, ob man in ein traurigeres Schicksal versetzt werden kann. Grausender wenigstens kann ich mir keine Szene im menschlichen Leben denken. Als ich so abgemattet und im Mantel eingehüllt saß und kein Schall mehr aus meinem Munde gehört wurde, lief der Chirurg, der in meiner Nähe stand, auf mich zu, riß mich von meinem Sitz auf und erweckte mich durch die frohe Nachricht, daß Menschenstimmen von fern sich nahten.
Plötzlich wallte mein Blut wieder durch die Adern, und neues Leben durchströmte meine Glieder. Wir hatten uns nicht getäuscht. Der Barmherzige hatte uns bemerkt in unserem Elend, und Engel des Himmels retteten uns vom nahen Tode. Die Einwohner Frankenheims hatten bei stiller Nacht unser klägliches Rufen gehört, und sie eilten uns zur Hilfe.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   08.06.2012
Beleg Heribert Kramm: Eine winterliche Reise über die Rhön vor 200 Jahren. Berichtet von Franz Anton Jäger, 1803, Kaplan in Simmershausen, in: buchenblätter 83 (2010), Nr. 26, 20.12.2010, S. 103–104.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 3662
Schlagworte Winter, harter; Schneewehen; Schnee, tiefer; Frost; Menschen, erfrorene; Todesopfer
Ortsangaben Hohe Rhön; Frankenheim
Zeitangabe 1877 - 1878
Quellenzeitangabe Winter
Originaltext Ein langer und harter Winter herrschte auch 1877/78 in der hohen Rhön, unter dem besonders die Einwohner des thüringischen Rhöndorfes Frankenheim zu leiden hatten. Darüber heißt es im Januar 1878 in der Hersfelder Zeitung: „Eines der ärmsten Orte im mittleren und vielleicht im ganzen Deutschland ist das das weimarische Dorf Frankenheim auf der hohen Rhön, dasselbe, in welchem vor wenigen Jahren zahlreiche Familien vom Hungertyphus hinweggerafft worden sind. Die hohe Lage in einem unwirtlichen Gebirge, der fast ¾ Jahre andauernde Winter und der kaum nutzbar zu machenden Boden bedingen eine Existenz, von dem man sich aber schwer einen Begriff zu machen imstande ist: Fleisch ist dort ein gänzlich unbekannter Artikel, so daß Kartoffeln fast das einzige Nahrungsmittel bilden. Der diesjährige Winter hat dort nun eine außerordentliche Notlage geschaffen, indem das ganze Dorf mit seinen Lehmhütten auf längere Zeit gänzlich von Schneewehen verschüttet worden ist, so daß ein Verkehr nur durch die Schornsteine, oder besser gesagt durch die Rauchlöcher möglich gemacht werden konnte. Mehrere Personen sind bereits erfroren. Trotzdem haben die an der Scholle klebenden Bewohner alles Anerbieten der weimarischen Regierung, sich auf Staatskosten anderwärts anzusiedeln, wiederholt abgelehnt.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   08.06.2012
Beleg Gottfried Rehm: Menschen in harten Rhön-Wintern, in: Buchenblätter 83 (2010), Nr. 26, 20.12.2010, S. 102.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 4179
Schlagworte Missernte, drohende; Waldschäden durch Hasen; Feldschäden durch Hasen; Feldschäden durch Mäuse; Feldschäden durch Maulwürfe; Feldschäden durch lananhaltenden Winter; Futtermangel
Ortsangaben Rhön; Reußendorf; Rothenrain; Oberbach; Wildflecken; Oberweißenbrunn; Frankenheim
Zeitangabe 1816
Quellenzeitangabe
Originaltext "Denn allgemein hörte man schon in hiesigen Rhöngegenden die Leute erbärmlich klagen, besonders in den Dörfern Reußendorf, Rothenrain, Oberbach, Wildflecken, Ober=Weißenbrunn, Frankenheim, daß die diesjährige Ernte nicht einmal so viel Körner ertragen werde, als man ausgesäet, oder als man zur Bestellung der neuen Sommersaat nöthig habe. Die armen Leute preisen daher einstimmig Gottes Güte und Allmacht, welche sich in dem eingetretenen Witterungswechsel offenbaret. Nur nach diesem Regen keinen Frost mehr! erschallt der fromme Wunsch einstimmig aus allen bangen Herzen; denn die Erfahrung lehrt, daß nach einem 3tägigen Froste auf dem Kreuzberge sich die verderblichsten Froste immer auch tief in das ganze Land hinein verbreitet haben. Die gegenwärtige Witterung bringt gewiß den sehr hohen Schnee zum Schmelzen, wie man überall schon bemerkt, selbst in einem Theile der nördlich und nord=westlich liegenden Wäldern, in den Dörfern Ober=Weißenbrunn, Oberbach, u. s. w. und sogar hier im Kloster. Mit erneuerter Kraft werden nun Wälder und Wiesen, Auen und Fluren in ihrem Schmuck erscheinen, und wieder allgemein ertönen wird der Gesang der noch im Frostschauder zusammenkauernden Vögel. Erst jetzt sieht man den entsetzlichen Schaden, welchen die gefräßigen Hasen und die wühlenden Reitmäuse und Maulwürfe angerichtet haben. Die hungrigen Hasen haben ganze junge Schläge in den Bischofsheimer Gemeinwaldungen rein abgefressen. Man wollte zwar diese Verwüstungen den scheußlichen Reitmäusen zuschreiben: aber sie widersprechen es in erster Form Rechtens, und wollen zu ihrer Vertheidigung gegen diese grundlose Anklage sogar gerichtlich beweisen, daß sie nur allein an köstlichen Kräuter und Wurzeln gewöhnt seien, die Hasen hingegen immer, so bald der Schnee schmilzt, die obersten sichtbaren Spitzen und Aestchen junger Bäume abfressen. Wirklich haben die Hasen in den Haus= und Feldgärten des Dorfes Unter=Weißenbrunn nicht nur alle Wurzeln und Blätter rein abgefressen, sondern sie erfrechen sich auch zum Hohne der armen Inwohner beim hellen Tage durch das Dorf zu spazieren. Das hungernde Vieh brüllt: viele Dorfbewohner treiben es in die nassen Wiesen oder in das vom vorigen Jahre noch belaubte Gebüsch, weil man zu Hause kein Futter mehr hat."
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   14.11.2015
Beleg Beschreibung des heiligen Kreuzberges und seiner Umgebungen, in Hinsicht auf die Erzeugnisse und Schönheiten der Natur, mit statistischen, geschichtlichen und religiösen Bemerkungen von Franz Nikolaus Baur, Dom=Vicar zu Würzburg, gedruckt auf Kosten der Freunde des Verfassers bei Johann Stephan Richter, Würzburg 1816, Nachdruck 1988, S. 278–280
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   

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