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Eintrag 4451
Schlagworte Winter, strenger; Schnee, dauerhafter; Frost, dauerhafter; Kartoffeln, erfrorene; Obst, erfrorenes; Holzmangel; Holzdiebstahl; Eisdecke, dicke; Obstbäume, abgestorbene; Wild, dezimiertes
Ortsangaben Grebendorf; Werra, Fluss
Zeitangabe 12.11.1829 - 26.2.1830
Quellenzeitangabe
Originaltext „Der Winter in den Jahren von 1829 auf 1830 wird mit Recht der kalte Winter genannt, denn er war nicht nur allein der allerlängste, sondern auch der allerstrengste dieses 19. Jahrhunderts. […] Ihm ging ein nasses Jahr voran, worauf er sich schon mit dem 12ten November des Jahres 1829 einstellte, und zwar vollkommen mit Schnee und Frost und ununterbrochen bis zum 26sten Februar des Jahres 1830 anhielt. Die Kälte, welche schon einige Mal die Grade 13 am Thermometer erreicht hatte, stand jetzt vom 29sten Januar 1830 an beständig darunter und war ferner den 1. Februar auf die noch niemals bei uns erreichte Tiefe von 16 Grad gesunken. Nun waren alle bereits angewandten, dem Eindringen der Kälte in Gebäude und Keller zu widerstehende Mittel vergebens, denn es frohr nun allenthalben Eis. Es mußte daher das Vieh in den Ställen viel leiden. Die Kartoffeln in den Kellern und das Obst auf den Kammern erfrohr in Menge. Das Holz war nicht mehr anzuschaffen. Aus allen Gegenden hörte man über dessen Mangel klagen und griff von der Noth getrieben zu verbotenen Mitteln, und es wurden ganze Wälder schädlich danieder gehauen und keiner Strafe achtend davon getragen. Zwar war nun diese ebenso gut wie ein anderer Diebstahl strafbar, allein da durch den harten Winter Holzmangel entstanden war, und diese Holzentwendung aus Noth geschah, um nicht todt zu frieren, so sah dieses auch die Landesregierung ein und erließ auf Bitten der Betheiligten aus Einsicht und Milde die Rüge des ersten Strafquartal diese Jahres von den herrschaftlichen Forsten. Endlich den 26. Februar, da seit dem Anfange dieses so harten Winters zum erstenmal Thauwetter eintrat, war dessen ein Ende.
Das Eis auf der Werra war sehr dicke geworden und sein Fortgang that allenthalben großen Schaden. Die Schafe hatten eine geraume Zeit, nehmlich vom 13ten November 1829 bis zum 30ten März 1830 auf dem Stalle gestanden. So hatte denn dieser Winter volle 14 Wochen gedauert und hatte nicht nur nachtheilige Folgen für Menschen und Thiere herbeigeführt, denn Hasen und Rebhühner sah man beinah keine mehr, sondern er hatte auch den Obstbäumen, besonders Quetschen, welche noch viele Jahre nachher trauerten und abstarben, viel Schaden gethan.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   27.12.2017
Beleg Helmut Stück und York-Egbert König (Bearb.): Martin Menthe (1802–1889). Aufzeichnungen aus Grebendorf, Grebendorf [2015], S. 41–42.
Bearbeiter Jochen Ebert
   

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