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Eintrag 20
Schlagworte Witterung; Preise
Ortsangaben Kurhessen; Grebendorf; Ebsdorf; Eschwege; Reichensachsen; Fulda; Ziegenhain; Ottrau; Landsburg; Röllshausen; Weißenborn; Görzhain
Zeitangabe 1.1.1824 - 30.6.1824
Quellenzeitangabe
Originaltext "Junius.

Die in den letzten Tagen des Mai's durch Nord- und Nordost-Winde gestörte druchtbare Witterung wurde durch die große mit vieler Feuchtigkeit verbundene Wärme der ersten Hälfte des Juni's wieder gut gemacht; die zweyte aber entsprach der erstern desto weniger. Sie war durchaus unfreundlich, regnerisch kühl. Es gab mitunter Schloßen, gegen das Ende Gewitter, und die Temperatur erhob sich bey Süd-West- und N. W. Winden nicht über + 14 bis 15° R.

Die Einflüsse, welche dieser im Allgemeinen angegebene Witterungsstand in der ersten Hälfte des Jahrs 1823 auf Land- und Hauswirthschaft äußerte, waren kürzlich in gedrängter Zusammenstellung folgende.

Die Bestellung der Winterfelder war im vorigen Jahre, unter Begünstigung des besten Wetters dazu, sehr gut von Statten gegangen, und das Samenkorn hatte von ausgezeichneter Güte gewählt werden können. Dieß hatte zur Folge, daß die Wintersaat herrlich auflief, und so (besonders die im Herbst sehr früh ausgesäete) der Anfangs Januar nachtheiligen Witterung Trotz bieten konnte. Der in der zweyten Hälfte dieses so äußerst strengen Wintermonats gefallene Schnee begünstigte noch vollends die kräftigste Bestaudung des Waizens und Roggens. Nur für Winterrübsamen und Klee war die wohlthätige Schneedecke zu lange ausgeblieben, daher auch beide Zweige des Pflanzenbaues fast gänzlich fehl schlugen. - Sowohl Klee als Raps- als Wintersamenstücken wurden an verschiedenen Orten von sehr thätigen Landwirthen, erstere nach aufgegangenem Froste durch kräftiges Überwalzen, und letztere, besonders da, wo sie nicht allzusehr der Kälte ausgesetzt waren, behackt (dieß namentlich von den Einwohnern der Gemeinde Grebendorf, Kreis Eschwege) und beyde Verfahrendarten brachten durch ihren guten Erfolg Vortheil. - Sie mögen daher in Fällen ähnlicher Art, vor denen uns aber der Himmel gnädig bewahren wolle! Zur Nachahmung dienen!

Sämmtliche Hausthiere befanden sich in gutem Gesundheitszustande, dahingegen verursachte Stroh- und Futter-Mangel Besorgniß für ihren Nahrungszustand, zumal, da viele Kartoffelvorräthe erfroren waren, welches besonders bey Schafen üblen Einfluß auf Wollgewinnung befürchten ließ. - Besorgte und gute Schafzüchter mußten daher mit der Futterung ihres Wollviehs den ganzen Winter hindurch sehr zu Rathe gehen, um wahrem Mangel vorzubeugen. Sie gaben entweder Häcksel, Heu und Kartoffeln (Heu und Häcksel von jedem 1 Pf. kurz geschnitten, die Kartoffeln gestoßen ebenwohl 1 Pf. Untereinander gemengt auf ein Landschaf) oder mit Grummet klein geschnittenes Waizen- oder Hafer-Stroh und laulich warmes Branntweinspülig (besonders den Mutterschafen), und kamen so glücklich und ohne Nachtheil für ihre Heerden bis zur Grünfütterung durch.

Andere haben starken Verlust an Lämmern gehabt, die wegen Futtermangel und zu frühem Austreiben stark fielen.

Auch war während der strengen Kälte nicht unbedeutender Verlust an jungen Ferken, welche, so bald sie geworfen waren, erfroren. Andern Nachtheil hat due Kälte auch dadurch gebracht, daß Kühe, welche mit erfrorenen und nicht zuvor wieder in kalten Wasser aufgethauten oder gekochten Kartoffeln gefüttert worden waren, häufig verkalbten.

Alle landwirthschaftlichen Erzeugnisse standen um diese Zeit sehr niedrig, und fast ohne Unterschied, wie zu Ende des vorigen Jahrs, viele unter dem Productionswerth, und dabey stockte, wie noch jetzt, fast gänzlich aller Verkehr mit denselben. Auf dem Ebsdörfer Pferdemarkt der Provinz Oberhessen standen 500 Pferde zum Verkauf und 80 wurden nur abgesetzt.

Nach heu, Stoh und Saatfrüchten, so wie nach jungen Schweinen war noch allein Frage, jedoch wenig Nutzen beym Verkauf dieser Gegenstände zu ziehen. Hülsenfrüchte zur Aussaat waren sehr rar, so wie der ärmere Landmann wahre Noth an Sommersaat und Brodfrüchten litt, welche ihm so viel als thunlich von denen herrschaftlichen Böden verabreicht wurden.

Feldmäuse, wo sie in den letzten Monaten des vorigen Jahrs als Landplage haußten, wurden durch Kälte und Nässe ziemlich gestört.

Die Wiesenkultur war bey dem allgemeinen Kleemangel fast überall emsiger, als je betrieben worden, und hoffen wir, daß der bemerkte gute Erfolg davon für die Zukunft dieselbe noch mehr in Aufnahme bringen wird.

Schon Mitte März fing man mit der Aussaat von Mengefrucht zur Futtergewinnung an; auch säete man Hafer zur Abhütung mit den hungrigen Lämmern. Gegen Ende des Monats wurde Hafer auf Körnerbau gesäet. Am Ausgang dieses Monats zeigte sich der früh, etwa 8 Tage nach Michaelis, in kräftigen Boden gesäete Roggen, und besonders da, wo er im Spätherbst wenig von den Mäusen heimgesucht worden war, kräftig bestaudet, üppig und grün, so daß er bey trockenem Wetter mit den Schafen behütet werden mußte.

Ebenso verhielt es sich mit dem Waizen, dahingegen der auf alten Kleeländern bestandene schlecht ausfiel. Alter Klee in feuchtem kräftigen Boden stand gut und versprach einigen Ertrag. Winterrübsamen auf Höhen, wo er mehr Schnee als in den Niederungen gehabt hat, und da, wo er gegen N. und N. O. Winde geschützt war, hauptsächlich dünn bestandener, zeigte sich gut. Der am üppigsten und dicht gestandene aber war gänzlich vom Froste vernichtet, wozu die leichtere Fäulniß der Wurzeln dieses Standes wegen viel beygetragen haben mag. Dieß giebt Winke, den Raps- und Wintersamenbau mehr durch's Pflanzen, statt der breitwüchsigen Aussaat, zu sichern.

Emsige Landwirthe haben auch dieses Frühjahr die verwinterten Stellen des Rapses, Tölpels und Winterrübsamens von den gut bestandenen mit bestem Erfolge auspflanzen lassen.

Die rauhe und trockene Witterung des Aprils benahm fast alle Hoffung - besonders auf frühe Futtergewinnung - wozu noch Ausgangs März im Felde für Menschen und Thiere Ursache genug vorhanden war; die Winterfrüchte verloren von ihrem guten Ansehen, die Wiesen blieben zurück, und der Futtermangel stieg aufs Höchste. - Rindvieh und besonders Schafe mußten ihre Zuflucht zu den Wiesen nehmen, welches denselben bey dem, durch Kälte zurückgehaltenen Graswachsthum ausnehmend schädlich war. Dadurch wurde die Emsigkeit der Landleute angespornt, sich im Brach- und Sommerfeld früher, als je zu zeigen, dieselben zur Saat und Pflanzung vorzubereiten und selbst mit bederley Arbeiten darin zu beginnen.

Viele Äcker verwinterten Waizens mußten mit sammt den verwinterten Kleeäckern umgepflügt werden; dagegen blieben in derselben Breite liegende gemergelte Waizenstücke ihres Guten Standes halber der Sichel aufbewahrt.

Die fortdauerende rauhe Witterung des Aprils hielt aber zugleich das frühzeitige Aufbrechen der Obst- und Waldbaumknospen zurück, und berechtigte zu der Hoffnung reicher Obst-Ernten und guter Waldmast.

Die fruchtbare Witterung der ersten Hälfte des Maimonats half den schwach bestandenen Winterfeldern wieder auf und vermehrte das üppigste Gedeihen der besser bestandenen. Der üppig gebliebene Wintersamen blühte schön, reich und die bey der begünstigendsten Witterung so äusserst gut hergerichteten Sommer- und Brachfelder grünten jetzt herrlich; auch der Frühlein stand gut, verlangte aber nach Regen. Ebenso der Klee unter Gerste, welcher wenig, der unter Hafer aber desto mehr Aussicht gewährte.

Gut gewässerte und gedüngte Wiesen versprachen reichliche Heuernte, schlecht bestellte sehr geringe. Im Ganzen hat sich der Klee, selbst auch bey fleißigem Gypsen, wenig erhalten, natürlich: denn wo alles Leben erstorben ist, kann auch der Gyps nichts nützen, kein neues hervorbringen. Die Hülsenfrüchte und der Hafer waren gut aufgelaufen.

Die Obstpflanzungen standen um diese Zeit gut. Pflaumen hatten etwas, Aprikosen, Pfirschen und Wallnüsse aber desto mehr gelitten. Alle Gartengewächse versprachen gute Ernte.

In einigen südlichen und fruchbaren Gegenden des Landes hatte der Roggen schon gegen den 8ten geschossen und war gegen den 21ten zum Blühen gekommen; anderwärts bemerkte man erst gegen den 29sten die ersten Blühten im Roggen. Er blühte gut ab und setzte vortrefflich an, so daß man sich eine ausgezeichnete Ernte und gute mehlreiche Körner versprechen konnte.

Nicht minder der Waitzen. Er trat gegen Ende des Monats in den Halm und blühte dann auch gut ab. Er ist nicht allenthalben gut gerathen, besonders hatte er auf kaltgründigen Thonboden und durch die Kühle und regnerische Juniwitterung gelitten, auch zeigte sich Brand in demselben.

Noch immer herrschte großer Futtermangel; auch litt der Aermere an Brotkorn Noth, was im Fuldaischen sogar aus dem Ausland hat bezogen werden müssen. Mengefrucht, auch Roggen und Hafer mußten theils den mangelnden Klee ersetzen. An vielen Orten bey geeigneter Behandlung und fruchtbarem Sandboden that dies mit großem Vortheil der Spörgel.

Der Stand der Sommer- und Brachfrüchte war im Laufe des Juni vortrefflich. Der lein und Sommerrübsamen versprachen reiche Ernten. Zu Kernobst war viel Hoffnung. Die schönen Aussichten auf ein reiches Weinjahr wurden aber schon durch das viele Regnen zur Blühtenzeit sehr getrübt. Der Hopfen wurde durch Mehlthau und Blattläuse heimgesucht und mißrieth. Die Heuernte fiel im Ganzen mittelmäßig aus; doch ging sie bey günstigem Wetter gut von Statten. - Viel Wiesengras hatte müssen grün verfuttert werden.

Die Anbauversuche mit der Kaffeewicke hatten guten Fortgang.

Die Bienen, welche sich so gut anließen, viel und frühe Schwärme versprachen, brachten erst der kalten Mainächte wegen nicht viel vor sich und wurden dann durch die Kühl regnerische Juniwitterung die ausgelaufenen Königinnen umzubringen bestimmt.

Die Schafschur war allenthalben, wenn auch der naßkalten Witterung und dem schlechten Nahrungsstand des Wollviehs wegen etwas spät, doch gut vollbracht worden, der Wollertrag war nicht unbeträchtlich, und überstieg die früher davon gehegten Erwartungen.

Der gesundheitszustand der Hausthiere zeigte sich im Ganzen genommen gut. - Im Kreise Ziegenhain, der Provinz Oberhessen, herrschte in einigen Schafheerden die Mundfäule. Auch äußerte sich hin und wieder unter den Schweinen die Bräune, welche aber in Folge der eingetretenen kühlen Witterung und des Regens in diesem Monat mit jener Krankheit bald wieder verschwand.

Unter den besondern Natur-Erscheinungen war in diesem ersten halben Jahre ein starkes Gewitter, welches mit Schloßen-Regen und Eisstücken vermischt, den Fluren von Ottrau, Kreis Ziegenhain, beträchtlichen Schaden zufügte, indem es fast das ganze Winter- und Sommerfeld zerstörte. Es stiegden 7ten Juni an der Landburg auf, zog links am Dorfe Röllshausen vorbey nach Osten, stellte sich bey der Ottrau einige Stunden fest und entlud sich daselbst unter den angegebenen Folgen. Von da zog sich das Hagelwetter nach Weißenborn und Görzhain und richtete daselbst ebenfalls, doch keinen so beträchtlichen Schaden, wie bey Ottrau an.

Die Klagen über beträchtlichen durch Wildfraß und dessen Verheerungen erzeugten Schaden in Felder und Gärten, waren groß und allgemein.

Wenn im Anfang des Jahres die Preiße der landwirthschaftlichen Erzeugnisse im Allgemeinen denen gleich blieben, welche diese am Ende des vorigen gehabt hatten, so erfolgte gegen Ablauf des 1sten und bis zur Mitte des 2ten Quartals einige Erhöhung derselben, besonders der Futtergewächse, des Strohes, der Saatfrüchte, des Mast- und Zug-Viehes, vorzüglich aber der Schweine. Dahingegen gingen dieselben gegen Ende des Halbjahres fast alle - mit Ausnahme der letztern - wieder beträchtlich herunter, so, daß fette Ochsen das Paar zu 1000 bis 1100 Pf. Nicht höher als 10 bis 12, 14 und 15 Carolins; ein Paar gutgehaltene Zugochsen zu 45 bis 48 Rthlr. Verkauft wurden. Gute, auf der Kunde stehende Geschirr-Pferde das Stück 20 bis 40 Rthlr. Eine junge Milchkuh 8 bis 14 Rthlr. Ein Kalb von 8 Tagen 1 1/2 Rthlr. Alte magere Weidehämmel in der Wolle das Paar 3 1/2 bis 4 Rthlr. Jährige Schweine 3 bis 4 Rthlr., Ferken 1 Rthlr. Auch 18 Ggr. Landwolle 3, 3 1/2 bis 4 Rthlr. Das Kleuder. Butter 7 bis 8 Pf. Für 1 Rthlr. Pottasche 10 1/4 Rthlr pr. Centner. Wintersamen 10 bis 12 Rthlr pr. Centner.

Die Branndeweinvorräthe häuften sich und wurden die 100 Maas, welche doch vor 6 bis 8 Wochen noch 28 bis 30 Rthlr. Kosteten, schon zu 19 bis 20 Rthlr verkauft.

Es war eine eigene Erfahrung, daß in diesem ersten Jahres-Abschnitt das Gypsen, womit Mehrere, unter Andern auch das sehr verdienstliche Vereinsmitglied von Eschwege zu Reichensachsen, Kreis Eschwege, bey mehreren Pflanzenbauarten, als Schotenfrüchten, (Oelgewächse mit eigeschlossen) Lein, Kraut etc. versuche anstellten, von wenig oder gar keinem Erfolg war, und verdiente die Wichtigkeit dieses Gegenstandes wohl genauer Beobachtung und Nachforschung der Ursachen.

In der Frühern trocknen Witterung scheint eine derselben zu finden zu seyn. Es kommt aber auch viel darauf an, wie man den Gyps anwendet. Wenn es bey der einen nothwendig ist, denselben auf die Blätter zu streuen, so verlangen andere Gewächsarten das Unterackern, und wieder andere das bloße Bestreuen des Bodens. Der Frühlein verlor durch das Gypsen seine Erdflöhe, die ihm schon hart zusetzten. Das Gypsen der Gartenerbsen hat sich schon von gutem Erfolge gezeigt."
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   17.04.2004
Beleg Landwirtschaftliche Zeitung für Kurhessen, 2 (1824), S. 19-23.
Bearbeiter Jochen Ebert
   
Eintrag 572
Schlagworte Hochwasser
Ortsangaben Fulda; Breitenbach
Zeitangabe 1739
Quellenzeitangabe
Originaltext Durch ein Fuldahochwasser wurden dem Breitenbacher Schultheißen Jacob Eckhart 20 Tannen und vier Eichen weggeschwemmt.
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   01.12.2004
Beleg HStAM Best. 17 II. Nr. 2242.
Bearbeiter Jochen Ebert
   
Eintrag 601
Schlagworte Wetterbeobachtungsstation
Ortsangaben Fulda
Zeitangabe 12.1866
Quellenzeitangabe
Originaltext Einrichtung der ersten amtlichen Wetterbeobachtungsstation in Fulda (Kronhofstraße 89) durch das Königlich Preußische Meteorologische Institut in Berlin. Die Messungen wurden durch den Gymnasiallehrer Dr. Gies durchgeführt.
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   06.12.2004
Beleg Martin Gudd: Zwei Jahrhunderte Wetterbeobachtungen in Fulda, in: Fuldaer Geschichtsblätter 68 (1992), S. 5.
Bearbeiter Jochen Ebert
   
Eintrag 2518
Schlagworte Kälte, extreme; 10 Grad Kälte; Hungersnot; Selbstmord; Kindstötung
Ortsangaben Marburg; Schmalkalden; Schlüchtern; Fulda; Hünfeld
Zeitangabe 12.1846 - 3.1847
Quellenzeitangabe Winter 1846/47
Originaltext „Im Teuerungsjahr wie dem Winter 1846/47 erreichte ‚die Not eine Höhe, die in den Schilderungen der irischen Armut Epoche machen würde. In Marburg wurden in diesem Winter zweimal bei 10 Grad Kälte Kinder auf der Straße geboren. In Schmalkalden, Schlüchtern, Fulda und Hühnfeld (sic!) schlug man die Zahl der völlig verarmten auf ein Drittel der gesamten Bevölkerung an.‘ Amerikaauswanderungswellen von nie gekanntem Ausmaß setzten in den 40er Jahren ein. Derart in Existenznöte geworfen, konnte es vorkommen, daß Mütter und Väter ihre Kinder lieber im Himmel sahen als am Hungertuch.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   20.07.2008
Beleg Marita Metz-Becker: „Nahrungssorgen scheinen das Motiv der That zu seyn …“. Männliche und weibliche Kriminalität in Kurhessen im 19. Jahrhundert, in: ZHG 102 (1997), S. 155-162, hier S. 159.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 2527
Schlagworte Ernte, Aussicht auf reiche
Ortsangaben Neustadt; Winnerod; Kirtorf; Alsfeld; Lauterbach; Schlitz; Fulda
Zeitangabe 11.7.1856
Quellenzeitangabe
Originaltext Der Marburger Jurastudent Reinhard Heinrich Martin Bezzenberger hatte sich am Vortag in Winnerod von seinem Vater die nötigen Reisegelder geholt und von seiner Mutter verabschiedet, war an diesem Tag dann mit der Eisenbahn nach Neustadt gefahren, wo er auf den Postwagen umwechselte. Er fuhr über Kirtorf, Alsfeld, Lauterbach und das Schlitzer Ländchen nach Fulda, wo er um 18 Uhr ankam und sich dort mit seinem Freund Ludwig Knatz zur Weiterreise traf.
„Überall prangten die Felder mit reichen Ähren, und die Wiesen waren schon wieder mit einer üppigen Decke überzogen, sodaß einem recht gesegneten Jahr entgegengesehen werden kann.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   03.08.2008
Beleg Reinhard Heinrich Martin Bezzenberger: Reise nach Fulda und über die Rhön 1856, herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Günther E. Th. Bezzenberger, in: ZHG 100 (1995), S. 185-211, hier S. 186.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 2528
Schlagworte Sommertag, trockener; Sonnenuntergang, violetter
Ortsangaben Fulda; Bronnzell
Zeitangabe 12.7.1856
Quellenzeitangabe
Originaltext „Die Abendsonne beleuchtete und beleckte die starren Maße der Rhön und tauchte sie in die schönsten violettenen Farben“, notierte Marburger Jurastudent Bezzenberger nach einem Wanderung zu einem Aussichtspunkt bei Bronnzell, um dort den Sonnenuntergang zu genießen.
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   03.08.2008
Beleg Reinhard Heinrich Martin Bezzenberger: Reise nach Fulda und über die Rhön 1856, herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Günther E. Th. Bezzenberger, in: ZHG 100 (1995), S. 185-211, hier S. 188
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 2529
Schlagworte Himmel, trüber; Regen, feiner; Nebel, Morgen-; Wind, Ost-
Ortsangaben Fulda; Petersberg; Margarethenhaun; Niederbieber; Langenbieber; Bieberstein; Schackau; Kleinsassen; Milseburg
Zeitangabe 14.7.1856
Quellenzeitangabe
Originaltext „Mit betrübten Herzen schauten wir schon beim Erwachen zu dem trüben Himmel hinauf. Ein feiner Regen stäubt vom grauen Himmel herab, und ein uns bis vors Thor begleitender Fuldaer Bekannter setzt uns redselig auseinander, wie thöricht es sei, an solchem Tage ins Gebirge zu gehen. Aber mein Reisegefährte besteht darauf zu reisen und setzt dem uns wohlmeinenden Warner seine Theorie für Fußtouren auseinander, welche darin besteht, wenn man in Zeit und Mitteln beschränkt ist, sich durch keinerlei Wetter von dem einmal gefassten Plane abbringen zu laßen. Denn bleibt das Wetter, so ist es einerlei und man hat wenigstens die Motzion (= körperliche Bewegung) gehabt, wird es aber beßer, so ist man umso vergnügter, schon ein Stück hinter sich zu haben. Außerdem ist kein Regentag so schlimm, daß man an demselben nicht Mancherlei sehen und erleben könnte.
Wir wanderten nun über Petersberg, Margarethenhaun, Niederbieber, Langenbieber nach Bierstein, immer nach dem dunkelgrünen, sargähnlichen Rücken der Milzeburg (sic!) schauend, die noch mit Nebel umgeben war. Während der Wanderung hatte ich gar oft an die Heimath gedacht, denn der graue Himmel und die trüben Wolken erinnerten mich zu lebhaft an die bevorstehenden trüben Tage in meiner Familie." Sie wanderten zum Schlößchen Bieberstein. "Die Aussicht war leider durch den immerwährenden Regen fast ganz verdunkelt, nur hier und dort warf die Sonne zuweilen einen freundlichen Blick auf die dunkle Landschaft." Die Wanderung ging über Schackau nach Kleinsassen. Am Nachmittag bestiegen sie die Milseburg bis zum Kruzifix auf deren Gipfel. "Die Aussicht war nicht sehr hell; Nebelgebilde zogen umher und bedeckten bald den Blick in die Ferne, bald öffneten sie sie ihn wieder. … Zuweilen ließen die stürmenden Wolken einen Blick in die Ferne zu. … Mehrere Stunden weilten wir auf der Höhe und schauten dem Kampfe der Wolken, des Windes und der Sonne zu. Gegen abend erhob sich ein mächtiger Ostwind und trieb die Wolken schnell gegen Westen zu. Auch zeigten sich einzelne blaue Fleckchen an dem Himmel; beides günstige Anzeichen für unsere morgige Wanderung!"
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   03.08.2008
Beleg Reinhard Heinrich Martin Bezzenberger: Reise nach Fulda und über die Rhön 1856, herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Günther E. Th. Bezzenberger, in: ZHG 100 (1995), S. 185-211.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 2625
Schlagworte Blitzschlag; Gebäudeschäden
Ortsangaben Fulda
Zeitangabe 5.6.1395
Quellenzeitangabe
Originaltext „1395 durften die ersten Frauenzimmer in den ihnen früher verschlossenen Dom gehen, und sobald die Kirchweih des heiligen Bonifatius (das ist der 5. Juni) gehalten war, zündete der Blitz die Kirche und das Stift brannte zum dritten Male ab.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   09.03.2009
Beleg Joseph Schneider: Topographische und geschichtliche Beschreibung der Stadt Fulda, in: Buchonia, eine Zeitschrift für vaterländische Geschichte, Alterthums-Kunde, Geographie, Statistik und Topographie, 4. Band (1829), S. 1-59, hier S. 33.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 2626
Schlagworte Hochwasser
Ortsangaben Fulda; Fulda, Fluss
Zeitangabe 1762
Quellenzeitangabe
Originaltext „Abt Sigehard, errichtete zur besseren Communication des diesseits der Fulda gelegenen Klosters mit andern Zellen und Ortschaften, eine über 200 Schritt lange steinerne Brücke über diesen Fluß, welche in der vaterländischen Geschichte die lange Brücke (pons longus) genannt wird und noch so heißt. … Auf dem zweiten Pfeiler (dieser Brücke) linker Seite stehet die Jahrzahl 1762. Auf dem vierten rechts, findet sich dieselbe, ebenso auf dem sechsten. An letzterem steht noch mit schlechter Schrift: No 62 (wahrscheinlich Anno 1762?) IST DAS WAS ALSO HOCH GEWE (allenfalls 10 Fuß).“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   09.03.2009
Beleg Joseph Schneider: Topographische und geschichtliche Beschreibung der Stadt Fulda, in: Buchonia, eine Zeitschrift für vaterländische Geschichte, Alterthums-Kunde, Geographie, Statistik und Topographie, 4. Band (1829), S. 1-59, S. 11 u. 14.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 2627
Schlagworte Hochwasser; Brückenschäden
Ortsangaben Fulda; Fulda, Fluss
Zeitangabe 14.11.1824
Quellenzeitangabe
Originaltext Am 14. November 1824 riss ein Hochwasser einige Pfeiler der Hornungs-Brücke bei Fulda ein. Die Brücke bei der Hornungsmühle hatte Fürstbischof Amand von Busek 1738 erbauen lassen. "man machte sie, des Wiederaufbauens wegen, von nun an zum städtischen Eigenthume, und die Stadt erbaute dieselbe mit bedeutenden Kosten im Jahre 1825, wieder, wie folgende Inschrift sagt:
DURCH FLUTHEN I.J. 1824
ZUM THEIL ZERSTOERT
1825 AUF KOSTEN DER STADT
WIEDER HERGESTELLT."
An der sog. Langen Brücke bei Fulda stand das Hochwasser 6 Fuß über der Hochwasserstandsmarkierung von 1762.
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   09.03.2009
Beleg Joseph Schneider: Topographische und geschichtliche Beschreibung der Stadt Fulda, in: Buchonia, eine Zeitschrift für vaterländische Geschichte, Alterthums-Kunde, Geographie, Statistik und Topographie, 4. Band (1829), S. 1-59, hier S. 11 u. 14 f.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 2797
Schlagworte niederschlagsfrei; Witterung, milde
Ortsangaben Fulda
Zeitangabe 5.10.1836
Quellenzeitangabe
Originaltext Fulda, den 5. Oktober 1836 (ein Mittwoch) … Als ich gestern den Steig nach dem Franziskanerkloster auf dem Frauenberge hinaufwandelte, überraschte mich eine jener italienischen Erinnerungen, die in ferne Jahre und an vergessene Gestade zurückversetzten … Die Glocken läuteten in der Stadt zum Abendgebet; die Seminaristen kamen zum Abendspaziergang in die Allee; einige terminierende Mönche kamen mit vollen Säcken herauf und kreuzten sich mit dem Handwerksburschen, dem einzigen Pilger, den unsere gewerbliche Zeit noch kennt, der von ihrem Kloster herabkommt und diese Art von Bettlern dankbar grüßt, die noch reich genug sind, ihn auf der Reise zu bewirten. Einige barmherzige Schwestern, von blühendem und ruhigem Aussehen, verlassen ihre krankheitsstoffige Atmosphäre, um hier frische Luft zu schöpfen; und inmitten dieser frommen, dem Gebet und mildem Wirken geweihten Menge wandelt der Bischof, den jeder ehrerbietig grüßt.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   28.03.2009
Beleg Fulda im Jahre 1836, mitgeteilt von Paul Heidelbach, in: Buchenblätter. Beilage der „Fuldaer Zeitung“ für Heimatfreunde, Nr. 34, 15. Jahrgang, 26. August 1934, Blatt 129-130, hier S. 129.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 3436
Schlagworte Hagelschläge; Futtermangel; Geldsammlung für Hagelgeschädigte
Ortsangaben Sterkelshausen; Hofgeismar; Fulda; Hünfeld; Hersfeld
Zeitangabe 1857
Quellenzeitangabe
Originaltext „1857 muß es in Kurhessen schwere Hagelschläge gegeben haben, denn in Sterkelshausen wurden für die Hagelgeschädigten im Kreis Hofgeismar 1 Rthlr 10 Sgr 2 hlr, für die Hagelgeschädigten aus den Kreisen Fulda und Hünfeld 1 Rthlr 13 Sgr. 2hlr, für die Hagelgeschädigten aus den Kreisen Hersfeld und Hünfeld 1 Rthlr 27 Sgr 3 hlr erhoben (Kreisanzeiger 1857).
Mit der Ernte scheint es in diesem Jahre 1857 schlecht bestellt gewesen zu sein, denn im Kreisanzeiger werden den Viehhaltern Hinweise gegeben, wie sie bei dem herrschenden Futtermangel ihre Tiere auf ungewöhnliche Weise (z.B. mit Obsttrestern, Eicheln, Kastanien, Blättern von Runkelrüben und Weißkraut, Weinlaub, Obstlaub usw.) füttern können.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   24.02.2011
Beleg Haide Schreiber: Zur Geschichte von Sterkelshausen, in: Mehr als 1000 Jahre – Sterkelshausen – Chronik, Geschichten und Bilder, hg.v. Sterkelshausen – Unser Dorf e.V., Alheim 2003, S. 23-85, hier S. 49f.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 4103
Schlagworte Hitze, große; Korn, reifes; Ernte, Beginn; Flachsbrechen; Hanfbrechen
Ortsangaben Hünfeld; Fulda; Neuhof; Schlüchtern; Saalmünster; Gelnhausen; Hanau
Zeitangabe 25.7.1814 - 28.7.1814
Quellenzeitangabe
Originaltext Am 28. Juli 1814 schrieb Johann Wolfgang von Goethe an seine Frau Christine einen Brief, aus dem folgende wetterbezogene Angaben entnommen sind:
„Zuvörerst also muß ich die charmante Person loben, welche mich das Fahrhäuschen zu betreten bewog, bei der großen Hitze, dem Staub und dergleichen wäre ich sonst vergangen.
Den 25: … Mittags Gotha im Mohren war’s behäglich. … Um sechs Uhr in Eisenach, vom Schloßvogt wohlempfangen, regalierte mich selbst mit einer Kaltschale, deren Ingredienzien jedem Reisenden empfehle. …
Den 26. fünf Uhr von Eisenach. Herrlicher Duftmorgen um die Wartburg. Köstlicher Tag überhaupt. In Hünfeld fand ich Jahrmarkt und bemerkte einige Späße. Um sechs Uhr im Posthaus zu Fulda. Ließ mir erzählen und erquickte mich. …
Den 27. verließ ich Fulda beim heitersten Himmel, … Bei Neuhof reifes Korn. Zwischen Schlüchtern und Saalmünster Flachs und Hanfbrechen durch Städtchen und Dörfer, Haus an Haus. Der erste Storch auf der Wiese und erstes Kornernten. Weiter nach Gelnhausen zu. … Ich besuchte die Burg Kaiser Friedrich des Rotbarts. … Um sieben in Hanau. Jene Burg (ehemalige Kaiserpfalz von Gelnhausen) liegt ein Viertelstunde von Gelnhausen … Mein Weg zu und von der Burg, in der größten Hitze, setzte mich in Wasser, ich mußte mich umkleiden und war sehr zufrieden, als ich in Hanau ankam, wo ich mich wiederherstellte.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   02.08.2014
Beleg Heribert Kramm: Goethes Aufenthalt vor 200 Jahren in Hünfeld, in: Buchenblätter 87/14 (2014), S. 53.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 4106
Schlagworte Sommer, dürrer; Wassermangel; Getreidemangel; Teuerung
Ortsangaben Schlitz; Fulda; Wetterau
Zeitangabe 1765 - 1766
Quellenzeitangabe
Originaltext „Nach diesem turbulenten Jahr 1765 ,haben die Bauer im Herbst geblut, weil es ein dürrer Sommer war; es ist auch Mangel an vielen Orten an Wasser gewesen.‘
In dieser Not entschloß sich (der arbeitslose Brauer) Weisssbeck zur Aufnahme einer artfremden Tätigkeit: Am 12. März 1766 ,bin ich mit einem Schleifkarren das erste Mal auf Fulda gegangen.‘ Der 37jährige Braumeister war also zum Scherenschleifer geworden.
Der Hunger in Schlitz war so groß, da Brot von Fulda geholt werden mußte: ,Von Fulda ist ein Wagen voll auf Schlitz geschickt worden … Ist große Noth an Brodt und Gelt. Kein Korn ist zu kriegen bei unsern Bauern. Das Hessengeld ist auch abgesetzt (= abgewertet). Bauern aus der Wetterau mit ganzen Wagen voll Korn kommen zu uns. Gilt die Mest 1 Gulden 5 Kreuzer … Die Bauern aus der Wetterau brachten Korn, Weizen und Gerste, alles, was zu unserer Nahrung nötig war.‘“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   02.08.2014
Beleg Aus der Chronik des Braumeisters Johann Adolph Weissbeck, in: Heinrich Sippel: Notizen aus der Reichsgrafschaft 1775–1772. Nach einem alten Tagebuch. Schlitz im Spiegel der Geschichte, Heft 22, Schlitz 1992, S. 18.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 4215
Schlagworte Hochwasser; Überschwemmung
Ortsangaben Fulda
Zeitangabe 1.12.1614
Quellenzeitangabe
Originaltext „Westlich und südlich vom Gartenbrunnen, der laut Gangolf Hartungs Chronik am Montag nach St. Andreastag 1614 von einem Hochwasser überflutet worden war, lagen einst die Ländereinen des „Cronhofgartens“.“
Anmerkung: Das Gartenbörnchen bzw. der Gartenbrunnen lag östlich von der Fulda im sumpfigen Randgebiet und damit in der Nähe der heutigen Langenbrückenstraße und war über das „Stiegelsgässchen“ zu Fuß zu erreichen. Der St. Andreas-Tag 1614 war Sonntag, der 30. November, der 1. Advent. Somit war der darauf folgende Montag, der 1.12.1614.
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   24.10.2015
Beleg Michael Mott: Die Gasse „Am Stiegel“ an der Langen Brücke, in: Buchenblätter 87 (2014), S. 91 f.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   

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