Datensätze

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Eintrag 2918
Schlagworte Trockenheit; Teuerung; mißernte Sommerfrüchte; Mißernte, Grummet; Getreideernte, späte; Kartoffelernte, späte; Getreideknappheit; Kartoffelknappheit; Getreideimporte; Hilfsprogramm, staatliches
Ortsangaben Ronshausen; Homberg; Rotenburg; Oberhessen; Hanau
Zeitangabe 1842
Quellenzeitangabe
Originaltext Anläßlich einer Reparatur im Jahre 1842 wurde im Turmknopf der Ronshäuser Kirche eine Urkunde hinterlassen. „Über die Ernährungssituation erfahren wir aus der Urkunde: „Dieses Jahr war ein so trockenes, wie es die ältesten Einwohner nicht erinnern konnten. Es hatte in einem Vierteljahr nicht geregnet, die Sommerfrüchte missrieten und Grummet wurde wenig oder nichts geerntet. Doch die Korn- und Kartoffelernte fiel gesegnet aus“. Das war allerdings eine sehr optimistische Aussage. Die Autoren informieren uns nämlich auch darüber, dass im Oktober und November des Jahres 1842 das Malter Korn Homberger Gemäs (Maß) 6-7 Thaler, Weizen 8 Thaler, Gerste 6 Thaler und Hafer 4 Thaler gekostet habe. Der Gemeinderechnung von 1834 kann man entnehmen, dass das Malter Korn damals mit 4 Thalern und das Malter Hafer mit 1 Thaler 26 Albus angesetzt war. Beim Korn gab es demnach innerhalb von acht Jahren eine Preissteigerung um 75%, beim Hafer um 100%. Das weist auf Knappheit hin. 1843 berichteten die Landräte von Homberg und Rotenburg an die Regierung in Kassel, dass in ihren Kreisen die Vorräte an Korn und Kartoffeln vollständig aufgezehrt waren (Seier, H. (Hg.): Akten und Eingaben aus dem kurhessischen Vormärz 1837-1848, 1996, Marburg, S. 463). Die üble Witterung habe zur Folge, dass eine ungewöhnliche Verspätung in der Kartoffel- und Fruchternte zu erwarten sei. Ähnliche Berichte lagen aus Oberhessen und aus Hanau vor. Die Kornpreise hätten danach eine unerhörte Höhe erreicht und oft war selbst für bares Geld kein Brot zu kaufen. Da die staatlichen Vorräte an sogenannten Dominalfrüchten erschöpft waren, wurde der Auftrag erteilt, auf Staatskosten 1.000 Viertel Roggen in Bremen möglichst billig zu kaufen. Weiter 1.000 Viertel Roggen sollten im Ausland zu einem möglichst niedrigen Preis gekauft werden. Das erforderliche Geld solle durch eine Anleihe beschafft werden, der Roggen sollte zum Kostenpreis abgegeben werden.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   16.04.2009
Beleg Fritz Rudolph: Ronshausen. Dorfgeschichte im Zusammenhang der Landesgeschichte, Kassel 2. Aufl. 2001 (Hessische Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskunde; Bd. 36), S. 225.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   

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