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Eintrag 3209
Schlagworte Gewitter; Blitz; Donner; Wolkenbruch; Hagel; Sturzflut; Bodenerosion; Vieh, verendetes; Gebäudeschäden; Personenopfer; Wiesen, überschwemmte; Grummeternte, gute; Bäume, entwurzelte; Brücken, zerstörte; Straßen, ausgehöhlte; Freilegung eines Braunkohlelagers
Ortsangaben Rhön; Birx; Seiferts; Thaiden; Hilders; Findlos; Reulbach
Zeitangabe 26.7.1834
Quellenzeitangabe
Originaltext „Der Eisgraben bildet die Abflussrinne des Schwarzen Moores. Wie er vor 1834 ausgesehen hat, ist nicht mehr zu erkennen, wohl war er wesentlich flacher und mit weniger steilen Hängen in den Basaltkörper an der Südflanke der Langen Rhön eingeschnitten. … Katastrophale Witterungsbedingungen wie Wolkenbrüche und Starkregen, die tobende Sturzfluten auslösen, können besonders in steilen Hanglagen durch die gewaltige Erosionskraft des fließenden Wassers, das Steinmaterial mit sich führt, tiefe Geländeeinschnitte und Bergstürze verursachen, … Außergewöhnliche Wetterereignisse finden auf der Rhön immer dann statt, wenn im Sommer von Süden feuchtwarme Trossenluft auf kühlere Luftmassen des Berglandes aufgleitet. Die Folge sind kräftige Gewitter mit sintflutartigen Niederschlägen in Form von Regen und Schlossen. Chroniken machen besonders auf den Annatag 1834. So berichtet der Rhönbauer Joseph Wehner aus Reulbach „Am 26. Juli, morgens um 10 Uhr erhob sich auf der Rhön ein förtiges Gewitter, ein Wolkenbruch, der sich über der Rhön teilte. Er fiel auf den Ort Hausen zu, richtete großen Schaden an. Große Steine wurden von der Rhön mitgerissen. Auf der Rhön befindliche Viehherden gingen zugrunde. Die Schlossen lagen fünf Schuh hoch. Das Gewitter fiel dann auf Birx zu, dann auf Seiferts, wo es große Verwüstungen anrichtete, an dem kleinen Birxwasser gelegene Häuser nieder riss. Als ein Mann, der betrunken war, sein Geld holen wollte, stürzte durch das Wasser das Haus ein und er ertrank. Eine schwangere Frau, die mit ihren kleinen Kindern auf das Zureden der Leute nicht flüchtete, ertrank ebenfalls. So sind im Orte Seiferts acht Personen ersoffen, in dem Orte Thaiden fünf Personen. In Hilders wurde die steinerne Ulsterbrücke weggerissen. Dasselbe Gewitter erschlug im Orts Findlos im Stall drei Stück Vieh. Im Orte Reulbach hatte es ein sehr großes Wasser. Die Wiesen waren überschwemmt, wonach es aber bedeutend viel Grummet gab.“ (Chronik eines Rhönbauern [1613-1868], vermutlich Joseph Wehner aus Reulbach [orthographisch angepasst]):
Valentin Mauer schreibt zu dem Ereignis in der unterfränkischen Presse (Valentin Mauer, Beschreibung der am 26. Juli 1834 durch ein Ungewitter verursachten ungeheuern Verwüstung auf der Rhöne. Herausgegeben vom historischen Vereine des Untermainkreises, Würzburg 1934):
„Am 26. Juli 1834 früh 10 Uhr bemerkte man, dass eine schwere Gewitterwolke sich ganz auf das Rhöngebirge niedergelassen hatte. Um 11 Uhr fing es zu blitzen und zu donnern an. Um halb 12 Uhr fielen, nach Aussage eines alten Hirten, auf der Rhöne sehr große Schlossen, und die Wolken haben sich nicht sowohl ergossen als ausgeschüttet. Alles Vieh zerstreute sich und suchte Schutz im nahen Walde. Um 12 Uhr fing das Wasser im Eisgraben an zu wachsen. Um halb 1 Uhr kam der Strom aus dem Eisgraben 6 Schuh hoch hervor, führte eine unzählige Menge von 6 bis 20 Zentner schweren Wackensteinen mit sich und stürzte sich auf das Örtchen Hausen vor der Rhön. Die Wackensteine füllten in einer Zeit von 10 Minuten das Flussbett in Hausen, worauf das Wasser schrankenlos durch zwei Drittheiles des Dorfes alles verwüstete. Entwurzelte starke Baumstämme, ungeheure Wackensteine durchbrachen die Wohnhäuser, stießen Schweineställe um, rissen Scheunen darnieder, töteten eine Frau mit ihrem Kinde, höhlten die Straßen zu Gruben aus, und überführten Gärten und Wiesen, die auf lange Zeit öde und wüst bleiben müssen. Ja, wäre der lange, sich bis zum Gipfel der Rhöngebirge aufwärts ziehende und mehr einem engen Tale gleichende, Eisgraben nicht mit mehreren tausend großen Buchenstämmen und schönen Stangen bewachsen gewesen, so wäre Hausen nunmehr ein schauerlicher Steinhügel, und kein Mensch wäre zu retten gewesen. Die Bäume, die sämtlich ausgerissen oder doch sehr beschädigt sind, haben die Wut des Wassers und der Steine in so weit gemindert, dass das Unglück nicht himmelschreiend geworden ist. Vor Hausen liegt ein Stein von 160 Zentnern hingewälzt, welchen alle Einwohner in Hausen kennen. Dieser lag vor dem oben auf der Rhön, und das Wasser hat ihn in 5 Viertelstunden weit herabgewälzt und ein hoher Steinhaufen nahe an dem Ort Hausen hat ihn gehemmt, sich weiter fort zu wälzen.“ … An anderer Stelle des Eisgrabens schnitt die reißende Flut das unter dem Basalt verdeckt liegende Braunkohlenlager an. Schon 1846 wird von einem Abbau im Hermann- und Antonstollen berichtet. Doch 1858 musste die Förderung eingestellt werden. … Offenbar hat aber die gesamte Grube fortgesetzt mit starken Wassereinbrüchen zu kämpfen gehabt, die den Abbau ständig bedrohten und die Rentabilität mittelfristig in Frage stellten.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   24.02.2011
Beleg Heribert Kramm: Als der Eisgraben entstand. Großes Unwetter über der Rhön vor 175 Jahren, in: Buchenblätter, Beilage der Fuldaer Zeitung für Heimatfreunde 82 (2009), Nr. 13, S. 49 f.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   

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