Datensätze

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Eintrag 3579
Schlagworte Gewitter; Hagelschlag; Verwüstungen; Gebäudeschäden; Feldschäden; Wiesenschäden; Straßen, zerstörte
Ortsangaben Oberaula, Amt; Oberaula; Raboldshausen; Hausen; Ibra; Machtlos; Breitenbach (am Herzberg); Hatterode; Gehau; Lingelbach
Zeitangabe 10.6.1815
Quellenzeitangabe
Originaltext „Am Sonnabend, den 10. Juni 1815, hatte nachmittags zwischen 4 und 8 Uhr (16 und 20 Uhr) ein furchtbares, mit Hagelschlag verbundenes Gewitter im Amt Oberaula große Verwüstungen angerichtet. Einer Nachricht des Amtmannes Buch in Raboldshausen zufolge, die dieser am 12. Juni 1815 an die Kurfürstliche Regierung in Kassel sandte, waren hiervon hauptsächlich die Orte Hausen, Ibra, Machtlos, Breitenbach (am Herzberg) und Hatterode, wahrscheinlich auch Gehau und Lingelbach betroffen. – Außer Schäden an Häusern, Gehöften, Feldern und Wiesen waren Straßen zerstört und die Landstraße zwischen Breitenbach und Alsfeld verwüstet worden.“ (Siehe StAM, Bestand 17 II, Nr. 3040)
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   08.06.2012
Beleg Marie G. Goletz: Chronik Oberaula, Band I: Frühgeschichte bis 1866, Oberaula 1995, S. 477 f.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 3660
Schlagworte Schnee, tiefer; Eis
Ortsangaben Hohe Rhön; Hausen; Frankenheim
Zeitangabe 12.1789
Quellenzeitangabe
Originaltext „Fürst Franz Ludwig ließ aus dieser Ursache, um dergleichen Unglücksfälle [das Menschen sich im hohen Schnee und bei Nebel verirrten und erfroren; F.R.] zu verhindern, an den zu gehenden Fußwegen alle dreißig Schritte hohe Pflöcke setzen, die den Wanderer zurechtweisen sollen; und es gibt wirklich seit jener Zeit nicht mehr so viele Beispiele von erfrorenen Menschen, weswegen es zu bedauern ist, daß man für die Unterhaltung dieser Pflöcke so wenig Sorge trägt. Allein es fehlt doch – auch bei aller kluger Vorsorge nicht an solchen traurigen Ereignissen, indem nur zu oft ein dichter Nebel die Stöcke verbirgt und der Wind alle Bahnen verweht, daß der Wanderer aus der Fassung kommt und sich seinem Untergange naht.
Ich übertreibe hier die Schilderung nicht, denn ich schreibe aus eigener Erfahrung. Schon um halb drei Uhr des Nachmittags, wo es noch ziemlich hell war, kam ich auf die Hohe Rhön, und ich hatte nur eine Viertelmeile auf das nächstgelegene Frankenheim. Es war eben in der Mitte des Dezembers 1789, als ich diese Reise unternehmen mußte. Ich hatte zur Gesellschaft einen Chirurgen aus Neustadt an der Saale, einen Wegweiser, den ich aus Hausen mitnahm, meinen Kutscher mit zwei Pferden an einem leichten Schwimmer und meinem kleinen Hund. Der Weg von Hausen bis zur Höhe war außerordentlich schlimm. Ich ging zu Fuß, da ich den Wagen von allem, so viel möglich, zu erleichtern suchte, mit einem starken Stab, meinem nachher gewöhnlichen Rhönpferd, an dem ein großes spitzes Eisen befestigt war und der mir nachher sehr gute Dienste tat, indem er mich gegen das Abgleiten und Rückwärtsfallen schützte. Oft sank ich bis an den halben Leib in den Schnee, wovon man am Fuß des Berges nur wenige Spuren fand, und oft gleitete ich, ungeachtet meines Wanderstabes, auf den Knien eine ganze Strecke über Eis zurück. Den Pferden ging es noch weit schlimmer. Mehr als zehnmal mussten wir den Wagen aus dem tiefen Schnee heben, und oft waren die Pferde nicht im Stande, ihn auf dem glatten Eis zu halten. Alles strengte seine äußersten Kräfte an. Das Rad und die Waage zerbrachen; mit Stricken wurde alles wieder zusammengebunden, und ganz abgemattet kamen wir endlich bis zur Oberfläche. Nun waren wir alle getröstet. Wir hatten die Pflöcke vor den Augen und zweifelten nicht, uns nach einer Viertelstunde in Frankenheim zu befinden. Allein, wir betrogen uns sehr! Ein dichter, auf fünfzehn Schritte undurchsehbarer, stinkender Nebel lag auf der Oberfläche, ein heftiger Wind, der zu meinem Glück nicht schneidend und kalt war, wehte die von uns gemachte Bahn hinter uns wieder mit Schnee zu; wir verloren die Pflöcke aus unseren Augen, indem wir wegen des schlimmen Weges davon abweichen mussten, und wir kamen zu weit links auf das Schwarze Moor. Zwei Stunden kreuzten wir auf dieser großen Ebene, unbewusst, wo wir uns befanden und wo wir uns hinwenden sollten. Mein Wegweiser erblasste, als ich ihn zur Rede stellte, wo er mich hingeführt habe, und mit zitternder Stimme bekannte er, daß er selbst nicht mehr wüsste, wo wir uns befänden. Die Nacht war allbereits über uns gekommen, und mit ihr Furcht und Schrecken überfallen. Der Nordwind blies heftiger, die Kälte nahm zu; wir waren alle ringsum beduftet und gefroren, und wir sahen nichts als den Tod vor Augen. Der Chirurg weinte um seine Frau und Kinder, die er nun nicht mehr sehen sollte; mit ihm schluchzte mein Wegweiser aus gleicher Ursache. Aus dem Munde meines Kutschers strömte eine Litanei von Flüchen und Verwünschungen, und ich, in meinen Mantel gehüllt, machte Glossen über all die Begebenheiten, watete durch den Schnee mit Anstrengung meiner letzten Kräfte und rief aus vollem Halse nach Rettung. Alles schien vergeblich. Mir war gar nicht wohl bei der Sache, doch hatte ich meine Fassung nicht verloren. Da ich wußte und auch, nach dem Wind zu urteilen, annehmen konnte, daß wir zu weit links gekommen waren, wendeten wir uns nun rechts und fuhren eine lange Strecke, bis die Pferde, zu sehr abgemattet, den Wagen nicht weiter fortbringen konnten. Wir teilten uns, gingen nach verschiedenen Seiten und schrieen nochmals aus vollem Hals um Rettung. Allein, nirgends hörten wir den Laut von einem Sterblichen. Allenthalben herrschte Totenstille. Ganz entkräftet sank ich endlich auf den Schnee nieder, faltete meine Hände, dachte bald zu viel, bald gar nichts, und sah dem Tod entgegen. Ich weiß nicht, ob man in ein traurigeres Schicksal versetzt werden kann. Grausender wenigstens kann ich mir keine Szene im menschlichen Leben denken. Als ich so abgemattet und im Mantel eingehüllt saß und kein Schall mehr aus meinem Munde gehört wurde, lief der Chirurg, der in meiner Nähe stand, auf mich zu, riß mich von meinem Sitz auf und erweckte mich durch die frohe Nachricht, daß Menschenstimmen von fern sich nahten.
Plötzlich wallte mein Blut wieder durch die Adern, und neues Leben durchströmte meine Glieder. Wir hatten uns nicht getäuscht. Der Barmherzige hatte uns bemerkt in unserem Elend, und Engel des Himmels retteten uns vom nahen Tode. Die Einwohner Frankenheims hatten bei stiller Nacht unser klägliches Rufen gehört, und sie eilten uns zur Hilfe.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   08.06.2012
Beleg Heribert Kramm: Eine winterliche Reise über die Rhön vor 200 Jahren. Berichtet von Franz Anton Jäger, 1803, Kaplan in Simmershausen, in: buchenblätter 83 (2010), Nr. 26, 20.12.2010, S. 103–104.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   

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