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Eintrag 4179
Schlagworte Missernte, drohende; Waldschäden durch Hasen; Feldschäden durch Hasen; Feldschäden durch Mäuse; Feldschäden durch Maulwürfe; Feldschäden durch lananhaltenden Winter; Futtermangel
Ortsangaben Rhön; Reußendorf; Rothenrain; Oberbach; Wildflecken; Oberweißenbrunn; Frankenheim
Zeitangabe 1816
Quellenzeitangabe
Originaltext "Denn allgemein hörte man schon in hiesigen Rhöngegenden die Leute erbärmlich klagen, besonders in den Dörfern Reußendorf, Rothenrain, Oberbach, Wildflecken, Ober=Weißenbrunn, Frankenheim, daß die diesjährige Ernte nicht einmal so viel Körner ertragen werde, als man ausgesäet, oder als man zur Bestellung der neuen Sommersaat nöthig habe. Die armen Leute preisen daher einstimmig Gottes Güte und Allmacht, welche sich in dem eingetretenen Witterungswechsel offenbaret. Nur nach diesem Regen keinen Frost mehr! erschallt der fromme Wunsch einstimmig aus allen bangen Herzen; denn die Erfahrung lehrt, daß nach einem 3tägigen Froste auf dem Kreuzberge sich die verderblichsten Froste immer auch tief in das ganze Land hinein verbreitet haben. Die gegenwärtige Witterung bringt gewiß den sehr hohen Schnee zum Schmelzen, wie man überall schon bemerkt, selbst in einem Theile der nördlich und nord=westlich liegenden Wäldern, in den Dörfern Ober=Weißenbrunn, Oberbach, u. s. w. und sogar hier im Kloster. Mit erneuerter Kraft werden nun Wälder und Wiesen, Auen und Fluren in ihrem Schmuck erscheinen, und wieder allgemein ertönen wird der Gesang der noch im Frostschauder zusammenkauernden Vögel. Erst jetzt sieht man den entsetzlichen Schaden, welchen die gefräßigen Hasen und die wühlenden Reitmäuse und Maulwürfe angerichtet haben. Die hungrigen Hasen haben ganze junge Schläge in den Bischofsheimer Gemeinwaldungen rein abgefressen. Man wollte zwar diese Verwüstungen den scheußlichen Reitmäusen zuschreiben: aber sie widersprechen es in erster Form Rechtens, und wollen zu ihrer Vertheidigung gegen diese grundlose Anklage sogar gerichtlich beweisen, daß sie nur allein an köstlichen Kräuter und Wurzeln gewöhnt seien, die Hasen hingegen immer, so bald der Schnee schmilzt, die obersten sichtbaren Spitzen und Aestchen junger Bäume abfressen. Wirklich haben die Hasen in den Haus= und Feldgärten des Dorfes Unter=Weißenbrunn nicht nur alle Wurzeln und Blätter rein abgefressen, sondern sie erfrechen sich auch zum Hohne der armen Inwohner beim hellen Tage durch das Dorf zu spazieren. Das hungernde Vieh brüllt: viele Dorfbewohner treiben es in die nassen Wiesen oder in das vom vorigen Jahre noch belaubte Gebüsch, weil man zu Hause kein Futter mehr hat."
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   14.11.2015
Beleg Beschreibung des heiligen Kreuzberges und seiner Umgebungen, in Hinsicht auf die Erzeugnisse und Schönheiten der Natur, mit statistischen, geschichtlichen und religiösen Bemerkungen von Franz Nikolaus Baur, Dom=Vicar zu Würzburg, gedruckt auf Kosten der Freunde des Verfassers bei Johann Stephan Richter, Würzburg 1816, Nachdruck 1988, S. 278–280
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   

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