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Eintrag 3480
Schlagworte Regenborgen; Nebel, starker
Ortsangaben Bischofsheim; Kreuzberg
Zeitangabe 28.5.1840 - 29.5.1840
Quellenzeitangabe
Originaltext „Als ich [Franz Dingelstedt] gestern Abend [Pfingsten, 28. Mai 1840] aus Bischofsheim auspilgerte, stand ein Regenbogen sanft und verheißend auf dem grauen, sich langsam austräufelnden Gewölb. … (Entgegenkommende grüßten ihn mit „Gelobt sei Jesus Christus“, worauf er mit „In Ewigkeit Amen“ antwortete.) Und ich schämte mich, wie ich in den funkelnden Wald, dessen Zweige von tausend Tropfen glitzerten, den geheiligten Berg hinan stieg, innerlich aller irdischen Schlacke ledig, die so oft das reien Feuer eines zufrieden erfüllten Lebens trübt und dämpft. … Gegen Anbruch der Dunkelheit standen wir oben am Kloster. … (Oberhalb von Kloster und Wirtshaus stehen auf der Spitze des Berges drei Kreuze.) Ich konnte mir nicht versagen, die Stufen, die vom Kloster aus, in den Rasen gefügt, bis an das Kreuz führen, noch hinauf zu steigen, obwohl Dämmerung jede Umsicht vereitelte. … ein ermüdendes Steigen auf dem taufrischen Moos … Meine Seele flog auf in den breiten, verschleierten Nachthimmel, an dem ein erster Stern zitternd aufschaute, dessen dunkle Ränder zweifelhaft und dämmernd verschwammen mit den Profilen der Berge ringsum. Und tief, tief zu Füßen … Wiesen, auf denen sich weiße Nebel ballten und jagten … ein Hundegebell, ein Wellengeräusch, das Nachtwind auf seine Flügel nahm und in diese Höhe führte. … (Am nächsten Morgen:) Wir haben starken Nebel draußen. Kaum dass ich das Wirtshaus aus meinem Fenster erkennen kann. Eine frische Morgenluft weht in die Scheiben und blättert für mich im Tagebuch um. … In den Schleiern des Abends suchte ich meinen Heimgang zum Kloster. … Nun war diese Natur schön, wie eine Träumerei der Sehnsucht, als linde Schatten von unten herauf sie weiß und duftig umflatterten, während oben die schwarzen Profile der nächsten Berghäupter am blassblauen kühlen Abendhimmel sich scharf abschnitten.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   24.02.2011
Beleg Heribert Kramm: Franz Dingelstedt auf dem Kreuzberg: Auszüge aus seinen Briefen „Rhöne-Fahrten“ (1) 1840, in : Buchenblätter 83 (2010), S. 67–68.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   

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