Datensätze

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Eintrag 1430
Schlagworte Frost; Schneedecke, hohe; Schlittenfahrt
Ortsangaben Frankfurt am Main; Hanau
Zeitangabe 1774
Quellenzeitangabe Winter
Originaltext „Unter die hiesigen Winterlustbarkeiten kann man auch die Schlittenfahrten zählen, die man nur in frostigem Wetter, und wenn ein tiefer Schnee liegt, anstellen kann. Vor kurzem hatte ich eine Gelegenheit eine sehr prächtige Schlittenfahrt mit anzusehen, die einige junge Herren einer gleichen Anzahl junger Frauenzimmer zu Ehren anstellten. Ein solcher Schlitten ist eine Maschine in Gestalt eines Pferdes, Löwen, Schwans, Greifen, Einhorns oder irgend einer andern seltsamen Form, ohne Räder; unten aber einem gemeinen Schlitten ähnlich, womit man auf dem Schnee fährt. Einige derselben sind vergoldet, oder je nach dem Einfalle des Eigners, auf eine andere Art verziert. – Auf einer Seite steht eine Stange empor, an welcher eine Flagge gebunden ist, die über den Köpfen der Fahrenden wehet. Das im Pelze eingehüllte Frauenzimmer sitzt vorne, und der Herr steht hinter ihr auf einem Brette, das zu diesem Ende angebracht ist. Der Schlitten wird von zwey Pferden gezogen, die entweder von einem Postillon geführt, oder von dem Herrn gelenkt werden. – Die Pferde sind prächtig geziert, und an den Schabraken, womit sie bedeckt sind, hangen Schellen. Die Gesellschaft bei dieser Schlittenfahrt bestand aus ohngefähr dreißig Schlitten, deren jeder von zwey oder drey Bedienten, zu Pferde, mit Fackeln, begleitet wurde: denn diese Schlittenfahrt fing zugleich mit der Nacht an. – Ein Schlitten fuhr voran; – die andern folgten in einer Linie in einer sehr bequemen Entfernung nach; und so fuhren sie zwo bis drey Stunden lang durch die Hauptstraßen und Plätze von Frankfurt herum. – Die Pferde laufen einen muntern Schritt oder Trab; die Bewegung des Schlittens ist sanft und angenehm; die Schellen, Flaggen und Fackeln, geben dem Aufzuge ein lebhaftes und prächtiges Ansehen, das sowohl die Schlittenfahrenden als die Zuschauer sehr zu ergötzen schien.“ Wenige Tage nach diesem Ereignis unternahm John Moore einen Ausflug mit dem Schlitten nach Hanau. „Hanau liegt einige Meilen weit vor Frankfurt. Wir hatten hier einen vollkommenen Beweis von der leichten und sanften Bewegung der Schlittenfahrt, die im frostigen Wetter, und auf hinlänglich beschneiten Boden, gewiß die angenehmste Art zu reisen ist, die man nur ersinnen kann.“
Bemerkungen Reisebericht des Schotten John Moore (1729-1802), Brief 47.
Bearbeitungsstand   21.11.2005
Beleg Abriß des gesellschaftlichen Lebens und der Sitten in Frankreich, der Schweiz und Deutschland. In Briefen entworfen von D. Moores, Bd. 1, Leipzig 1779, S. 224 f.
Bearbeiter Holger Hamecher
   

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