Datensätze

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Eintrag 3662
Schlagworte Winter, harter; Schneewehen; Schnee, tiefer; Frost; Menschen, erfrorene; Todesopfer
Ortsangaben Hohe Rhön; Frankenheim
Zeitangabe 1877 - 1878
Quellenzeitangabe Winter
Originaltext Ein langer und harter Winter herrschte auch 1877/78 in der hohen Rhön, unter dem besonders die Einwohner des thüringischen Rhöndorfes Frankenheim zu leiden hatten. Darüber heißt es im Januar 1878 in der Hersfelder Zeitung: „Eines der ärmsten Orte im mittleren und vielleicht im ganzen Deutschland ist das das weimarische Dorf Frankenheim auf der hohen Rhön, dasselbe, in welchem vor wenigen Jahren zahlreiche Familien vom Hungertyphus hinweggerafft worden sind. Die hohe Lage in einem unwirtlichen Gebirge, der fast ¾ Jahre andauernde Winter und der kaum nutzbar zu machenden Boden bedingen eine Existenz, von dem man sich aber schwer einen Begriff zu machen imstande ist: Fleisch ist dort ein gänzlich unbekannter Artikel, so daß Kartoffeln fast das einzige Nahrungsmittel bilden. Der diesjährige Winter hat dort nun eine außerordentliche Notlage geschaffen, indem das ganze Dorf mit seinen Lehmhütten auf längere Zeit gänzlich von Schneewehen verschüttet worden ist, so daß ein Verkehr nur durch die Schornsteine, oder besser gesagt durch die Rauchlöcher möglich gemacht werden konnte. Mehrere Personen sind bereits erfroren. Trotzdem haben die an der Scholle klebenden Bewohner alles Anerbieten der weimarischen Regierung, sich auf Staatskosten anderwärts anzusiedeln, wiederholt abgelehnt.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   08.06.2012
Beleg Gottfried Rehm: Menschen in harten Rhön-Wintern, in: Buchenblätter 83 (2010), Nr. 26, 20.12.2010, S. 102.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 4459
Schlagworte Nachwinter, strenger; Kälte, strenge; Schneefall, anhaltender; Schneedecke, geschlossene; Schneewehen; Straßen, unpassierbare; Singvögel, verhungerte; Hochwasser
Ortsangaben Grebendorf; Eschwege; Werra, Fluss
Zeitangabe 7.4.1837 - 17.4.1837
Quellenzeitangabe
Originaltext „Im Jahre 1837, nachdem es schon Frühling geworden war, trat nun abermals den 7ten Aprill der Winter wieder zurück, und zwar mit weit mehr Schnee und strengerer Kälte, als in den diesjährigen Wintermonaten. Den 8en und 9ten Aprill schneite es anhaltend Tag und Nacht hindurch. Alle Felder und Berge wurden wieder, wie in der Mitte des Januars, weiß und überall Fuß hoch mit Schnee bedeckt, und alle Höhlen, Wege und Landstraßen waren von stockwerkshohen Windwehen zugewehet und nicht mehr fahrbar, dadurch auch alle Kommunicationen gehindert und abgebrochen wurden. Denn auch nicht ein einziges Fuhrwerk, war es auch noch so gut bespannt, konnte in diesem so tiefen Schnee weiter zu fahren fortkommen. Ja, sie alle, auch selbst die Eilwagen und Posten mußten da, wo sie gerade zur Zeit dieses Schneewetters waren, anhalten und liegen bleiben. Es war auch den Letztem nicht einmal möglich, zur Stunde des Erwartens am Orte ihrer Bestimmung erscheinen zu können. Und eben darum konnte es denn auch nicht fehlen, daß durch dieses Schneewetter Unglücksfälle aller Art, sowohl unter den Menschen als im Thierreiche herbei geführet wurden, indem hinsichtlich der Erstern nicht nur allein selbst viele in den stecken gebliebenen Windwehen den Todt fanden, sondern auch viel mehr die Letztern, vornehmlich die jetzt schon bereits angekommenen Singvögel, welche sich durch den das Erdreich so hoch überzogenen Schnee aller ihrer Nahrung beraubt sahen, fielen in unzähliger Menge bis zur Erde nieder. Ja, vom Hunger und der Kälte genöthigt, konnte man diese armen Thierchen, wo man auch hinsah, mit den Händen fangen, denn die Noth trieb sie an, in die Häuser, ja selbst sogar in die Küchen und Stuben zu fliegen. Ebenso sollen den 7ten Aprill dieses Jahres zu Eschwege Hasen und Rebhühner in der Stadt gesehen worden seyn. Auch die Kälte war jetzt bei dem tiefen Schnee sehr groß. In der Nacht vom 10ten auf den 11ten Aprill sah man jedoch bei hohem Wasserstande Grundeis auf der Werra fließen und an dessen Morgen die Fensterscheiben nach der Nordostseite stark mit Eise belegt. Und so dauerte dieser Nachwinter, desgleichen sich niemand zu gedenken wußte, mit seinen strengen Wirkungen bis zum 17ten Aprill. Auch die Schafe, welche schon einige Mal dies Jahrs aufder Weide gewesen waren, hatten in dieser Zeit wieder von neuem Winterstand bis zum 21 ten Aprill.“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   27.12.2017
Beleg Helmut Stück und York-Egbert König (Bearb.): Martin Menthe (1802–1889). Aufzeichnungen aus Grebendorf, Grebendorf [2015], S. 64–65.
Bearbeiter Jochen Ebert
   

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