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Eintrag 1562
Schlagworte Unwetter; Gewitter; Starkregen; Überschwemmung; Hochwassertote; Vieh, ersoffenes; Gebäudeschäden; Felder, zerstörte
Ortsangaben Berneburg; Diemerode; Heierode
Zeitangabe 14.6.1864
Quellenzeitangabe
Originaltext Bericht über die durch Ueberschwemmung am 14. Juni 1864 in Berneburg und im Kirchspiel gleichen Namens angerichteten Verheerungen von Pfarrassistent W. Baumann
"Das werde geschrieben auf die Nachkommen, und das Volk, das geschaffen soll werden, wird den Herrn loben. Psalm 102, 19.
Es war Abend. Schweres Gewölk hatte sich nach einem schwülen Tage am Himmel aufgethürmt und schon alsbald nach seinem Aufsteigen wegen des ungewöhnlichen Zuges von Südost nach Nordwest, den es nahm, das Gemüth manches Sachkundigen, der Wind und Wolken seit Jahren zu beobachten gepflegt hatte, mit banger Besorgniß erfüllt. Die Berge, die gegen Nordwest sich erheben, die Stölzinger Kuppe, der Eisberg, der Burgberg bei Stadthosbach und im Hintergrunde der Meißner, bilden eine Wand, welche nach früheren Beobachtungen das dorthin ziehende Gewölk, wenn es tief geht. zurückzustoßen pflegt und dasselbe sich dann mit um so größerer Gewalt in unserer Gegend entladen läßt. Dies, sowie der unaufhörliche Donner, der sich hören ließ, war der Grund der Besorgniß, welche wie das Gewölk am Himmel in manchem Gemüthe aufstieg und hie und da in Worten laut wurde.
So zog das Unwetter mit Blitz, Donnerschlag und Regenguß heran und über uns hin, und schon ließ der Strom des Regens nach, schon wurden die Zwischenräume zwischen Blitz und Donner länger und der Donner schwächer, schon setzte man sich wieder zu dem unterbrochenen Abendbrod nieder und schickte sich zu dieser oder jener letzten Tagesarbeit an, als - es mochte etwa 8 Uhr Abends sein - ein greller Blitz und zu gleicher Zeit ein betäubender Donnerschlag die befürchtete Rückkehr des Wetters ankündigte und Jedermann aus der Ruhe, der man sich bereits hingegeben hatte, aufschreckte. Die Bestürzung wuchs, als in demselben Augenblick schon Gegenstände in dem vorbeifließenden Wasser sichtbar wurden, welche eine größere Ausdehnung desselben oberhalb des Dorfes anzeigten, als man auch bei den bisher erlebten stärksten Gewittern gewohnt war, und nichts Gutes ahnen ließen. Als aber im Augenblick danach ein lauter, wehklagender Ruf von dort her, wo das Wasser, an den Felsen des Kirchbergs sich brechend, in einem rechten Winkel sich ins Dorf ergießt, hörbar wurde, als unmittelbar darauf schon schweres Gebälk im Wasser herangetrieben wurde, und das Wasser selbst an Mauern, Häusern und Bäumen nicht allmählig in die Höhe stieg, sondern gleich dem Aufstehen eines Mannes von seinem Lager, als zur selben Zeit die schmutzig gelbe Fluth in das untere Geschoß der meisten Wohnungen eindrang, und man schon Bäume stürzen, Häuser zusammenbrechen sah, und das Getöse des Zusammensturzes und das Wehgeschrei der Menschen von dem furchtbaren Brausen der wilden Wogen übertäubt wurde, da war es nur ein Gedanke, der in allen im Bereich des Wassers Wohnenden alles Uebrige zurückdrängte: die Rettung des Lebens, und nach dem Bilde, das uns die Schrift von der letzten Zeit gibt: Alsdann fliehe auf die Berge wer im jüdischen Lande ist, und wer auf dem Dache ist, der steige nichthernieder, etwas aus seinem Hause zu holen, - floh, wer die Berge erreichen konnte, auf die Berge, wer vom Wasser eingeschlossen war, in die Höhe unter, ja auf das Dach.
Es war ein Schauspiel des Schreckens, welches sich von diesen erhöhten Standörtern den Blicken darbot, ein Zug von Menschen und Vieh in schauerlicher Mannigfaltigkeit, getragen von dem pfeilschnell eilenden Strom, ein Zug in den Tod. Voran der Unglücksbote, der schon durch den ersten Andrang der Fluth aufgehoben wurde und der die Kunde der herannahenden Gefahr ohne Wort aus dem „Oberlande" des Dorfes in das „Unterland" bringen sollte. Es war der Obermüller Franz Ludwig Kranich. Es war ihm darum zu thun gewesen, seinem abwesenden Stiefsohne einiges Bauholz, das oberhalb seiner Wohnung in einer Lage aufgespeichert war, in der es auch bei einer nur wenig austretenden Fluth in Gefahr stand, fortgetragen zu werden, vor dieser Gefahr zu schützen. Das Zusammensuchen der zur Befestigung des Holzes nöthigen Klammhaken und Ketten hatte ihm einigen Aufenthalt bereitet. Eben hatte ihm darum bei dem inzwischen wieder sich verstärkenden Donnern seine Frau zugeredet im Hause zu bleiben und mit ihr im „Starksbuch" das Gewittergebet zu lesen, noch hatte er sich mit ihr niedergesetzt, eben war er vom Gebete aufgestanden und doch noch hinausgeeilt, eben hatte ihm der Knecht, der ihn begleitete und nun bei wachsender Gefahr zurückeilte, zugerufen, mit ihm zurückzueilen, als plötzlich die Fluth aus dem Holz ein wildes Floß machte, welches den Unglücklichen bedeckte und von seinem Körper nur noch Kopf und Brust und die Arme, die er, an seinem Hause vorüberfahrend, den Seinigen zum letzten Abschied entgegenstreckte, sehen ließ. Unaufhaltsam ging die Fahrt das Dorf entlang bis dorthin, wo sich ihm die Rettung zu nahen schien. Man hatte ihn kommen sehen. Noch war der Kanal in der Mitte des Dorfes, durch den das Wasser in drei Armen seinen Durchgang hat, nicht überfluthet, dort oder nirgends war der Ort, wo es ihm gelingen konnte zu landen. Dazu war Hülfe auf dem Wege. Zwei junge Handwerker - Burghard Beck und Friedrich Kersten sind ihre Namen - haben den Muth, auf den Zuruf eines Mannes, dem selbst das Wasser bereits alle Ausgänge aus dem Hofe abgeschnitten hatte, herbeizueilen und mit Gefahr des eigenen Lebens ihn zu fassen. Aber das Gewicht des andringenden Wassers und des gestauten Gebälks, das seine Beine schon in den mittleren Durchlaß des Canals eingekeilt hat, ist zu stark und die Zeit zu kurz, als daß auch die vereinten Kräfte das Werk der Rettung hätten vollbringen können. Noch ruft er mit der letzten Hoffnung: „Zieht und wenn beide Beine verloren gehen sollten," aber siehe, da kommt wie eine Mauer aufgerichtet, ein neuer Wogendrang, der allen Bemühungen ein Ende macht. Mit den Worten: „Lasset mich los, sonst müssen wir Alle ertrinken," mahnt der Unglückliche die Beiden zur schnellen Flucht, ihn selbst hebt das Wasser in die Höhe und trägt ihn zum Dorfe hinaus. Im „Seerasen" fand man am anderen Mittag seine Leiche. Es war der Erste, aber nicht der Einzige, der diese Straße zog. Der Wogendrang, der ihn dort aufgehoben hatte und der zur selben Zeit im obern Dorfe einen größeren Kuhstall durchbrochen und einen Pferdestall weggerissen hatte und nun ein Dutzend Kühe und zwei Pferde hinabtrieb, zu denen sich dann im mittleren Dorfe noch mehr Vieh derselben Gattung gesellte - ein Schauspiel, das ebenso grausenerregend war wie das Stöhnen und Heulen der seufzenden Creatur in ihrer Todesnoth, von dem es begleitet war - derselbe Wogendrang ergriff auch ein von Menschen bewohntes Haus, das Gemeindehirtenhaus. Schäumend leckte die Fluth, durch einen Widerstand von rechts nach links gedrängt, an der Giebelseite des Hauses in die Höhe und wie sich ein Halm neigt und fällt, der von der Sichel berührt wird, so neigte sich und fiel das Gebäude, und neue Wellen deckten seine Trümmer sammt der Staubwolke, die im Aufsteigen begriffen war, zu. Ein großer Heuhügel, der aus dem angrenzenden und zugleich mitgerissenen Pferdestall und Heuboden einer größeren Hofraithe kam und oben auf schwamm, war der Grabhügel von vier Menschen, welche unter den Trümmern dieses Hauses ihren Tod fanden.
Die eine dieser Unglücklichen war die 28jährige M.J.K. Eben hatte sie, auf der Treppe im Innern des Hauses stehend, von draußen den Warnruf vernommen, der sie auffordert, das Haus zu verlassen; aber nachdem sie, die Gefahr nicht achtend, den einen Augenblick versäumt hat, bringt schon der andere ihr den Tod, den sie wahrscheinlich dadurch erlitt, daß das krachende Gebälk sie erschlug. Man hat sie wenigstens nicht wieder auftauchen sehen, sondern unterhalb des Dorfes an der „Kropfhütte" als Leiche wiedergefunden. Ihre Zwillingsschwester A.M.K., die kurz zuvor von Sontra hergekommen war und im oberen Stock bei dem kranken 6 jährigen Kinde ihrer Schwester, ihrer Pathe, geweilt hatte, tauchte noch einmal etwa in der Mitte des Dorfs auf; blutrünstig im Gesicht, streckt sie mit der letzten Kraft und Besinnung ihre Hände nach einem durchbrochenen Gefach des H.'schen Hauses, von dem sie nur wenige Schritte noch entfernt ist, aus, als ein heranschwimmender Strohhaufen sie zudeckt und sie die H.'sche Hofraithe entlang fortreißt. Am dritten Tage fand man dort ihre Leiche unter einem Berge von Schutt und Geräthschaften. Die beiden übrigen Personen, die ihren Aufenthalt im Hause in der Stunde seines Zusammensturzes hatten, waren Kinder, die schon erwähnte 6jährige A.M.K. und die 3/4jährige M.E.B., das Kind einer andern Bewohnerin des
Hauses, die samt den noch übrigen zwei Insassen desselben durch eine gnädige Fügung zur Stunde der Gefahr sich außerhalb befand und so vor gleichem Tode bewahrt blieb. Von den Leichen der beiden Kinder wurde die eine im Garten des Untermüllers C.B., die andere auf einer Wiese in der Hornel'schen Gemarkung gefunden.
Aber noch war die Zahl derer, die in schnellem Tode abgerufen werden sollten, nicht voll. Die Gewässer haben die dammartige Erhöhung, die am Eingang zum T.'schen Hofe zum Schutz desselben angebracht ist, langst überfluthet und bilden auf dem Hofe einen Strom, der die Stallungen und Scheune von dem Wohnhause unüberschreitbar trennt. Drüben im Pferdestall befindet sich der 14jährige Sohn des Hofbesitzers. Das eindringende Wasser nöthigt ihn, in die Höhe zu steigen. Da läßt sich ein Krachen und Brechen hören, welches ihm den Zusammensturz der angrenzenden Scheune, die auf zwei Seiten von des Stromes Gewalt erfaßt war, ankündigt. Der Schrecken treibt ihn hinauf bis unter die Dachfirste; ein Blick durch eine Luke, die er sich durch Wegnahme einiger Ziegeln gebildet hat, überzeugt ihn von seiner Todesgefahr. In der Todesnoth ruft er mit ausgestreckten Armen und lauter Stimme hinüber nach Hülfe: „Vater, helft!" Aber „mein Sohn, ich kann Dir nicht helfen," ist die trostlose Antwort, die ihm der Vater mit schwerem Herzen zurückgeben muß. Und kaum, daß dieser das Fenster verlassen hat, um nach seiner verloren geglaubten Frau zu sehen, die jedoch inzwischen aus einem Stall im Wohnhause von den Armen einer kräftigen Magd in die Höhe gezogen worden war, so bricht das gegenüberstehende Stallgebäude zusammen, und von dem Sohne sieht der zurückeilende Vater keine Spur mehr. Vom Kirchberge aus hat man gesehen, wie er in großen Bogen in die Fluth geschleudert und darin alsbald von heranschwimmenden Flachshaufen zugedeckt worden ist. An einem der ersten Häuser der Stadt Sontra fand man am andern Tage seine Leiche.
Der siebente Todte endlich, der beklagt wurde, war der Tagelöhner I.H. Schw. Ein Versuch, den er machte, ein Schwein aus dem Stalle zu retten, mißglückte dadurch, daß die Fluth die Stallthür zuschlug und so schnell die Höhe des ganzen Stalles überstieg, daß ihm mit einemmale Luft, Licht und Ausgang abgeschnitten war. Seine zerrissenen Kleider sind Zeichen seines Todeskampfes. Als um Mitternacht das Gewässer verlaufen war, ward er in aufrechter Stellung gefunden und, noch warm, von seinen drei verwaisten Kindern auf's Stroh gelegt.
„Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, und sind wie ein Schlaf; gleichwie ein Gras, das doch bald welk wird, das da frühe blühet und bald welk wird, und des Abends abgehauen wird und verdorret." Das ist das Bild, in dem uns der Menschen Leben vor Augen getreten ist, und das uns, die wir so sicher leben, erschrecken gemacht hat vor der Stimme des Herrn, die da gehet auf den Wassern und die da spricht: Kommt wieder, Menschenkinder! Aber daß Er, der Ewige, seine Ehre weder dem Menschen, noch auch irgend einer andern Creatur geben will, ist uns gezeigt worden in dem, daß wir, was man für ewig schätzet, wie einen Rauch, den der Wind verjagt, haben dahinfahren gesehen, ist uns gezeigt worden in dem Hinsterben des Viehs, in dem Brechen der Häuser und in den Brüchen des mit Saat bestandenen Erbodens.
Schauerlich belebt wurde die Fluth durch die Thiere allerlei Art, die theils aus ihren Ställen heraus, theils mit denselben fortgerissen wurden. Hier und da gelang es einem derselben, der Gewalt des Stromes, der sie im Wirbel hintrieb, sich zu entreißen und festen Boden zu gewinnen: 5 Pferde, 7 Schweine und etliche Kühe landeten in der Nähe des „Seerasens", 6 Pferde bei Hornel, einige Rinder in höher gelegenen Gärten. Immer blieb jedoch noch der beträchtliche Verlust von 6 Pferden, 41 Stück Rindvieh, 63 Schweinen, etwa 780 Schafen, 10 Ziegen und vielem Federvieh zu beklagen, welche theils in offener Fluth umgekommen waren und am andern Morgen zerstreut umherliegend, den schrecklichen Anblick der Wüstenei noch schrecklicher machten, theils - und das namentlich die Schafe - in den Ställen am Boden lagen. Nur wenige von den Ställen, die im Bereich der Fluth standen, hatten die Höhe, die einen Zwischenraum zwischen dem Wasser und der Decke zuließ und die es dem größeren Vieh möglich machte, mit Aufstellung der Vorderfüße auf die Krippen sich so hoch zu erheben, daß der Kopf über Wasser blieb.
Nicht viel weniger hart ist der Verlust an Vieh, von dem nun auch die beiden andern zum Kirchspiel Berneburg gehörigen Gemeinden Diemerode und Heierode betroffen wurden. In jener gingen 2 Pferde, 3 Kühe, 3 Rinder, 18-20 Schweine, an 200 Stück Schafe, in dieser 6 Pferde, 35 Stück Rindvieh, 582 Schafe, 23 Schweine, 10 Ziegen und 25 Gänse meist in den Ställen verloren.
Die Verwüstungen, welche die Wasserfluth an den Gebäuden anrichtete, bestehen in Diemerode weniger in dem Einsturz von Häusern, - denn nur ein Backhaus wurde hier von der Fluth mitgenommen, - als in starken Beschädigungen und Anfüllung von Schlammassen, von denen besonders 4 Gebäude so betroffen wurden, daß deren Herstellung bis zur Bewohnbarkeit eine lange Zeit erforderlich macht. Ebenso sind in Heierode zwar nur zwei Gebäude fortgerissen, aber sechs Wohnhäuser so beschädigt und durchweicht, daß sie auf längere Zeit, eins wohl für immer, unbrauchbar geworden sind. Größeres Unheil auch an den Gebäuden richtete die Fluth, durch Zuflüsse aus den Bergschluchten verstärkt und durch das enger werdene Thal zusammengedrängt, in Berneburg an. Wie Kartenhäuser, die vom Luftzug getroffen werden, brachen hier überhaupt 12 Gebäude, und zwar keineswegs nur alte und schlecht verwahrte, in wenigen Minuten zusammen und wurden selbst mit schweren Quadern, auf denen sie ruhten, so vollständig weggetragen, daß von den meisten auch nicht eine Spur die Stätte anzeigt, wo sie gestanden haben. Andere Gebäude in und unterhalb Berneburgs wurden zur Hälfte fortgerissen und öffneten die Räume der andern Hälfte dem Wind und Wetter. In dem untern Stock derjenigen Gebäude aber, welche vom Wasser getroffen, aber stehen geblieben waren, hatte dasselbe ein wüstes Spiel getrieben. Hier waren die Gefache durchbrochen und alle kleinen Geräthe, Bücher u. dgl. ausgeführt, dort, bei andern, die Dielen trotz Niet und Nagel 1 bis 2 Fuß hoch von unten herauf gehoben, und selbst die schwersten Möbel von ihrem Platze gerückt, im Kreise umhergetrieben, dann übereinander geworfen und so zum großen Theil zerstört oder stark beschädigt und mit Schlamm erfüllt, vom Wasser wieder verlassen worden. In dieser Weise betroffen sind unter andern die Kirche, in welcher ein zwei Fuß hoher Wasserstand den Altar schwimmen gemacht hat, das Pfarrhaus, in welchem sämmtliche Stuben des untern Stocks den Anblick eines traurigen Chaos von ruinierten und durcheinandergeworfenen Möbeln und selbst aus dem Keller emporgehobenen Geräthschaften darbot, und das Schulhaus, in welchem die Zerstörung des untern Stockwerks auch die Vernichtung des größten Theils des Inventars zur Folge hatte.
Die Verwüstungen endlich, die in den Feldern angerichtet wurden, bestehen hauptsächlich in der Verschlämmung der überflutheten Wiesen und der Vernichtung der Heuernte, sowie in den Brüchen und Gruben des Erdbodens, welche an den Stellen entstanden sind, an denen Hauptniederschläge des Wassers stattgefunden haben. Besonders betroffen ist hierbei die Gemeinde Diemerode, die an der Herstellung zerstörter Feldwege und Grundstücke, namentlich nach Eltmannsee zu, mühsame Arbeit
findet. Aber auch im s.g. „Tann" bei Heierode haben die Felder durch das Herabrutschen der Raine beträchtlichen Schaden erlitten. Besonders merkwürdig ist jedoch eine Stelle in der Diemeröder Gemarkung, an welcher der etwa 3 Fuß tiefe Wurzelboden einer etwa 150 Schritt langen und 30 Schritt breiten Fläche samt Nadelholz, womit dieselbe bestanden war, durch die Gewalt des Niederschlags von der Anhöhe in die Tiefe hinabgetrieben worden ist. Ein Einwohner zu Diemerode will beobachtet haben, wie hier eine Wolke sich niedersetzte, so daß die Fichten, die oberhalb der zerstörten Fläche stehen geblieben sind, ihm plötzlich über der Wolke erschienen.
Dies möge genügen, um ein schwaches Bild einer an uns geschehenen Gottesthat Denen zu geben, die ferne von uns sind, in Denen aber, welche sie selbst erlebt haben und errettet worden sind, das heilsame Andenken daran zu erhalten und ein Denkmal zu stiften, welches außer dem geredeten auch durch das geschriebene Wort für Kind und Kindeskind erzählen könne von Dem, was Gott gethan hat zu ihrer Väter Zeiten vor Alters. Dazu bedarf es aber noch Eines. In einer Beschreibung göttlicher Gerichte darf die Erwähnung der göttlichen Bewahrung nicht fehlen, an denen erkannt werden soll, daß es eine und dieselbe Hand ist, welche schlägt und welche rettet, und welche in dem einen wie im andern gleich mächtig ist.
Eine gnädige Bewahrung war es zunächst, daß das ganze Unwetter sich nicht in Ein Thal entladen durfte, sondern in einer Ausdehnung von etwa 2 Stunden an der Stelle der Wasserscheide zwischen Fulda und Werra sich niederließ, die eine Vertheilung der Wassermassen in 8 verschiedene Thäler, den Asmushäuser und den Haselgrund, den Pfiefe- und den Landegrund, den Schemmer- und den Hosbacher Grund und die beiden von den Quellflüssen der Sontra durchflossenen Thäler möglich machte. Das Unglück wäre nicht auszudenken, welches entstanden sein würde, wenn die Gewässer, die in mehreren den genannten Thäler wohl ebenso groß, aber wegen der Thalweite weniger gefährlich waren als hier, sich in Einem Thale vereinigt hätten.
Eine Bewahrung war es sodann, daß die Fluth, obwohl sie so unvermuthet kam wie der Dieb in der Nacht, doch nicht zur Zeit der Nacht, sondern noch beim Lichte des Tages hereinbrach und dadurch nicht Wenigen die rechtzeitige Flucht und somit die Rettung wenigstens des Lebens möglich machte. Die Bestürzung würde weit größer geworden, und Rettungsversuche von Vielen zu spät gemacht worden und bei der nicht zu vermuthenden Höhe des Wassers zum Unheil ausgeschlagen sein, wenn die Fluth 1 bis 2 Stunden später gekommen wäre und auf ihr die Finsterniß gelegen hätte, die jeden Schrecken doppelt schrecklich macht.
Dazu kommen die vielen Bewahrungen im Einzelnen. Hier nimmt die Fluth ein halbes Wohnhaus mit, aber so lange hält der Einsturz noch auf, bis auch der letzte seiner Bewohner geflüchtet, auch das Kind in der Wiege gerettet ist, und also, wie der Spruch am selbigen Hause sagt: „Alle, die da gehen ein und aus," bewahrt sind. Dort schwindet ein ganzes Wohngebäude, aber seine Bewohner stehen, wenn auch der Habe beraubt, doch gerettet auf dem Berge. Hier dringt das Wasser blitzesschnell von zwei Seiten in eine Wohnstube. Aber irgend ein Umstand hat die meisten, darunter die schwächeren Familienmitglieder, in das obere Stock gerufen und nur zwei Personen sind noch zurück, von denen die eine auf die Fensterbank flüchtet und von da mit leinenen Tüchern in die Höhe gezogen wird, die andere, der Herr des Hauses, zwar eine Zeit im Wasser, das ihm bis zu den Schultern reicht, zubringen muß, aber bei einem eingetretenen Fall des Wassers von einer kräftigen Hand durch die Thür zur Treppe geleitet wird, ehe die Fluth von Neuem und höher steigt, als sie zuvor gewesen ist. Dort springt ein Knecht, um nicht vom Strom erfaßt zu werden, auf einen noch stehenden Kohlenwagen. Alsbald wird der Wagen gefaßt und im Kreise auf dem Hofe herumgetrieben, bis er sich einem Gebäude nähert, wo er den jungen Mann, der ein Fenster einstößt und sich hineinschwingt, absetzt und nunmehr vor den Augen des Geretteten vom Strudel erfaßt, umgeworfen und zum Hofe hinausgetrieben wird. Hier flüchtet ein Anderer zu einer Scheune. Aber gegen alle von ihm angewendete Gewalt bleibt Riegel und Thor verschlossen und nöthigt ihn, ein anderes Gebäude zum Zufluchtsort zu machen. Noch bietet ihm die Stiege darin ihre Stufen zur Flucht dar, bis sie dann sammt der Scheune, die ihm hatte Schutz gewähren sollen, fortgeschwemmt wird. Dort sind zwei Personen noch rechtzeitig aus dem bedrohten Hause geflüchtet, zwei andere, der Herr des Hauses und eine Dienerin, geblieben, das Haus ist umfluthet, das Gebälk kracht, Haus und Bewohner sind in größter Gefahr, aber ein Kleiderschrank muß, nachdem die Säulen der einen Hälfte des Hauses verschwunden sind, die Decke stützen, den weiteren Einsturz verhüten und die bedrohten Menschenleben unversehrt erhalten. Hier und da bleibt ein Wohnhaus, während andere, die einen gleich gefährlichen stand haben, brachen, wunderbarer Weise, der Fluth trozend, stehen; dort
flüchtet eine Familie auf schmalen Brettern aus der Bodenluke des Wohnhauses hinüber in ein Gebäude, das man sicherer achtet, und dort klettern 12 Personen, darunter Mütter mit Säuglingen, aus dem höchsten Boden eines zweistöckigen Hauses, tief unter sich die drohende Fluth, an der Mauer hin, die ersten Hand und Fuß in die Steinritzen einsetzend, die übrigen auf vier schwachen, auf einem Vorsprung unsicher aufgelegten Stangen, in die zerfallene Fensteröffnung der Ruine eines massiven Burgsitzes - und das Wagstück gelingt.
So und auf andere ähnliche Weise haben Viele leiblich erfahren: „Deine Fluthen rauschen daher, daß hier eine Tiefe und da eine Tiefe brausen, alle Deine Wasserwogen und Wellen gehen über mich", und können nach leiblicher Errettung sagen: „Du lässest mich erfahren viele und große Angst, aber Du machst mich wieder lebendig und holst mich aus der Tiefe der Erde herauf." Aber Das, was Gott der Herr an dem Leibesleben der so Geretteten gethan hat, ist ein Bild der Rettung der Seelen, um die es Ihm bei allen seinen Heimsuchungen zu thun ist, und die Er allein ausrichten kann und ausrichten will. Ob dieser göttliche Liebeswille in der Folge von den Heimgesuchten erkannt worden ist, davon zu reden liegt außerhalb der Grenze der mir gestellten Aufgabe, die sich nur auf eine Beschreibung des 14. Juni erstreckt. Daß aber dieser Wille Gottes, wonach nicht Jemand verloren werden, sondern sich Jedermann zur Buße kehren soll, in der Zukunft mehr und mehr erkannt, und Das, was Gott an Ernst und Güte uns erfahren ließ, immer neu in's Gedächtniß zurückgerufen werden und allezeit zur Ermahnung und zum Troste gereichen möge, dazu wolle Er dies in Worte gefaßte schwache Bild Seiner Heimsuchung segnen."
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   15.02.2006
Beleg Alfred Ackermann: Chronik der Ortschaft Berneburg, Gudensberg-Gleichen 1991, S. 76-85.
Bearbeiter Jochen Ebert
   
Eintrag 1605
Schlagworte Wolkenbruch; Starkregen; Hochwasser; Überschwemmung; Gebäudeschäden; Vieh, ersoffenes
Ortsangaben Heuchelheim
Zeitangabe 2.6.1853
Quellenzeitangabe
Originaltext "Im Jahre 1853, den 2ten Juni fiel ein Wolkenbruch in den nordwestlichen Waldungen,oberhalb Kinzenbach; gegen 5 Uhr nachmittags merkte ich ein Rauschen, als ich hinter meiner Scheuer war; ich dachte mir aber nichts dabei. Die Leute sprangen nach dem Tuch auf der Bleiche, denn es fing an zu regnen. Ich ging vor das Hoftor, da kam das Wasser im Bach schon stark, da schwang ich auf den Steg und wollte einen kleinen Steg halten; da rief mir ein guter Freund zu: halt mir einmal mein Faß! (nämlich ein Äpfelweinfaß!) Da zog ich meine Schlappen vor dem Steg so'geschwind als möglich aus und steckte sie in des Kreilings beim Spritzenhaus Weinstock. Ja, fast in einer halben Minute, als ich über den Steg kaum weg war, da ging er fort. Ich flüchtete schnell in des Nesseldrehers Hof. Der Nesseldreher war nicht da! Wir wollten schnell das Schwein herausziehen (Anm.: aus dem Stall!), wir brachtens aber nicht heraus. (Ich und sein Sohn). Ich machte die Haustür schnell hinter mir zu, daß die Küchengeräte nicht fort fließen sollten. Auf dem Hof floß alles schon durcheinander und das Wasser floß in den Keller hinein: ich möchte sagen, daß, als ich den Steg fangen wollte, von der Zeit an bis in des Nesseldrehers Stub bei dem Aufenthalt mit dem Schwein, es doch nicht länger als eine Minute gedauert hatte. Es wäre ein großer Schrecken für mich gewesen, wenn ich gewußt hätte, wie es mit dem Haus aussah. Das Haus hatte eine Schutzmauer an der nördlichen Seite, die war durch die schweren Bauhölzer eingerammt, die von der Mühl und Schlagmühl und Brauhaus abgeflossen waren.Da kamen mehrere Kühe geschwommen, die hätte ich an den Hörnern halten können am Fenster. Es war ein Durcheinander! Die Nesseldrehers weinten wegen ihrem Vater. Sie wußten nicht, was sie denken sollten: er war an der Lahn zum Fischen. Wir saßen unten in der Wasserwut- und Flut und das Haus war auch schon i n großer Gefahr. Die Mauer war ausgehöhlt: wenn noch ein Holz dagegen gerammt kam, dann drohte der Einsturz. Wir wußtm es aber nicht. Unsere Schafe waren wegen dem Regenwetter zuhaus. Beim Nesseldreher war ein Gefach eingefallen am Schafstall neben dem Kuhstall. Da waren die Hämmel fortgeschwommen bis auf einen, der war unter den Kühen ersoffen. Das Wasser floß mit Gehölz dem Dorffalltor hinaus. Die Äcker waren durch die Landwehr (Croppach!) im Gießener Feld ausgeflossen. Die Leute, die aus den Fabriken kamen, mußten sich fahren lassen auf der Straße von Gießen her. Unsere Gemeinde hat's viel gekostet: die Stege waren alle fort, es sah aus! Die Miststätten waren vom Mist entleert, das Holz war fortgeflossen aus den Gebäuden, die am Bach standen. Meine Leute wußten garnicht, wo ich war. Am Abend guckte ich einmal am Fenster,
schwenkte mein Hütchen zum Zeichen, daß sie sehen sollten. wo ich wäre. Denn sprechen konnte man nicht mit dem Nachbar wegen dem Getös des tobenden Wassers. Man hörte die kleinen Schweine quietschen, die die Leute in die Stuben getragen hatten. Es waren auch mehrere Hunde an der Kette ersoffen und auch Kälber. In der Nacht senkte sich das Wasser. Wir waren fast verdurstet über Nacht; die Milch war fortgeflossen. Es war früher schon einmal ein Wolkenbruch gewesen in dem 1'7. Jahrhundert! Aber doch so kein hoher Wasserstand wie der letzte es war. Gut, daß der Steg weg gekommen war, sonst hätte sich das Wasser noch mehr gestaut. Es gab im Gießener Feld eine Masse Meiner Fröschchen, als wenn's sie geregnet hätte! Unserem Wirthe Kreiling, meinem Nachbar Jakob Kröck, meinem Onkel Ludwig Kröck i n der Krone, war viel verloren gegangen in
ihren Kellern. Die Kartoffeln aus ihren Kellern waren meistens in unserem Keller. Dann war das Wasser mit dein Fallen des Bachs abgelaufen. Unsern Kartoffeln hat's nicht geschadet. Die Höhe des Wassers war bezwungen hier und da. Es war auf den Augenblick keine Kleinigkeit, wo man nicht hinter noch vor sich kommen konnte. Es war fast keine Rettung mehr. Die andern verstanden nicht, wie groß die Gefahr war, sie waren ja noch Kinder. Die Mutter tröstete ich, als sie glaubte, ihr Mann müßte ertrunken sein. Aber er war garnicht in Gefahr, war zufällig in meinem Haus über Nacht."
Bemerkungen Tagebuchaufzeichnungen von Jacob Hofmann V. aus Heuchelheim
Bearbeitungsstand   16.03.2006
Beleg Gisela Kraft-Schneider: Ein Heuchelheimer Tagebuch, in: Mitteilungen des oberhessischen Geschichtsvereins Gießen NF, Bd. 65 (1980), S. 201-225, hier S. 205 f.
Bearbeiter Jochen Ebert
   
Eintrag 2378
Schlagworte Wolkenbruch; Unwetter; Gewitter; Donner; Blitz; Feldfrüchte, Schäden an; Hochwasser; Überschwemmung; Gebäudeschäden; Personenopfer; Dämme, zerstörte; Vieh, ersoffenes
Ortsangaben Schwalm, Fluss; Reuters; Angersbach; Brauerschwend; Altenburg
Zeitangabe 26.5.1749 - 27.5.1749
Quellenzeitangabe 2. Pfingsttag 1749
Originaltext "Endlich verdient noch angemerkt zu werden, daß im oberen Schwalmtal am 26. Mai, als am anderen Pfingstfeiertag dieses jetzt laufenden 1749. Jahres ein großer Wolkenbruch, der mit Donner und Blitz gemischt gewesen, gefallen. Das Donnerwetter hat nicht allein an vielen Orten, wo der Strich hingegangen, an den Feldfrüchten großen Schaden getan, sondern es hat auch das Gewässer hin und wieder keine geringe Verwüstung angerichtet. Bei Reuters hat die Gewalt des Wassers den Damm eines Teichs zerrissen, worauf der sogenannte Schwalmfluß und andere kleine so hoch angeschwollen, daß sie aus ihren tiefen Ufern getreten sind, und durch den straken Strom an Häusern, Scheuern, Mühlen, Gärten, Äckern und Wiesen großen Schaden verursacht haben, wobei zugleich verschiedene Menschen und Vieh umgekommen sind. Zu Angerbach im Riedeselschen sind durch diese Flut einige Häuser weggespült worden, und man hat 14 derselben gezählt, welche dieses Unglück betroffen. Zu Bauerschwendt hat die Gewalt des Wassers eine Ölmühle nebst zwei Scheuern, und auf der Altenburg zwei Häuser mit sich fortgeführt, und zwar mit solchem Ungestüm, daß die Plätze, wo sie gestanden, nicht mehr kennbar gewesen, zumal da das Wasser große Steine dahingewälzt hatte. An diesem letzten Ort, wo noch ein ander Haus nur zur Hälfte stehen geblieben, ist eine Frau mit ihren zwei Enkeln von der Flut mitgenommen worden. Alle diese drei Personen haben in dieser Wassernot elendiglich umkommen müssen. Es sind noch zwei Schäfer, welche die Schafe schwemmen wollten, ertrunken, und zu Ziegenhain ist ein Kind im Wasser verunglückt. Den Schaden, den dieses außerordentliche Wetter hin und wieder verursacht hat, hat man über 20 000 Taler geschätzt."
Bemerkungen Der Autor zitiert aus
Bearbeitungsstand   04.05.2014
Beleg Julius Paulus: Das Wassernetz im Schwalmtal von Zella bis Treysa, in: ZHG 67 (1956), S. 119-129.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   
Eintrag 2499
Schlagworte Hochwasser; Überschwemmung; Gebäudeschäden; Vieh, ersoffenes
Ortsangaben Wanfried; Werra, Fluss; Eschwege
Zeitangabe 14.11.1461
Quellenzeitangabe
Originaltext "1461. 14. November ist die Werra aus den Ufern getreten und eine Überschwemmung gewesen, deren sich in solcher Größe niemand hat erinnern können; und ist der ganze an der werra gelegene Teil der Häuser überflutet und zum Teil zerstört worden, auch viel Vieh umkommen. Das Wasser ist in Wanfried gangen bis auf den Klosterhof und hat hier ein Ellen hoch gestanden. In Eschwege hat dazumal in der Heil. Geistkirchen das Wasser auf dem Altar standen."
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   24.02.2011
Beleg Reinhold Strauss: Chronik der Stadt Wanfried, Wanfried 1908, S. 12-13.
Bearbeiter Jochen Ebert
   
Eintrag 4383
Schlagworte Wasserguss; Starkregen; Sturm; Hochwasser; Überschwemmung; Gebäudeschäden; Brücken, zerstörte; Vieh, ersoffenes; Menschen, ertrunkene; Stadtmauern, eingestürzte; Erdrutsch
Ortsangaben Lahn, Fluss; Limburg; Diez; Hadamar; Gießen; Wanfried; Werra, Fluss; Treis an der Lumda; Herrenbreitungen; Fritzlar; Altenburg; Röhrenfurt; Rotenburg; Fulda, Fluss; Kassel
Zeitangabe 5.1.1643 - 6.1.1643
Quellenzeitangabe
Originaltext "Wie in ganz Italien, Deutschland und den Niederlanden dieses Jahr mit einem fürchterlichen Aufruhr aller Elemente, mit Erdbeben, Wassergüssen und geftigen Stürmen begann, so stieg auch in Ober- und Niederhessen durch angeschwollene und ausgetretene Flüsse die Gefahr der Ueberschwemmung bis zu einem erhöhten Grade. Die Lahn, welche in der Gegend von Limburg, Dietz und Hadamar Mühlen, Häuser, Menschen, Vieh und Früchte mit sich fortriß, überfluthete zuerst den niedrigen Wallgraben der Stadt Gießen; bei Wanfried zerborst der Felsen der Plesse und stürzte ins Thal; zu Treiß an der Lumbde, zu Herrenbreitungen, zu Fritzlar, Altenburg und Röhrenfurt stürzten Stadtmauern, Häuser und Brücken zusammen. Die Fulda, um Christtag bei Rotenburg drei Tage angeschwollen erreichte binnen zwei Tagen zu Cassel einen so hohen (noch jetzt durch mehrere Inschriften bezeichneten) Stand, daß die Kirchenkanzel der Unterneustadt bespült und der Hauptwall mit seinen neuen Gegenschaaren zerstört wurde; die in den oberen Geschossen des Nassauer Hofes, des Wohnsitzes der Landgräfin Juliane und ihrer Töchter, bedrohten fürstlichen Frauenzimmer konnten nur durch schleunig erbaute Gerüste gerettet werden."
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   18.01.2016
Beleg Christoph von Rommel: Neuere Geschichte von Hessen, Achter Band, Cassel 1843,S. 639–640.
Bearbeiter Holger Hamecher
   

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