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Eintrag 4220
Schlagworte Winter, milder; Frühjahr, nasskaltes; Gewitter; Wolkenbruch; Regen, mehrstündiger; Überschwemmung; Unwetter; Gebäudeschäden; Wiesen, verwüstete; Äcker, verwüstete; Bäume, entwurzelte; Wege, auffgerissene; Heuernte, vernichtete; Hagelwetter; Hagelkörner von 30 cm Durchmesser
Ortsangaben Rasdorf; Grüsselbach
Zeitangabe 12.1748 - 9.9.1749
Quellenzeitangabe
Originaltext „In der von Pfarrer Valentin Fuchs niedergeschriebenen Ordnung der Gottesdienste am Gehilfersberg wird vermerkt, daß die Pfarreien Rasdorf und Großentaft auf Grund eines Gelübdes seit 1750 am Tag des hl. Johannes Nepomuk (16. Mai), des Patrons gegen Wasserschäden, zum Gehilfersberg wallfahrteten.
Die größten uns bekannt gewordenen Unwetterkatastrophen erlebte Rasdorf nämlich im Vorjahr 1749. Nach einem milden Winter und einem naßkalten Frühjahr, das schon schlechte Ernteaussichten brachte, kam am zweiten Pfingsttag (26. Mai) ein neun Stunden anhaltendes Gewitter mit einem Wolkenbruch. Der Dorfbach schwoll, wie Fuchs berichtet, zu Wassermassen an, als ob der Rhein durch Rasdorf fließe. Außer Wasser und Bergen will der Chronist dieser Sintflut kaum etwas gesehen haben. Zu allem Unheil kam am dritten Pfingsttag (27. Mai) ein fast gleiches Unwetter. Der vor allem im Unterdorf von Rasdorf und in Grüsselbach angerichtete Schaden war ungeheuer. Dämme und Brücken wurden zerrissen, Häuser, Scheunen und Ställe wurden umgerissen und deren Bauholz von den Wassermassen, die auch starke Bäume entwurzelten, weggeschwemmt, Wiesen und Äcker waren mit Schlamm und Steingeröll verwüstet, die Wege und Straßen mit tiefen Löchern aufgerissen und unbefahrbar.
Das Katastrophenjahr setzte sich mit einem weiteren Unwetter fort, das wenige Wochen später die Heuernte total vernichtete. Schließlich kam nach Mariä Geburt (8. September, also am 9.9.1749) ein Hagelwetter, noch zwei Tage später lagen die Hagelkörner 30 Zentimeter und höher. Auch der höher gelegene Ortsteil von Rasdorf kam nicht ohne Schaden davon. Viermal drang das den Anger herunterfließende Wasser in die Stiftskirche ein, brachte Grabgrüfte zum Einsturz und hinterließ am Boden eine hohe Schicht Schlamm und Unrat.
Die große Katastrophe lebte noch lange in der Erinnerung der Menschen weiter. Zum Beispiel berichtete der alte Jakob Schreiber in Grüsselbach noch in den 20er Jahren von einem großen Wolkenbruch, der mehrere Tage gedauert habe, und bei dem das Wasser in der Kirche zu Grüsselbach bis in die Höhe der Empore eingedrungen sei. Bei diesem Unwetter sei auch das Erdreich von der einst bewaldeten steilen Westseite des Standorfberges weggeschwemmt worden.“
Dem Artikel ist eine Ansicht von Rasdorf von nach 1853 beigefügt. Im Bildtext darunter heißt es: „Bei den Häusern im Bachgrund wurden aus der Erfahrung des Katastrophenjahres hohe massive Sockelgeschosse errichtet“
Bemerkungen
Bearbeitungsstand   24.10.2015
Beleg Ludwig Pralle: Das Katastrophenjahr 1749, in: Rasdorf – Beiträge zur Geschichte einer 1200-jährigen Gemeinde, hg. v Gemeindevorstand Rasdorf, 1980, S. 101–102.
Bearbeiter Dr. Friedhelm Röder
   

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